Gefährlich neutral

Auslandeinsätze: Abseitsstehen ist nicht mehr möglich.

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Kann Neutralität bedeuten, dass man anderen die Arbeit überlässt? Die Frage stellt sich, nachdem in Mali zwei Schweizer Soldaten bei einem Terroranschlag verletzt worden sind – und sofort Rufe laut werden, solche Auslandeinsätze seien abzublasen. Frankreich beklagt sich umgekehrt, dass es seine Militäreinsätze in Westafrika seit 2013 weitgehend allein durchführen muss. Es zahlt einen hohen Preis. Mehr als ein Dutzend Soldaten wurden getötet. Die brandgefährlichen Operationen gegen wüstenerprobte Jihadisten in Nordmali oder religiöse Fanatiker in Zentralafrika kosten nahezu eine Milliarde Euro.

Die übrigen Europäer und die Amerikaner hielten sich bisher elegant heraus; nur langsam leisten EU-Staaten logistische Schützenhilfe. Denn die heute 3000 französischen Soldaten können das Sahelgebiet von der Grösse Europas schlicht nicht allein sichern. Al-Qaida-Ableger in der Sahara und die Terrormiliz Boko Haram in Nigeria rücken immer mehr zusammen, um im Herzen Westafrikas eine Hochburg des Heiligen Kriegs aufzubauen.

Die Bedrohung bleibt

2013 hatten die Franzosen das noch verhindert, als sie in und um Timbuktu beherzt eingriffen und den Gottesstaat auflösten. Wäre Mali als Ganzes gefallen – und davor stand es nicht weit entfernt –, hätte sich der Jihad wie ein Krebsgeschwür über die Region ausgebreitet. Schon heute ginge von dort eine ähnliche Gefahr aus wie von Syrien oder vom Nordirak.

Die Bedrohung bleibt. Das heisst nun nicht, dass ganz Europa Truppen nach Westafrika entsenden soll wie Frankreich, dessen Fremdenlegionäre die Region aus langer Erfahrung kennen. Aber hinter Fronteinsätzen gibt es UNO- und andere Operationen. Gegen die Terrorinternationale bewirken diese mehr als rein humanitäre Missionen.

Auslandeinsätze sind genau zu durchdenken und – auch völkerrechtlich – zu definieren. Abseitsstehen ist aber heute nicht mehr möglich. Die Neutralität bietet keinen Schutzschild mehr, auch kein Argument: Fanatiker respektieren keine Landesgrenzen oder hehre Prinzipien von Staaten, aus denen sie teils selber stammen. Das haben die Attentäter von Paris oder Kopenhagen gerade vorgemacht.

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