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Gletschersee soll gezähmt werden

Wenn das Eis schmilzt, droht ein Gletschersee Grindelwald und Interlaken zu überschwemmen. Nun will der Kanton Schutzvorkehrungen treffen. Kostenpunkt: 35 Millionen Franken.

Überschwemmungsgefahr: Ende Mai stieg das Wasser oberhalb von Grindelwald gefährlich an, weil sich der Gletschersee plötzlich leerte.
Überschwemmungsgefahr: Ende Mai stieg das Wasser oberhalb von Grindelwald gefährlich an, weil sich der Gletschersee plötzlich leerte.
Keystone

Zurzeit herrscht keine Gefahr: Weil es in den Bergen kalt ist, hat der See auf dem Unteren Grindelwaldgletscher kaum Wasser. Doch das wird sich wieder ändern: Im Sommer, wenn Schnee und Eis schmelzen, kann sich der See rasch füllen. Und sich dann noch schneller wieder leeren. Wie er das seit zwei Jahren immer wieder tut.

Das ist gefährlich: Diesen Sommer etwa entleerte sich der See innerhalb weniger Stunden. Ein Wasserschwall ergoss sich in die Lütschine und überschwemmte in Grindelwald den Golfplatz. Personen wurden zum Glück nicht verletzt.

Der See entstand unter anderem wegen des Felssturzes am Eiger vor zwei Jahren: Damals gingen riesige Geröllmassen auf den unteren Teil des Gletschers nieder. Seither schmilzt dort das Eis fast nicht mehr – weiter oben hingegen schon. Deshalb hat sich oberhalb dieses Riegels eine Mulde gebildet, in der das Wasser einen See bildet. Zum plötzlichen Abfluss kommt es, wenn das Wasser einen Weg durch den Gletscher findet – und der Abflusskanal vom fliessenden Wasser schnell vergrössert wird.

«Die Lage kann tatsächlich ernst werden», sagte die Berner Regierungsrätin Barbara Egger-Jenzer gestern in Grindelwald. Deshalb will der Kanton nächsten Frühling Abhilfe schaffen. Wie die Lösung aussieht, ist noch unklar. Drei Varianten werden derzeit diskutiert: Schwere Bagger könnten einen Kanal durch das Gestein graben, welches das Wasser zurückhält. Oder man bohrt von unten einen Stollen zum See, damit das Wasser unterirdisch abfliessen kann. Oder man baut oberhalb von Grindelwald ein grosses Becken, um das Hochwasser aufzufangen und kontrolliert wieder abzugeben.

Welche Variante die beste ist, will der Kanton im Frühling entscheiden. Weil die Zeit eilt, wird die Regierung dem Parlament aber bereits im Januar einen Kredit beantragen. Egger hätte gestern vor den Medien auf eine entsprechende Frage hin lieber nicht über die Kosten gesprochen – obwohl die Summe auch im Communiqué steht: maximal 35 Millionen Franken. Davon sollen Kanton, Bund und Gemeinden je rund ein Drittel übernehmen.

Der Bund habe seinen Anteil zugesichert, sagte Egger gestern. Das Bundesamt für Umwelt bestätigt dies: «Der Bund sieht die Notwendigkeit von Schutzmassnahmen und hat grundsätzlich seine Unterstützung zugesichert», meint Sprecher Adrian Aeschlimann. «Der Bund übernimmt in der Regel 35 Prozent der Kosten.» Den Grindelwaldner Gemeindepräsident Emmanuel Schläppi hingegen scheint das Geld nicht zu interessieren: «Es spielt keine grosse Rolle, wie viel das kostet», meinte er gestern.

Touristen bleiben fern

Fast so viele Sorgen wie der Gletschersee scheinen den Verantwortlichen die Medien zu machen. Immer wieder baten sie gestern, «ohne sensationshaschende Schlagzeilen» zu berichten. Will heissen: Nicht zu sehr auf die Gefahren zu fokussieren. Denn die Grindelwaldner haben Angst um ihren Verdienst: «Wenn in den Medien eine Meldung kommt, die negativ ausgelegt werden kann, stornieren bei uns die Touristen ihre Buchungen», sagte Gemeindepräsident Schläppi.

Während manche Verantwortliche im Berner Oberland offenbar glauben, mit einer positiven Berichterstattung und genügend Geld lasse sich jede Naturgefahr bannen, offenbarte Kreisoberingenieur Markus Wyss eine realistischere Einschätzung: «Die Bevölkerung muss akzeptieren, dass es nicht einfach für jedes Problem eine bauliche Schutzmassnahme gibt.» Wichtiger werde stattdessen die rechtzeitige Alarmierung. Dies sei auch beim Triftgletscher beim Sustenpass so: Wenn dort das Wasser des Gletschersees kommt, werden die gefährdeten Anwohner per Handy alarmiert und müssen dann die Gefahrenzone sofort verlassen.

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