Fifa suspendiert ihre Nummer zwei nach Ticket-Vorwurf

Die Fifa hat ihren Generalsekretär freigestellt. Dies nach einer Reihe von Vorwürfen, die unter anderem Fifa-Chef Sepp Blatter belasten.

Per sofort freigestellt: Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke (rechts)

Per sofort freigestellt: Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke (rechts)

(Bild: Keystone Patrick B. Krämer)

Mario Stäuble@mario_staeuble
Thomas Knellwolf@KneWolf
Thomas Schifferle@tagesanzeiger

Die Fifa reagierte schnell. Um 21.26 Uhr gab der Verband bekannt, dass Generalsekretär Jérôme Valcke mit sofortiger Wirkung bis auf Weiteres von seinen Aufgaben entbunden sei. Weiter wurde eine Untersuchung durch die Ethikkommission in Auftrag gegeben.

Angestossen hatte die Suspendierung die Schweizer Agentur JB Sports Marketing. Deren Chefs legten ausgewählten Medien Dokumente offen, welche die Führung des Fussballverbands belasten. Valcke geriet durch die Enthüllungen in Bedrängnis. E-Mails nähren den Verdacht, dass er beim Vertrieb von Tickets für die WM 2014 nicht zuletzt an sich selber dachte. Für den Franzosen – wie für weitere Erwähnte – gilt die Unschuldsvermutung.

JB-Vertreter Benny Alon hatte mit Valcke über Billett-Kontingente der WM 2014 in Brasilien verhandelt. Eine Abmachung sah vor, dass die Agentur für einen Teil der ihr zugesicherten Tickets selber Partien auswählen konnte – JB entschied sich für attraktive Paarungen. Einen anderen Teil der Begegnungen konnte die Fifa bestimmen. Sie hätte – betriebswirtschaftlich gedacht – das Ziel verfolgen müssen, weniger begehrte Sitzplätze loszuwerden. Doch JB wurden durchwegs Toptickets angeboten. Alon erklärte dies mit einem Deal: Er habe mit dem Generalsekretär am Fifa-Hauptsitz abgemacht, dass man die Profite hälftig teile. «Jérôme Valcke», so sagte Alon , «hätte über zwei Millionen Dollar verdient, wenn er die ganzen fünfzig Prozent erhalten hätte.»

Dazu kam es aber nicht. Zwar holten Alon und der Zürcher Anwalt und JB-Verwaltungsrat Heinz Schild laut eigenen Angaben am 3. April 2013 Bargeld «in der Höhe eines sechsstelligen Betrags» bei einer Bank in Zürich ab. Doch der Generalsekretär schrieb ihnen gleichentags, er habe keine Zeit für ein Treffen. «Was die Dokumente betrifft, schliess die irgendwo ein, und wir gehen sie das nächste Mal durch», heisst es weiter. «Die Dokumente sind mein Pensionsfonds», schreibt Valcke, für die Zeit nach der Fifa. Laut Alon war «Dokumente» das Codewort für Bargeld.

Benny Alon und ein Ex-Mitarbeiter haben auch eidesstattlich erklärt, ein

japanischer Sportmanager habe zwei Millionen Euro zur Bezahlung von Joseph Blatter verlangt. Diese Vorwürfe gegen ihren Präsidenten wies die Fifa postwendend zurück

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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