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«Die Post darf nicht stehen bleiben»

Frank Marthaler sitzt in der Konzernleitung der Post und führt einen Bereich, der 80 Prozent seines Umsatzes im Ausland generiert. Marthaler über sein Geschäft, das Verhältnis zur klassischen Post und die Folgen der Finanzkrise.

Der Konzernbereich Strategische Kunden und Lösungen (SKL) ist mit einem Umsatz von gut 700 Millionen Franken und über 7000 Mitarbeitenden eine wichtige Säule der Schweizerischen Post. Frank Marthaler, warum nimmt man SKL in der Öffentlichkeit trotzdem kaum wahr? Frank Marthaler:?Der Konzernbereich SKL ist noch sehr jung, er wurde erst im vergangenen Jahr gebildet und tritt gegen aussen auch nicht mit der Marke SKL auf. Zudem sprechen wir mit unseren Dienstleistungen nicht Privatkunden, sondern ausschliesslich Geschäftskunden an. Das ist einzigartig bei der Schweizerischen Post. Dazu kommt, dass wir 80 Prozent unseres Umsatzes im Ausland in 13 Ländern erwirtschaften.

Welche Art von Dienstleistungen bieten Sie denn an? Unser Bereich ist eigentlich die logische Verlängerung der Wertschöpfungskette des Briefs, und zwar in beide Richtungen. Als Outsourcing-Partner bieten wir grossen Firmen die komplette Abwicklung interner Postdienste an. Auf der anderen Seite übernehmen wir für unsere Kunden Druck, Frankierung und Verpackung von Geschäftsbriefen und Direct Mailings. Wir berücksichtigen die Entwicklung der digitalen Welt und bauen Brücken zwischen den beiden Welten. Ziel ist immer die vereinfachte Kommunikation zwischen Kunden und deren Endkunden.

Mit klassischen Post-Leistungen hat das nur am Rande zu tun. Werden Sie von Ihren Kollegen von der konventionellen Post als Konkurrenz angeschaut? Auf keinen Fall, im Gegenteil. Der Austausch ist befruchtend für beide Seiten. Wir nehmen im Ausland eine ganz andere Rolle ein als in der Schweiz. In der Schweiz sind wir marktmässig eine grosse Nummer, im Ausland sind wir überall Herausforderer. Das wirkt sich auf die Strukturen aus. Es macht flexibel, wendig, agil. Wenn wir die Vorzüge dieser beiden Welten verbinden können, bietet das riesige Chancen.

Welchen Stellenwert hat der Bereich SKL innerhalb der Post? Wenn wir unseren Konzern anschauen, so sind Postfinance und SKL jene Bereiche, welche Wachstum generieren können. Unsere Position wird damit nicht schwächer werden. Wir sehen noch Potenzial.

Die SKL-Palette sieht ein wenig nach Gemischtwarenladen aus. Was verspricht sich die Post von diesem Geschäft? Die Post befindet sich im Umbruch und darf nicht im traditionellen Geschäft stehen bleiben Jahr für Jahr werden weniger Briefe befördert, die Kundengewohnheiten und -ansprüche ändern sich – die Post muss darauf Antworten haben. Die Aktivitäten von SKL im postnahen Bereich helfen dem Unternehmen, einerseits neue Geschäfte zu generieren, andererseits aber auch die Auswirkungen der anstehenden Deregulierung besser zu antizipieren. Schliesslich stehen wir im Ausland voll im Markt.

Ihre Erkenntnisse? Wir haben festgestellt, dass sich bei einer Marktöffnung neue Dienstleister zwischen Grosskunden und den klassischen Post-Dienstleistern positionieren. Das hat massive Auswirkungen: In England hat beispielsweise die Royal Mail im Briefverkehr 30 Prozent ihrer Grosskunden verloren.

Wie erfolgreich sind Sie denn im Ausland mit Ihren Firmen wie Mailsource oder GHP? Die Post ist früh, bereits 2000, in den Markt eingestiegen. Heute sind wir im Bereich der internen Postleistungen weltweit bereits die Nummer drei. Das sichert auch die Arbeitsplätze der Post in der Schweiz. Gegenwärtig sind wir daran, die Marken unserer Konzerngesellschaften zu vereinheitlichen. Bis Ende 2009 werden wir überall mit einem klar ersichtlichen Absender «Swiss Post» auftreten.

Zieht die Marke Schweiz im Ausland? Auf jeden Fall! «Swiss Post» ist unter ganz verschiedenen Kriterien eine tolle Marke. Swissness steht für Stabilität, Zuverlässigkeit, Glaubwürdigkeit, Sicherheit – das sind alles Werte, die von zentraler Bedeutung sind, wenn man im Outsourcing-Geschäft tätig ist.

Heute tragen Sie rund 700 Millionen Franken zum Post-Umsatz von insgesamt 8,7 Milliarden Franken bei. Wie wird sich der Umsatz weiterentwickeln? Wir setzen auf ein aggressives Wachstum. Bis Ende 2011 wollen wir die Milliardengrenze knacken, wobei diese Zielsetzung auch von der Konjunktur und von der Entwicklung der Wechselkurse abhängig ist.

Wo und wie wollen Sie mittelfristig wachsen? Geografisch gesehen möchten wir in allen grossen Finanzzentren wachsen: in unseren Hauptmärkten Deutschland, England, Schweiz und USA, aber auch in Ost- und Zentraleuropa. Unsere Kunden, meist grosse Konzerne, erwarten zunehmend, dass wir globale, durchgängige Lösungen anbieten können, über mehrere Länder, sogar über mehrere Kontinente. Was die Dienstleistungen betrifft, so möchten wir vor allem auch im Bereich Kundenbindungsprogramme, im sogenannten Loyalty Management, wachsen.

Sie möchten auch in Dubai Fuss fassen – warum gerade in Dubai? In Dubai hat man sehr ehrgeizige Pläne. Dubai strebt einen Platz unter den Top Fünf der Finanzzentren an. Jede grosse Bank wird über kurz oder lang in Dubai präsent sein. Und wo viel Papier produziert wird, braucht es die entsprechende Infrastruktur und Back-Office-Lösungen. Wir sind von einem lokalen Partner angefragt worden, ob wir an einer Zusammenarbeit interessiert wären. Für uns ist das eine interessante Sache. Allerdings müssen wir nun einmal beobachten, wie sich die Finanzkrise entwickelt.

Die Finanzkrise hat Auswirkungen auf Ihr Geschäft? Ja. Auf der einen Seite gibt es positive Effekte. Firmen geraten unter Kostendruck und denken darüber nach, Tätigkeiten auszulagern, die nicht zu ihrem Kerngeschäft gehören. Das ist gut für unser Outsourcing-Geschäft. Auf der anderen Seite spüren wir im Direct Marketing eine Konjunkturschwäche sofort.Interview:

Frank Marthaler (44), lic.oec. HSG, arbeitet seit 1999 bei der Post. Seit Oktober 2007 ist er Leiter des Konzernbereichs SKL. Zuvor war er für IBM und das Technologieunternehmen EDS tätig gewesen.

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