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«Eine zwangsweise Kastration ist ethisch und rechtlich abwegig»

Nach dem Genfer Tötungsdelikt wurden Rufe laut, Sexualstraftäter wie Anthamatten zu kastrieren. Marc Graf, leitender forensischer Psychiater, erklärt, was die Methode kann – und was nicht.

In der Hoffnung auf eine Entlassung: In der Schweiz kommt es vor, dass sich verwahrte Sexualstraftäter freiwillig kastrieren lassen. (Symbolbild)
In der Hoffnung auf eine Entlassung: In der Schweiz kommt es vor, dass sich verwahrte Sexualstraftäter freiwillig kastrieren lassen. (Symbolbild)
Gaetan Bally, Keystone
Ständerat This Jenny (SVP, GL) forderte am Sonntag, dass der Sexualtrieb von Vergewaltigern unterbunden werden müsse.
Ständerat This Jenny (SVP, GL) forderte am Sonntag, dass der Sexualtrieb von Vergewaltigern unterbunden werden müsse.
Peter Klaunzer, Keystone
Ob Adeline M. noch leben würde, wenn Fabrice Anthamatten medizinisch kastriert worden wäre, kann indes nicht beantwortet werden.
Ob Adeline M. noch leben würde, wenn Fabrice Anthamatten medizinisch kastriert worden wäre, kann indes nicht beantwortet werden.
Keystone
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Der Glarner Ständerat This Jenny (SVP) forderte, dass ein Sexualstraftäter wie Fabrice Anthamatten kastriert wird. Besteht die Möglichkeit, dass eine medizinische Kastration dieses Delikt hätte verhindern können?

Das ist möglich. Eine medizinische Kastration beeinträchtigt den Geschlechtstrieb erheblich, bestimmte Sexualdelikte können so verhindert werden. Allerdings sind weltweit nur wenige 100 Fälle wissenschaftlich dokumentiert, es fehlt die wissenschaftliche Evidenz, dass die Methode immer die gewünschten Resultate bringt. Man muss erst Erfahrungen im geringen Risikobereich sammeln, bevor man sich Gedanken machen kann, die Methode auch bei Hochrisikogewalttätern und Sexualstraftätern anzuwenden. In der forensischen Psychiatrie dürfen wir keine Experimente machen.

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