Der neue Swiss Pass ersetzt GA und Halbtax

General- und Halbtaxabonnements sind künftig rot statt blau. Die neue Karte enthält einen Chip, auf welchen zusätzliche Dienstleistungen geladen werden können.

Jeannine Pilloud, Leiterin SBB Personenverkehr, nimmt Stellung zur Lancierung des SwissPass. Video: Claudia Salzmann

Wer ab dem 1.August ein neues Halbtax- oder Generalabonnement (GA) kauft, erhält statt der bisherigen blauen eine rote Karte, Swiss Pass genannt. Darauf ist neben Name, Foto und Geburtsdatum lediglich eine Nummer gedruckt. Ob es sich um ein GA oder ein Halbtax handelt und wie lange das Abo noch gültig ist, steht nicht mehr auf der Karte. Das kann der Billettkontrolleur nur feststellen, indem er die Karte an sein Kontrollgerät hält. Die Billettkontrolle dauert dadurch künftig etwas länger.

Für Passagiere ändert sich dagegen nicht viel. Neu kann ein Halbtax nur noch für die Dauer von einem Jahr gekauft werden, ein Mehrjahresrabatt fällt dadurch weg. GA und Halbtax werden zudem automatisch verlängert, wenn man sie nicht kündigt, eine neue Karte ist nicht nötig. Die Abonnenten erhalten aber rechtzeitig einen Brief, der sie auf das Ablaufdatum aufmerksam macht, damit sie fristgerecht künden können.

Die Stiftung für Konsumentenschutz kritisiert die Tatsache, dass man sein Abo explizit künden muss, wenn man es nicht verlängern will. Beim GA zeigen sich die Verantwortlichen allerdings kulant, wie Jeannine Pilloud, Leiterin SBB Personenverkehr, am Dienstag vor den Medien versicherte: Bei diesem Abonnement akzeptiere man auch ausservertragliche Kündigungen, wenn Kunden trotz schriftlichem Hinweis verpasst hätten, das Abo rechtzeitig aufzulösen. Die Kunden verlören dann maximal die Kosten für einen Monat.

Datenschutz

Die rote Karte enthält einen Chip, der laut dem Verband öffentlicher Verkehr (VÖV) über die sogenannte RFID-Technik funktioniert, welche auch in Skigebieten im Einsatz ist. Auf dem Chip selbst sind keine Personendaten oder Leistungen gespeichert, er verweist auf eine Datenbank. Selbst Kontrolleure können mit ihren Geräten nicht viel mehr als die Gültigkeit des Abos einsehen.

Wird eine Karte kontrolliert, so speichert das System diese Kontrolle während 90 Tagen. Eine Ortung über die Karte sei aber nicht möglich und es könne kein Bewegungsprofil erstellt werden, so der VÖV. Die Kunden können ihr Abo und ihre Daten über eine Website online einsehen, verwalten sowie weitere Angebote in Anspruch nehmen.

Dienstleistung

Auf die rote Karte können zusätzliche Dienstleistungen integriert werden. Ab August sind dies der Zugang zu Mobility Carsharing, zu Publibike, Schweizmobil sowie zu Skipässen in den Skigebieten Arosa Lenzerheide, Hoher Kasten, Lauchernalp, Flumserberg, Stoos, Engelberg Titlis sowie Jungfraubahnen (hier geht es zum Videointerview mit dem Jungfraubahnen-CEO). Weitere sollen folgen.

Noch gut eineinhalb Jahre wird es jedoch dauern, bis auch Verbundabonnements oder Tageskarten und Einzelbillette auf den Swiss Pass geladen werden können. Wie Jeannine Pilloud ausführte, ist die Karte weiter ausbaufähig, sodass einst auch Eintrittskarten in Museen oder Konzerte darauf geladen werden können. Ebenfalls zu diesem Punkt setzte die Stiftung für Konsumentenschutz in ihrer Medienmitteilung vom Dienstag ein Fragezeichen: Die Optionen für zusätzliche Leistungen schienen unbegrenzt. Damit sei die Gefahr gross, dass die Karte zu einem Gemischtwarenladen verkomme und es schwierig werde, den Überblick zu bewahren.

Neue Systeme in weiter Ferne

Laut VÖV-Direktor Ueli Stückelberger ist die neue Karte «keine Revolution, sondern eine Evolution». In der Tat behebt der Swiss Pass eine der grössten Schwierigkeiten für Kunden des öffentlichen Verkehrs (ÖV) nicht. Nach wie vor muss ein Billett lösen oder ein Abo haben, wer in den Zug oder in den Bus steigt.

Schon lange gibt es Forderungen nach Lösungen, die den manchmal komplizierten Billettkauf überflüssig machen. Technisch und finanziell umsetzbar wären solche Systeme bereits. Es könnten die zurückgelegten Strecken erfasst und im Anschluss oder über Prepaid verrechnet werden. Doch wolle man die ÖV-Kunden nicht mit zu schnellen Entwicklungsschritten überfordern, sagte Stückelberger.

Deshalb beschreite man mit dem 61-Millionen-Franken-Projekt des Swiss Pass einen klassischen Mittelweg. Er verwies ausserdem auf die hohe Komplexität des Schweizer ÖV-Systems und die brancheninterne Zusammenarbeit, welche solche weiterentwickelte Lösungen erfordern.

Berner Zeitung

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