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Gebüsste Sennerin bleibt optimistisch

Ganze 27 Sommer lang hat Lisa Abbühl einen Alpbetrieb mit Bergbeizli geführt. Und ein Café eröffnet. Doch dann verlor sie einen Papierkrieg gegen die Lebensmittelinspektoren.

Lisa Abbühl demonstriert ihre Wirkungsstätte am Nitrain: Auf diesem hübschen Plätzchen werden im Sommer Wanderer verköstigt.
Lisa Abbühl demonstriert ihre Wirkungsstätte am Nitrain: Auf diesem hübschen Plätzchen werden im Sommer Wanderer verköstigt.
Peter Rothacher

In einem Lokal von bis zu 30 Sitzplätzen können Gäste bewirtet werden, ohne dass der Lokalbetreiber eine Wirteprüfung absolvieren muss. Auf dieser Grundlage entstanden auch im Oberland schon diverse Bistros und ähnliche Kleinbetriebe. Dass es allerdings nicht ganz so einfach geht, musste eine ehemalige Sennerin im Simmental erfahren. Denn eine Strafanzeige des Lebensmittelinspektors trifft sie empfindlich: 996 Franken Busse, sechs Tage Gefängnis oder 40 Stunden gemeinnützige Arbeit, so lautet das richterliche Verdikt. Und dies, obschon die Frau über langjährige Erfahrung im Verköstigen von Gästen verfügt und auch ihr Ehemann seit nun bald 25 Jahren als Milchkontrolleur im Einsatz steht.

Vom Bergbeizli zum Café

Während 27 Sommern wirkte die in Weissenburg wohnhafte Lisa Abbühl auf der Därstetter Alp Looheren (1769m ü. M.) als Sennerin. Nebst der Betreuung der Kühe und Ziegen sowie der Produktion von Käse bewirtete sie im Bergbeizli stets auch Wanderer. Urchige Menüs wie zum Beispiel gebackener Geisskäse und Butter-Rösti sowie auch «Lisas Likör» fanden guten Absatz. Die gebürtige Ungarin ist seit 1982 mit dem Landwirt Karl Abbühl verheiratet. Mittlerweile haben die beiden das Land verpachtet und gehen auch nicht mehr «z’Bärg». Das Paar wohnt am steilen Nitrain von Weissenburg, mit schönster Aussicht aufs Simmental. Und auch an diesem Plätzchen auf rund 950 Meter über Meer führt ein Wanderweg – der Simmentaler Hausweg – vorbei.

«Als wir unser Zufahrtssträsschen sanierten, entstand fast wie von selbst ob dem Haus eine kleine Terrasse. Da erwachte in mir die Idee, auch hier im kleinen Stil Wanderer zu bewirten», erklärt Lisa Abbühl. «Auf dem Weissenburg Berg gibt es ja seit längerer Zeit kein Restaurant mehr.» Am 2. August 2008 –?ihr Mann feierte an diesem Datum seinen 70. Geburtstag – hat sie dann Lisa’s Café eröffnet. «Mit einer mündlichen Genehmigung der Gemeinde für zwölf Sitzplätze», sagt die heute 68-Jährige. «Da ich jetzt sämtliche Produkte kaufen muss, kann ich mich damit kaum bereichern. Aber ich liebe und brauche den Kontakt zu den Leuten und die Wanderer zeigen sich für das Angebot auch sehr dankbar.»

«Lebensmitteler» zu Besuch

Nebst den Gästen liess auch der Lebensmittelinspektor nicht lange auf sich warten. Als «recht pingeligen und giftigen Mann» erlebte Lisa Abbühl diesen. «Von mir wurden Sachen verlangt, die auf der Alp nie ein Thema waren.» Hier nur einige der Mängel, die der Inspektor auflistete: Eine dem Betrieb angepasste Dokumentation zur Selbstkontrolle ist nicht vorhanden. Temperaturkontrollen der Kühlgeräte fehlen. Für den Verkauf bestimmte Lebensmittel sind nicht von den privaten zu unterscheiden. Beim Fleisch ist das Produktionsland nicht deklariert. Die Angabe des Alkoholgehaltes beim hausgemachten Likör fehlt. Das Hinweisschild betreffend Abgabeverbot von alkoholischen Getränken an Kinder und Jugendliche fehlt. Mit der Verfügung zur Behebung dieser Mängel wurden 218 Franken in Rechnung gestellt.

«So geht das nicht!»

Nach einem nächsten für den Inspektor unbefriedigend ausfallenden Besuch wurden eine Frist zur Mängelbehebung bis zum 30. September 2010 gesetzt und 97 Franken in Rechnung gestellt. Bei der nächsten Kontrolle eskalierte die Sache. «So geht das nicht, Frau Abbühl», fand der Inspektor. Und die so Gemassregelte berichtet: «Ich habe ihn rausgeschmissen.» Die darauf folgende Strafanzeige datiert vom 14. Oktober. Wegen Widerhandlungen gegen das Lebensmittelgesetz und Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen musste die Weissenburgerin auf der Polizeiwache Erlenbach die angedrohte und eingangs geschilderte Bussenverfügung abholen.

Betriebsbewilligung erhalten

Lisa Abbühl hat sich dafür entschieden, anstelle der Busse gemeinnützige Arbeit zu leisten. «Was ich tun muss, weiss ich zwar noch nicht – aber ich bin es ja gewohnt, zu arbeiten.» Sie fühlt sich allerdings vom Gesetzgeber alleingelassen: «Bei all den geforderten Dokumentationen könnte er wenigsten Musterdokumente zur Verfügung stellen.»

Für nächsten Sommer, also die kommende Wandersaison, fühlt sich die passionierte Gastgeberin allerdings gewappnet: «Seit dem 18. Oktober verfüge ich nun über eine vom Regierungsstatthalteramt ausgestellte Betriebsbewilligung für einen öffentlichen Gastgewerbebetrieb mit Alkoholausschank.» Lisa’s Café ist nun als offizieller Saisonbetrieb, jeweils für die Zeit vom 1. Juni bis 30. Oktober, deklariert. Auch in Sachen Infrastruktur hat sich die Situation für Lisa Abbühl geändert. «Ich verfüge nun über eine zweite Küche. Auf diese Art kann ich das Private und das Geschäftliche künftig klar trennen. Bleibt noch der Papierkrieg, aber den hoffe ich auch noch zu gewinnen...»

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