Euro-Rabatte sind stark in Mode

Die Aufhebung des fixen Euro-Franken-Kurses zwingt die Modehäuser zum Handeln. Erste Geschäfte in den Schweizer Städten haben reagiert und verkaufen die neue Frühlingsmode bis zu 20 Prozent günstiger.

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Rahel Guggisberg

Das gab es noch nie: Noch bevor der Winterschlussverkauf zu Ende ist, purzeln auf der neuen Frühlingskollektion die Preise. Knapp drei Wochen nach der Aufgabe des Mindestkurses zum Euro von 1.20 Franken überbieten sich die Geschäfte gegenseitig mit Preisreduktionen. Und dies, obwohl ein Teil der verbilligten Produkte noch zum höheren Eurokurs beschafft worden ist. Grieder etwa, das Modehaus am Waisenhausplatz in der Stadt Bern, bietet Käufern flächendeckend einen Eurorabatt von 15 Prozent. «Der Kunde soll nicht warten müssen, bis wir mit Lieferanten tiefere Preise ausgehandelt haben», erklärt Direktor Christoph Poupon. Unter dem Strich sei das ein Verlustgeschäft.

20 Prozent günstiger

Esprit, eine Marke aus Kalifornien, verkauft die neue Kollektion um 20 Prozent günstiger. Auch beim Schweizer Label Tally Weijl ist die aktuelle Mode 15 Prozent heruntergesetzt. Reduktionen bieten in der Stadt Bern unter anderen auch das Modehaus Fueter und Max Mara. Beim Berner Warenhaus Loeb heisst es: «Kurzfristig werden wir punktuell Prozente bei einzelnen Sortimentsbereichen oder Produkten gewähren.»

«Warten auf Lieferanten»

Andere Geschäfte sind zurückhaltender. Bei H&M heisst es: «Aus geschäftspolitischen Gründen können wir keine Informationen über unsere Preisstrategie geben und führen diesbezüglich interne Diskussionen.» Beim Modehaus Schild wurde der Einkauf im Modebereich vor etwa sechs Monaten getätigt: «Kunden profitieren von den verbesserten Wechselkursverhältnissen, sobald diese auf den jeweiligen Einkäufen realisiert wurden», sagt Andreas Bantel, Pressesprecher von Schild. Beim Warenhaus Globus heisst es, man führe intensive Verhandlungen mit Lieferanten und habe bereits erfolgreich erste Preisreduktionen auch im Non-Food erzielt, welche laufend an die Kunden weitergegeben würden. Auch das Warenhaus gibt Preissenkungen weiter, sobald es sie selber von Lieferanten erhält.

«Schweizer Geschäfte, die schon jetzt die Frühlings- und Sommerware mit einem Preisnachlass verkaufen, wählen den richtigen Weg», sagt Harley Krohmer, Marketingprofessor an der Universität Bern. Für die Läden sei das in finanzieller Hinsicht ein einschneidender Prozess, da sie die Ware noch zu einem Euro-Franken-Kurs von 1.20 erworben haben. Trotzdem könnten sie auf diese Weise vermeiden, in ein paar Monaten auf grossen Lagerbeständen sitzen zu bleiben.

«Das reicht noch nicht»

Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz, begrüsst das Vorgehen derjenigen Modehäuser, die die Preise sofort an den neuen Währungskurs angepasst haben: «Das reicht allerdings noch nicht. Immer noch werden identische Kleider in der Schweiz bis zu doppelt so teuer verkauft wie in Deutschland.» Neben der Währungsbereinigung fordert Stalder, dass Schweizer Modehäuser Kunden faire Preise böten. Der grösste Teil der hier verkauften Kleider werde im Ausland in Billigländern produziert. «Bei elektronischen Geräten geht es auch. Nun sind die Modehändler gefordert.»

«Luxus ist gefragt»

Nach einer Studie des Marktforschungsunternehmens GFK gaben Schweizer Konsumenten im Jahr 2013 fast 10 Milliarden Franken im Ausland aus. Davon floss etwa die Hälfte nach Deutschland. Dieses Jahr dürfte es noch mehr werden. Der tiefe Euro gibt dem Einkaufstourismus zusätzlichen Schub – was davor schon günstig war, ist heute noch billiger.

«Die Geschäftsinhaber müssen auf diese Entwicklung reagieren, und zwar nicht nur jene, die sich in Grenzregionen befinden», sagt Marketingprofessor Krohmer. Gerade Luxusprodukte seien in der Schweiz sehr gefragt. Preisdifferenzen seien dort besonders gross. Punkten kann der Schweizer Modehandel nach der Meinung des Marketingprofessors mit guter Beratung und Service, der auch nach dem Kauf des Produkts noch weitergeht. «Wer sich gut beraten fühlt, der bewertet das Preis-Leistungs-Verhältnis auf eine ganz andere Art», sagt er.

Berner Zeitung

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