Keine Defizitgarantie für Olympia

Im Unterschied zu früheren Anläufen wird der Bund für die Winterspiele 2026 in Sitten keine unlimitierte Defizitgarantie abgeben. Ein Risiko besteht wegen der Sicherheitskosten.

Sion-2026-Vize Hans Stöckli.

Sion-2026-Vize Hans Stöckli.

(Bild: Raphael Moser)

Fabian Schäfer@FabianSchaefer1

Gestern machte der Bundesrat den nächsten Schritt in Richtung Olympische Winterspiele Sion 2026: Er gab die Unter­lagen zu den geplanten Bundesbeiträgen von maximal 994 Millionen Franken in die Vernehmlassung. Diese dauert bis im März, danach ist das Parlament am Zug.

Wichtigster Kritikpunkt sind die Finanzen, da frühere Winterspiele teilweise grosse Defizite zurückliessen. Die Sion-Planer wollen dies verhindern, indem sie primär bestehende Sportanlagen nutzen. Zudem macht der Bundesrat in den neuen Unterlagen klar, dass der Bund dieses Mal keine unbegrenzten Garantien abgeben wird, wie sie das Internationale Olympische Komitee (IOK) bisher jeweils verlangt hat. In den Beiträgen des Bundes ist einzig eine Reserve von 215 Millionen Franken eingerechnet – darüber hinaus will der Bund nichts an die Durchführungs­kosten bezahlen. Falls das IOK weitergehende Garantien verlangt, müssten diese die Veranstalter oder die Austragungskantone abgeben.

Doch auch für den Bund bleibt ein finanzielles Risiko bestehen: Wenn es bei den Sicherheitskosten, die auf 300 Millionen Franken veranschlagt werden, Mehrausgaben gibt, müssen sich Bund Kantone diese teilen. Der Bund trägt 20 Prozent der Polizeikosten und die vollen Kosten seiner eigenen Einsatzkräfte von Armee bis Nachrichtendienst.

Komitee ist zuversichtlich

Die Organisatoren ihrerseits ­reagierten gestern erfreut. Verlangen sie nun unbegrenzte Defizitgarantien von den Kantonen? «Nein», sagt Hans Stöckli, Vizepräsident des Sion-Komitees und Berner Ständerat (SP): «Wir sind überzeugt, dass das IOK unsere Kandidatur auch ohne unlimitierte staatliche Defizitgarantie akzeptieren kann.»

Stöckli sagt, mit dem Bundesbeitrag und weiteren Einnahmen habe das Komitee bereits Reserven von über 10 Prozent des Gesamtbudgets. Diese Sicherheitsmarge will man mit Kostensenkungen noch erhöhen. Falls dieses Polster dem IOK als Garantie gegen Finanzlöcher nicht ausreicht, wollen die Organisatoren versuchen, zusätzlich verlangte Sicherheiten zum Beispiel mit einer privaten Versicherung beizubringen. Dies werde aber, wenn überhaupt, nur in geringem Ausmass nötig sein.

«Spielregeln angepasst»

Bleibt noch eine Frage: Wieso hiess es bei früheren Schweizer Olympiaversuchen – zuletzt im Kanton Graubünden – immer, der Bund müsse zwingend eine unbegrenzte Defizitgarantie übernehmen? Dazu sagt Hans Stöckli: «Auch wenn es unsere Kritiker nicht glauben wollen: Das IOK hat seine Spielregeln an demokratische Rechtsstaaten angepasst, welche keine unli­mitierten Garantien abgeben können.»

Berner Zeitung

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