Ein Nachbar oder ein Amerikaner

Nach dem Rückzug von Saab muss die Schweiz einen Grundsatzentscheid fällen. Oder kommt der Gripen doch noch zum Handkuss?

Der Tarnkappen-Jet F-35 stünde für eine Fortführung der bisherigen Politik. Foto: Raphael Moser

Der Tarnkappen-Jet F-35 stünde für eine Fortführung der bisherigen Politik. Foto: Raphael Moser

Beni Gafner@Tamedia

Mit dem unfreiwilligen Rückzug von Saab mit dem neuen Gripen E verbleiben vier Hersteller im Rennen um den neuen Kampfjet der Schweizer Armee. Für Wettbewerb ist damit weiter gesorgt. Mit dem Gripen fällt aber das wohl günstigste Flugzeug aus.

Das sorgte gestern in Bern da und dort für Bedauern. Im Parlament kristallisiert sich zu diesem frühen Zeitpunkt des Auswahlverfahrens noch kein Favorit heraus. Klar ist aber schon heute – die Schweiz hat einen Grundsatzentscheid zu fällen. Und zwar, ob sie mit einem Nachbarland zusammenarbeiten will, namentlich mit Frankreich (Rafale) respektive Deutschland (Euro­fighter). Oder ob die Schweiz nach der F/A-18 weiterhin auf ein US-Produkt setzen will.

Beide Varianten haben Vor- und Nachteile. Während die US-Jets F/A-18 Super Hornet von Boeing und der Tarnkappen-Jet F-35 von Lockheed Martin eine Fortführung des Bisherigen brächten (im zweiten Fall auch einen technologischen Quantensprung mit den damit verbundenen Risiken), erlaubte die Wahl eines Jets aus einem Nachbarland den Lärmexport bei Übungsflügen. Denkbar erscheinen bei entsprechender Verhandlungstaktik des Bundesrats auch «Deals» auf politischer Ebene. Ein Kampfjet-Kauf könnte dann, ausserhalb der technischen Evaluation, mit politischen Erwartungen verbunden werden.

Ein Comeback von Saab ist derweil nicht ganz ausgeschlossen. Armasuisse betont zwar, eine spätere Erprobung des Gripen komme nicht infrage, sonst sei die Gleichbehandlung der Kandidaten nicht gewährleistet. Die letzte, verpatzte Kampfjetbeschaffung zeigt aber, dass Überraschungen nie auszuschliessen sind. Saab teilte gestern mit, man halte am Angebot fest.

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