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Kinder als Karrierekiller

Frauen hängen Männer in der Schule zwar ab. Karriere machen aber danach vor allem Männer. Für Frauen gilt daher in besonderem Masse: Kinder stehen einer Karriere meist im Weg.

Die hohe Position belegt ein Mann, das ist in Schweizer Unternehmen noch immer üblich. Frauen sind bei Kaderstellen untervertreten.
Die hohe Position belegt ein Mann, das ist in Schweizer Unternehmen noch immer üblich. Frauen sind bei Kaderstellen untervertreten.
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Die Zahlen sprechen eine deut­liche Sprache: In den Geschäfts­leitungen der 100 grössten Schweizer Unternehmen beträgt der Frauenanteil nur gerade mal 8 Prozent. Etwas besser sieht es in der öffentlichen Verwaltung aus, wo Führungspositionen zu 14 Prozent von Frauen besetzt sind. 2016 lag der Frauenanteil in den Verwaltungsräten nach einer Studie des Topkader-Vermittlers Guido Schilling bei 17 Prozent.

Ernüchternd ist auch, dass in der Schweiz seit nunmehr 20 Jahren lediglich ein Drittel der Frauen eine Vorgesetztenfunktion (mindestens eine unter­stellte Person) ausübt oder eine Unternehmensleitung innehat. Umgekehrt erklimmen nach Angaben des Bundesamtes für Statistik (BFS) fast zwei Drittel der Männer die Karriereleiter.

Karrierekiller Kind

«Frauen machen Karriere am besten kinderlos», brachte es kürzlich die Zürcher Soziologieprofessorin Katja Rost auf den Punkt. Mit 38 Jahren wurde sie Mutter, vorher passte ein Kind gemäss ihrer Aussage nicht in ihr Lebensmodell.

«Nun hat frau zwar Karriere und Familie, aber nichts mehr vom Leben», klagte sie. Rost äusserte Verständnis für Frauen, die nach anfänglichen Versuchen, Karriere und Familie zu vereinen, sich wie 80 Prozent der Schweizer Mütter für das traditionelle Teilzeitmodell entscheiden.

Teilzeitarbeit ist ein typisches Merkmal weiblicher Erwerbs­tätigkeit. Rund 60 Prozent der Frauen arbeiten in der Schweiz Teilzeit, während lediglich 17 Prozent der Männer keiner Vollbeschäftigung nachgehen. Laut dem BFS reduziert gut ein Viertel der Frauen das Pensum auf unter 50 Prozent, aber nur gerade 6 Prozent der Männer bauen den Beschäftigungsgrad so stark ab.

Teilzeitarbeit bedeutet aber nicht nur häufig ungesicherte Arbeitsverhältnisse und eine schlechtere soziale Absicherung, sondern auch geringere Weiterbildungsmöglichkeiten und Karrierechancen.

«Der Grund für die Untervertretung von Frauen in Kaderpositionen ist, dass Teilzeitmänner immer noch in der Unterzahl sind», schlussfolgert der Per­sonalvermittler Adecco. Frauen übernähmen «meistens das Familienmanagement und dafür eine Teilzeitstelle in einer Nicht-Management-Funktion».

Langer Atem

In der Schweiz fehle es zudem an landesweiten, für alle erschwinglichen Tagesstrukturen mit firmenfreundlichen Öffnungszeiten. «Wir sind überzeugt, dass der bevorstehende Fachkräftemangel die Rahmenbedingungen für arbeitende Eltern verbessern wird», glaubt man bei Adecco.

Frau wird allerdings einen langen Atem brauchen. Bundesrätin Simonetta Sommaruga stellte vor kurzem in einem Interview fest: «Wenn es im gleichen Tempo weitergeht, dauert es etwa noch bis ins Jahr 2150, bis Frauen in Geschäftsleitungen von börsenkotierten Unternehmen gleich vertreten sind wie Männer.»

Die Behauptung, Teilzeitarbeit sei mit einer Kaderposition nicht vereinbar, halte sich in der Schweiz hartnäckig. Sommaruga plädierte dafür, dass Mütter und Väter eine echte Wahl haben sollten, wie sie ihr Berufs- und Privatleben organisierten. Heute seien vier von fünf Vätern mit kleinen Kindern voll erwerbstätig.

In die gleiche Bresche schlägt das Beratungsunternehmen EY. «Wenn die Sorge für die Kinder nicht allein den Frauen auferlegt wird, steigen die Chancen, dass Frauen ihre unternehmerischen Fähigkeiten und beruflichen Kontakte ausbauen können, die für den Zugang zu Führungsgremien erforderlich sind», heisst es in einer Studie.

Haushalt und Kinderbetreuung schränken die berufliche Flexibilität der Frauen ein und reduzieren ihre Berufserfahrung. Dies führt laut BFS dazu, dass Frauen im Allgemeinen auch bei gleichem Bildungsstand eine niedrige berufliche Stellung haben.

Weitsicht bei Berufswahl

Insbesondere für junge Frauen empfiehlt es sich zudem, bereits bei der Berufswahl vorausschauend zu agieren. Männer entschieden sich bewusster für Wege mit höheren Erfolgschancen und wählten Studiengänge mit mehr Prestige und der Aussicht auf ­bessere Verdienstmöglichkeiten, stellte Stefan Wolter, Leiter der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung, kürzlich fest.

Tatsächlich sollten junge ­Frauen beispielsweise abwägen, ob sie nicht lieber zu einem durchschnittlichen Monatslohn von 6000 Franken Maurerin oder Strassenbauerin werden wollten, statt als Coiffeuse für unter 4000 Franken zu arbeiten. Laut dem Baumeisterverband winken für Frauen gerade im Bau grosse Karrierechancen.

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