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Die SBB ziehen düstere Fussballbilanz

Petarden abgefeuert, Notbremse gezogen, Personen gefährdet: Die Bundesbahnen stufen 20 Fahrten von Fanzügen im letzten Jahr als gefährlich ein. Nun sollen die Fussballclubs Verantwortung übernehmen.

Seit Jahren ein umstritten: Polizisten stehen in Genf neben Fanzug. (Archivbild)
Seit Jahren ein umstritten: Polizisten stehen in Genf neben Fanzug. (Archivbild)
Keystone

Seit Anfang Jahr kam es bereits bei 20 Extrazügen an Fussballspiele zu gefährlichen Zwischenfällen. Das geht es aus einer SBB-internen Auswertung hervor, die der «SonntagsZeitung» vorliegt. Bisheriger Spitzenreiter ist dieses Jahr demnach der FC Zürich, dessen Anhänger bei fünf Auswärtsspielen die Sicherheit im Bahnbetrieb gefährdeten.

Während der letztjährigen Saison wurden insgesamt 71 Sonderfahrten in der Kategorie «rot» eingestuft. So werden Fanzüge nachträglich klassifiziert, wenn es zu Ereignissen kam, die die Sicherheit von Kunden und Angestellten der SBB gefährden. Dazu gehören etwa der Einsatz von Petarden an Bahnhöfen, der Missbrauch der Notbremse oder das Legen von Feuer in Eisenbahnwagen.

Clubs zur Verantwortung ziehen

Die SBB wollen die Clubs in die Verantwortung einzubinden, doch die Situation ist seit längerem festgefahren. Zwar fänden «immer wieder gute Gespräche» mit Clubs und Vertretern der Fanorganisationen statt, wie SBB-Sprecher Christian Ginsig gegenüber der Zeitung sagt. Doch das Ziel der SBB bleibt es, Charterverträge mit den Clubs abschliessen zu können. Denn erst wenn die Clubs Extrazüge bestellen, können sie rechtlich eingebunden werden. Bisher verweigern sie sich allerdings. So bestellen die SBB aus eigenen Stücken die Extrazüge.

Einzig die Berner Young Boys sind einen Schritt auf die Bahn zugegangen und haben mit den SBB eine Transportpartnerschaft geschlossen. Jährlich kosten die Fantransporte die Bahn drei Millionen Franken.

Schnellgerichte und teurere Tickets

Nach den Ausschreitungen am Cup-Final schaltet sich jetzt der oberste Sportbeamte der Schweiz in die Debatte um Krawallmacher ein. Matthias Remund, Direktor des Bundesamts für Sport, fordert gegenüber der «SonntagsZeitung» ein hartes Durchgreifen: «Es braucht generell mehr Schnellgerichte. Nicht nur, um gewaltbereite Fans von Spielen fernzuhalten, sondern gegen alle Chaoten, die Anlässe für ihre Zwecke missbrauchen.» Darüber hinaus seien weitere Massnahmen nötig: «Eine Möglichkeit wäre, die Ticketpreise zu erhöhen. Dann sprechen die Vereine eine andere Klientel an.» Falls Bern künftig auf die Austragung des Cup-Finals verzichte, sei das «eine Kapitulation».

Remund kritisiert die Passivität der Clubs. «Die Fussballvereine müssen sich klar distanzieren von Vorkommnissen wie am Cup-Final. Das haben sie bisher nicht getan.» Derweil bringt der Genfer Staatsrat Pierre Maudet seine Stadt als neuen Austragungsort ins Spiel: «Ich kann bestätigen, dass wir offen sind für den Cup-Final.»

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