Die SRG sucht die Matter-Nachfolge

Faktisch entscheidet eine Arbeitsgruppe, wer das Schweizer Radio und Fernsehen künftig leitet. Für das Amt gibt es zwei Favoriten.

Mögliche Nachfolger des heutigen SRF-Direktors Ruedi Matter: Matters Stellvertreter Hansruedi Schoch und Nathalie Wappler, Programmleiterin beim MDR, frühere SRF-Kulturchefin.

Mögliche Nachfolger des heutigen SRF-Direktors Ruedi Matter: Matters Stellvertreter Hansruedi Schoch und Nathalie Wappler, Programmleiterin beim MDR, frühere SRF-Kulturchefin.

Claudia Blumer@claudia_blumer

Am Mittwoch wird Ruedi Matter 65 Jahre alt. Damit geht die SRG in eine neue Ära. Denn mit dem Erreichen des offiziellen Pensionierungsalters tritt der SRF-Direktor per Ende Jahr zurück, wie er schon im April angekündigt hatte, nach der gewonnenen No-Billag-Abstimmung. Die Verantwortlichen hatten sich entschieden, mit der Neubesetzung zu warten bis nach der Abstimmung. Es wäre schwierig gewesen, einen neuen Fernsehdirektor zu suchen, während die Existenz der SRG auf der Kippe stand.

Doch nun, während Matter in seinem Büro in Leutschenbach gefeiert wird, geht die Suche nach seinem Nachfolger oder seiner Nachfolgerin in die Endrunde. Am Montag dieser Woche traf sich der Nominationsausschuss in Bern zum Entscheid; am 2. November wird der vom Ausschuss favorisierte Kandidat vom Regionalvorstand der SRG angehört und fast sicher abgesegnet. Dann trifft sich der Ausschuss erneut am 5. November, um die Empfehlung zuhanden des Verwaltungsrats zu finalisieren. Am 7. November schliesslich, heute in zwei Wochen, verkündet der Verwaltungsrat nach seiner Sitzung in Schuls GR seine Wahl.

Enger Austausch zwischen den Gremien

Von einer Wahl kann man allerdings nicht sprechen. Denn der Verwaltungsrat erhält einen Einervorschlag, er kann nur Ja oder Nein sagen. Und Nein sagt er nie. Das wäre ein Affront, nicht nur für den Kandidaten, sondern auch gegenüber den vorbereitenden Gremien, und ein öffentlicher Eklat sondergleichen.

Doch er wird auch gar nicht in Versuchung kommen, den Vorschlag abzulehnen. Denn solche Auswahlverfahren werden von Beginn an im Einvernehmen geführt. Das heisst: Einflussreiche Personen aus Verwaltungsrat, Generaldirektion, Regionalvorstand und dem Nominationsausschuss tauschen sich aus und wissen voneinander, welcher Kandidat welche Akzeptanz geniesst. Dieses Einvernehmen folgt keinen Regeln, sondern ist vielmehr informeller Natur.

Damit kommt dem Nominationsausschuss viel Macht zu. Die Arbeitsgruppe setzt sich zusammen aus fünf Mitgliedern des Regionalvorstands: Andreas Schefer, früher lange Zeit Redaktor beim Radio SRF, heute SRG-Verwaltungsrat und Kommunikationsberater (er präsidiert den Regionalvorstand wie auch den Nominationsausschuss), Barbara Meili, Präsidentin der SRG Zürich und Schaffhausen, Niklaus Ullrich (Region Basel), Peter Moor (Aargau-Solothurn) und Esther Gassler, frühere Solothurner Regierungsrätin. Am meisten Macht und Entscheidungswille wird Andreas Schefer zugeschrieben, er pflegt auch die Kontakte zu den anderen Gremien.

Zwei Namen stechen heraus

Dafür, dass die Personalsuche nun schon seit einem halben Jahr läuft und in zwei Wochen der neue SRF-Direktor gewählt ist, dringt erstaunlich wenig an die Öffentlichkeit. Offenbar halten sich die Beteiligten an die Schweigepflicht. Es gibt lediglich Vermutungen und Indizien. So glauben die meisten Beobachter, dass sich der Ausschuss entweder für Nathalie Wappler oder für Hansruedi Schoch entscheiden wird.

Schoch ist Stellvertreter des heutigen Amtsinhabers Ruedi Matter, Wappler war Kulturchefin beim SRF, bevor sie 2016 als Programmchefin zum Mitteldeutschen Rundfunk nach Halle wechselte. Von den beiden, so wird gesagt, habe Wappler die besseren Chancen. Weil der 50-jährigen Ostschweizerin eher reformatorische Kräfte zugeschrieben werden und weil sie die Durchmischung in der Generaldirektion erhöhen würde, der heute acht Männer und eine Frau angehören. Wappler wie Schoch sind unter Ruedi Matter beim SRF gross geworden.

Fehlende Transparenz wird kritisiert

Aus dem Ende Mai publizierten Stelleninserat weiss man, dass die SRG eine Person mit Führungserfahrung im Medienbereich sucht, jemanden, der mit komplexen Strukturen und grossen Budgets mit hohem Kostendruck betraut sei. Deutsch, Französisch und Englisch muss die Person können, und sie muss eine «gewinnende, integrative Persönlichkeit» sein, empathisch, gelassen und konfliktfähig auf öffentliche Anfechtungen reagieren.

Bekannt ist auch, dass der Ausschuss einen Headhunter eingesetzt hat, der verschiedene Personen anstupst, sie zu einer Bewerbung animiert. Doch ansonsten wissen die Öffentlichkeit oder die SRG-Belegschaft nichts über das organisatorische und inhaltliche Vorgehen des Ausschusses. Man weiss nicht, welche Kandidaten angehört wurden und mit welcher Begründung. Das sorgt bei SRG-Mitarbeitern, die sich mehr Transparenz wünschen, für Unmut.

Urs Leuthard könnte, will aber nicht

So hat sich beispielsweise «Kassensturz»-Moderator Ueli Schmezer beworben, wurde aber vom Ausschuss nicht zum Hearing eingeladen. Andere wie Patrik Müller, Chefredaktor der «Schweiz am Wochenende», wurde vom Headhunter angegangen, zog sich aber nach einem Treffen mit SRG-Vertretern zurück.

Weitere Personen wurden im Zusammenhang mit dem Posten genannt: Markus Spillmann, früherer Chefredaktor der NZZ, Seraina Rohrer, Direktorin des Solothurner Filmfestivals oder «Tagesschau»-Chef Urs Leuthard. Ihm wurden gute Chancen attestiert – jedoch auch das Handicap, dass er der Cousin der amtierenden Medienministerin Doris Leuthard ist. Dieses Handicap ist weg, Doris Leuthard tritt Ende Jahr zurück. Doch Urs Leuthard will trotzdem nicht. Seine Kinder seien noch zu klein, und er sehe sich nicht voll kompatibel mit dem von der SRG formulierten Anforderungsprofil, sagte er im Sommer.

Am 7. November herrscht jedenfalls Klarheit. Wenn nicht über das Auswahlverfahren, so doch über das künftige Aushängeschild des SRF.

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