«Girod hat zu schnell Karriere gemacht»

Analyse

Der Zürcher Nationalrat kandidiert am Samstag für das Präsidium der Schweizer Grünen. Wie stehen die Chancen für den Jungstar? Und wäre es für ihn ein Karriereknick, wenn er nicht gewählt würde?

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Vincenzo Capodici@V_Capodici

«Ich bin gelassen», sagt Bastien Girod am Tag vor der Delegiertenversammlung in Genf, wo die Schweizer Grünen das neue Co-Präsidium bestellen werden. Neben der Berner Nationalrätin Regula Rytz, die seit acht Jahren auch in der Stadtregierung von Bern sitzt, gilt Girod als aussichtsreichster Kandidat für den Deutschschweizer Sitz an der Spitze der Grünen. Der 31-jährige Nationalrat aus dem Kanton Zürich mag keine Prognose abgeben für die Wahlen am Samstag. Im Gespräch mit thunertagblatt.ch/Newsnetz betont Girod vielmehr, weshalb er für das hohe Parteiamt geeignet wäre.

Wenn die Delegierten einen jungen, dynamischen Co-Präsidenten mit viel Sachverstand beim Kernthema der Grünen wollten, dann sei er die richtige Wahl, sagt der Umweltnaturwissenschaftler, der als Forscher an der ETH Zürich tätig ist. Dabei widerspricht er der Kritik von etlichen Parteikollegen, dass er zu rechts politisiere und fast schon ein Grünliberaler sei. Grüne Politik müsse konsequent ökologisch und sozial gerecht sein, sagt Girod. Damit bekennt er sich zur linken Sozialpolitik der Grünen.

Gegen Regula Rytz wirds schwierig

Trotzdem: Nach Ansicht des Berner Politikberaters Mark Balsiger wird es für Girod schwierig, das Rennen gegen Regula Rytz für sich zu entscheiden, obwohl er der Partei ein junges und dynamisches Image verpassen könnte. Girod sei zwar ein begabter Politiker, der wie wenige andere das Spiel mit den Medien beherrsche, was auch der Partei nütze. Bei den Grünen gebe es aber die Befürchtung, dass Girod zu stark ein Sololäufer sei. «Und für viele in der Partei hat Girod zu schnell Karriere gemacht», sagt Balsiger im Gespräch mit thunertagblatt.ch/Newsnetz.

Im Herbst 2007 hatte Girod, damals noch Mitglied des Stadtzürcher Parlaments, nach medienwirksamen Aktionen den Sprung in den Nationalrat geschafft. Bereits davor galt er als Shootingstar der Grünen, der sich immer wieder geschickt ins Gespräch brachte, etwa mit der Initiative gegen Offroader. Oder auch mit seinem Buch «Green Change – Strategien zur Glückmaximierung», in dem er einen neuen Gesellschaftsentwurf präsentierte. Nach der Wiederwahl als Nationalrat im letzten Herbst drängt er nun an die Spitze seiner Partei. Die politische Laufbahn von Girod zeigt bisher in eine Richtung: nach oben.

«Girod hat nichts zu verlieren»

Würde es für Girod einen Karriereknick bedeuten, wenn er an der morgigen Delegiertenversammlung der Grünen nicht ins Co-Präsidium gewählt würde? «Nein, überhaupt nicht», meint Politikberater Mark Balsiger. «Girod hat nichts zu verlieren.» Eine Nichtwahl ins Co-Präsidium würde laut Balsiger die weitere Laufbahn des grünen Politikers nicht beeinträchtigen.

Dass Girod dereinst Ständerat oder gar Bundesrat wird, könne er sich zwar nicht vorstellen, sagt Balsiger. Realistischer sei aber der Weg, den Ruth Genner gegangen sei. Die einstige Nationalrätin und Präsidentin der Grünen Schweiz ist inzwischen Zürcher Stadträtin. Wenn es in ein paar Jahren um die Genner-Nachfolge gehe, könne Girod ein Thema sein.

Girod möchte in der Forschung bleiben

Bei der Frage nach der Karriereplanung winkt Girod ab. Er denke nicht daran, welches politische Amt er in ein paar Jahren habe wolle. «Man macht sich nur unglücklich, wenn man glaubt, eine Karriere planen zu können.» Neben der Politik sei ihm auch die Forschung wichtig, sagt der Umweltnaturwissenschaftler, der zurzeit in einem 80-Prozent-Pensum an der ETH Zürich arbeitet. Auch in Zukunft will Girod sowohl als Politiker als auch als Wissenschaftler tätig sein.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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