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Der brutale Gotthard

Tunnelbau heute: Das ist ein Hightechprojekt der Extraklasse. Anders der Bau des ersten, 1882 vollendeten Gotthardtunnels. Er entstand unter unvorstellbaren Strapazen. Fast zweihundert Arbeiter starben.

Der Titel dürfte zu den kürzesten in der Geschichte der NZZ gehören: «Durch!»

Fünf Buchstaben und ein Ausrufezeichen überschrieben am 1. März 1880 die Meldung des Tages. Mehr brauchte es nicht, um jedem und jeder klarzumachen: Es war vollbracht. Der Gotthard war durchschlagen. Am 29. Februar, einem Sonntag, um 11.15 Uhr war die letzte Wand zwischen Nord- und Südabschnitt weggesprengt worden. Bereits tags zuvor hatten die Mineure eine kleine Öffnung in die Wand gebohrt. Durch diese reichte der Ingenieur des südlichen Stollens den Kollegen im Norden eine kleine Blechbüchse. Darin lag eine Fotografie von Louis Favre, dem verantwortlichen Ingenieur. Er war sieben Monate zuvor im Tunnel zusammengebrochen und verstorben. Auf der Rückseite des Fotos stand: «Wer wäre würdiger gewesen, als Erster die Schwelle zu überschreiten, als Favre, der seinen Mitarbeitern Meister, Freund und Vater war. Viva il Gottardo!»

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