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«Heute erzählt man sich, dass ein Verwandter mit Exit gestorben ist»

Ethikprofessor Markus Zimmermann über das Urteil gegen eine Ärztin, die eine psychisch kranke Frau in den Tod begleitet hat, und Regeln, die es braucht.

«Die Schweiz wird um eine gesetzliche Regelung nicht herumkommen»: Markus Zimmermann, Ethikprofessor an der Universität Fribourg und Vizepräsident der Nationalen Ethikkommission (NEK).

«Die Schweiz wird um eine gesetzliche Regelung nicht herumkommen»: Markus Zimmermann, Ethikprofessor an der Universität Fribourg und Vizepräsident der Nationalen Ethikkommission (NEK).

Claudia Blumer@claudia_blumer

Die Schweiz ist seit Jahrzehnten Insel für Menschen, die einen begleiteten Suizid wünschen. Jetzt wurde die Sterbehelferin Erika Preisig verurteilt, weil sie bei einer Sterbebegleitung gegen das Heilmittelgesetz verstossen hat. Ist sie ein Bauernopfer?
Meines Erachtens nicht, denn sie hat mit ihrer Art und Weise, wie sie Suizidhilfe betreibt, diese Situation provoziert. Anders als beispielsweise Exit missachtet sie Regeln, die sich bei der Suizidhilfe als Standard ergeben haben. So etwa den Grundsatz, immer eine Zweitmeinung einzuholen. Oder sich zu beschränken auf Menschen, die in der Nähe ihres Lebensendes sind. Da ist Erika Preisig nicht die einzige, die davon abweicht. Aber sie macht es mit Nachdruck und setzt sich über die Rechtsprechung des Bundesgerichts hinweg. Dieses hat 2006 gefordert, dass bei sterbewilligen Menschen mit einer psychischen Erkrankung stets ein psychiatrisches Fachgutachten einzuholen sei. Es hielt aber auch fest, dass Menschen nicht benachteiligt werden dürfen, nur, weil sie psychisch statt körperlich krank sind und unerträglich leiden.

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