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Die Drohungen der Reichen

Potente Steuerzahler ziehen einen Wegzug aus der Schweiz in Erwägung, falls die Steuerinitiative der SP angenommen wird. Zwei Wochen vor der Abstimmung bauen die Superreichen eine dramatische Drohkulisse auf.

Prominente Schweizer Unternehmer drohen damit, das Land zu verlassen, falls die Initiative angenommen wird. «Ich würde ins Ausland ziehen», sagt Liftbauer Alfred N. Schindler gegenüber der «SonntagsZeitung». «Mir bedeutet die Schweiz viel, aber für mich würde die Steuerbelastung auf über 70 Prozent steigen. Das ist Enteignung und nicht tragbar. Die Schweiz würde sozialistisch.» Auch Swisspor-Chef Bernhard Alpstaeg, sagt: «Wenn diese Reichtumssteuer kommen sollte, müssten wir entweder auswandern oder das Unternehmen verkaufen.» Selbst Eisenbahnbauer und SVP -Nationalrat Peter Spuhler schliesst einen Wegzug nicht aus: «Sollte die Initiative angenommen werden und die Steuerquote weiter ansteigen, dann stellt sich auch für mich diese Frage.»

Christian Levrat, Präsident der SP, nimmt die Drohungen der Patrons gelassen entgegen und spricht gegenüber der «SonntagsZeitung» von einer «Erpressung des Schweizer Volkes durch die Reichen.» Der Tessiner Finanzinvestor Tito Tettamanti war einst selbst nach London ausgewandert, nun aber wieder zurück in die Schweiz gezogen. Er spricht aus Erfahrung, wenn er sagt: Dass Steuern nur eins der Elemente seien, bei der Entscheidung des Wohnsitzes.

Pieper: Eine Katastrophe für die Schweiz

Andere fürchten die Steuerinitiative mehr: In der Zeitung «Der Sonntag» sagt Michael Pieper, Inhaber der in der Küchentechnik tätigen Franke AG in Aarburg: «Ein Ja zur Initiative wäre eine Katastrophe für die Schweiz. Bestraft werden nicht Abzocker, sondern Unternehmer, die Arbeitsplätze schaffen und ihr Geld in der Firma lassen», so Pieper. Auf dem Wert seiner Firmen, der auf zwei bis drei Milliarden Franken geschätzt wird – müsste er voll Steuern zahlen. «Unsere Firma würde Mitarbeiter aus der Schweiz abziehen und anderswo beschäftigen.» Auch Pieper selbst zieht einen Wegzug in Erwägung: «Wir haben Szenarien erarbeitet – für mich persönlich und auch für das Hauptquartier der Firma.» Er hätte «kein Problem, im Ausland zu leben», macht Pieper klar: «Ich wohnte lange im Ausland, dort gibt es sehr schöne Orte.»

Auch der in Meggen im Kanton Luzern wohnhafte Rohstoffhändler Marc Rich denkt gemäss «Sonntag»-Recherchen über einen Umzug nach. «Er hat mir gesagt, dass er einen Wegzug nach London prüfe», sagt ein Vertrauter des Unternehmers. Thomas Schmidheiny sagt gegenüber dem «Sonntag», er sei sehr international aufgestellt mit seinen Beteiligungen: «Ich müsste meine Position zwingend überprüfen.» Dabei muss er sich laut seinem Sprecher die Frage stellen, ob er in der Schweiz bleiben kann. Schmidheiny, unter anderem im Zementgeschäft tätig, hat ein Vermögen von gut 5 Milliarden Franken.

Federer würde mindestens zwei Millionen Steuern sparen

Sogar bei Roger Federer ist ein Wegzug aus Wollerau im Kanton Schwyz nicht ausgeschlossen. Er wäre von der SP-Initiative massiv betroffen. Federer zahlte dort laut «Sonntag»-Informationen letztes Jahr 3,2 Millionen Steuern. Mindestens zwei Millionen mehr wären es bei Annahme der Initiative. Mit Wegzug drohen will man im Federer-Team nicht. «Wir warten jetzt erst mal die Abstimmung ab», sagt ein Vertrauter des Stars, der in Dubai einen Zweitwohnsitz hat.

In der gestrigen «Neuen Luzerner Zeitung» hatte Alfred N. Schindler, Hauptaktionär des bekannten Liftherstellers, in aller Deutlichkeit gesagt: «Wenn die SP-Initiative angenommen wird, ziehe ich ins Ausland. Es ist mir ernst.» Schindler, dessen Vermögen auf 4 bis 5 Milliarden Franken geschätzt wird, hält das Steuerkonzept der SP für einen «Jahrhundertfehler».

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