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Fair wäre, wenn Ältere etwas höhere Prämien zahlen würden

BZ-Redaktor Fabian Schäfer kommentiert den Anstieg der Krankenkassenprämien.

Jedes Jahr das gleiche Schauspiel. Der Bundesrat gibt bekannt, wie stark die Krankenkassenprämien dieses Mal steigen. Man macht reihum besorgte Mienen und schiebt sich den Schwarzen Peter zu. Von den Kassen über die Spitäler bis zu den Kantonen haben alle viel Routine in diesem Spiel. Und nächstes Jahr geht das wieder von vorne los. Grösser als der Leidensdruck der Prämienzahler ist nur noch die kollektive Hilflosigkeit der Verantwortlichen.

Seien wir ehrlich: Wir alle sind schuld daran, dass die Prämien Jahr für Jahr ansteigen. Wir alle wollen die bestmögliche Behandlung, wenn wir oder unsere Nächsten krank werden – koste es, was es wolle. Also müssen wir auch zahlen. Das soll nicht heissen, dass man nicht versuchen soll, das rasante Wachstum der Gesundheitskosten etwas zu bremsen, wo das möglich ist. Aber man darf sich da keine Illusionen machen, schon nur, weil sich die Zahl der Senioren rasch und massiv erhöhen wird.

Weil die Kosten weiter stark steigen, muss sich die Politik dringend um die Frage kümmern, wie diese Lasten fair verteilt werden. Heute haben wir offiziell ein System mit Kopfprämien. Trotzdem erhält gut jeder Vierte Zuschüsse in Form von Prämienverbilligungen, wobei die Unterschiede zwischen den Kantonen riesig sind. Je nach Wohnort nimmt die Prämienbelastung für Haushalte mit tiefen bis mittleren Einkommen ein bedrohliches Ausmass an – gerade auch in Bern. Stark gewachsen ist der Druck für 19- bis 25-Jährige und deren Familien. Die Prämien dieser Altersklasse sind in den letzten Jahren geradezu explodiert.

Hier liegt sozialer Zündstoff. Die Politik muss dringend wieder für einen echten Rabatt für die Jungen sorgen. Darüber hinaus stellt sich die Grundsatzfrage, wie weit es den erwerbstätigen Generationen zugemutet werden kann, nicht nur in der AHV, sondern auch in der Krankenversicherung Jahr für Jahr wachsende Milliardenbeträge an die Senioren zu überweisen. Natürlich wird es immer so sein, dass in beiden Versicherungen die Jungen für die Alten zahlen. Es geht um das Mass.

Wenn man sieht, dass ältere Generationen vielfach besser situiert sind als jüngere, ist der Schluss klar: Ein richtiger Jugendrabatt wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Es wäre wohl auch zumutbar, eine neue Alterskategorie – zum Beispiel ab 50 – zu schaffen, in der höhere Prämien fällig sind. Politisch wäre ein solcher Schritt schwierig bis unmöglich, da die betroffenen Generationen an der Urne grössten Einfluss haben. Um sie gnädig zu stimmen, müssten Bund und Kantone die Prämienverbilligungen stärker auf die Älteren ausrichten, sodass nur jene Senioren unter dem Strich mehr zahlen müssen, die das können.

Vordringlich sind jedenfalls Schritte, die helfen, dass die Krankenversicherung den demografischen Stress bewältigen kann, ohne die Jungen zu drangsalieren.

fabian.schaefer@bernerzeitung.ch

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