Lohn des Galenica-Präsidenten hat sich auf 3,8 Millionen verdreifacht

Die Bezüge der höchstbezahlten Führungskräfte bei grossen Firmen aus dem Wirtschaftsraum Bern-Solothurn-Freiburg haben in den vergangenen zehn Jahren zugenommen. Die drei Spitzenplätze beim grössten Wachstum der Topmanagerlöhne belegen Galenica, Schaffner und die Swatch Group – zu Recht?

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Jon Mettler@jonmettler

Wer als Konzernchef im Wirtschaftsraum Espace Mittelland über eine Million Franken und mehr im Jahr verdienen will, lässt sich am besten von der Swatch Group, Galenica der Swisscom oder Alpiq (vormals Atel) anstellen. Nick Hayek, Konzernchef des Bieler Uhrenkonzerns Swatch Group, erhielt im vergangenen Jahr ein Salär von 6,9 Millionen Franken. Hayek ist damit die bestverdienende Führungskraft im Raum Bern-Solothurn-Freiburg.

Auf Rang zwei kommt Etienne Jornod, exekutiver Verwaltungsratspräsident des Pharmakonzerns Galenica mit Sitz in Bern. Jornod erhielt im vergangenen Jahr 3,8 Millionen Franken. Alpiq-Chefin Jasmin Staiblin verdiente 1,7 Millionen Franken. Swisscom-Chef Urs Schaeppi bezog einen Lohn von 1,6 Millionen Franken. Cheflöhne bestehen aus verschiedenen Bestandteilen: In der Regel gibt es einen Grundlohn, einen Bonus, Aktienanteile am Unternehmen und Spesenentschädigungen.

Zum Vergleich: Der mittlere Jahreslohn in der Schweizer Privatwirtschaft beträgt 73'416 Franken brutto, wie aktuelle Angaben der Bundesbehörden für das Jahr 2012 zeigen. Mittlerer Lohn heisst: Die Hälfte aller Arbeitnehmer verdient mehr, die andere Hälfte weniger.

Die andere Rangliste

Die Spitzenverdiener-Rangliste von Unternehmen aus dem Espace Mittelland sieht jedoch anders aus, wenn man die Entwicklung im Langzeitvergleich betrachtet. Den grössten Lohnsprung in den vergangenen zehn Jahren hat die höchstbezahlte Führungskraft von Galenica gemacht. Ihr Salär hat sich zwischen den Jahren 2003 und 2013 verdreifacht, wie eine Analyse dieser Zeitung zeigt. Es konnten nur Unternehmen berücksichtigt werden, die den Cheflohn seit dem Jahr 2003 offenlegen (siehe Kasten).

Nutzniesser des Lohnwachstums ist Etienne Jornod. Der heute 61-Jährige hat Galenica im untersuchten Zeitraum zuerst im Doppelmandat als Verwaltungsratspräsident und Delegierter des Verwaltungsrats geführt. Erst seit dem Jahr 2012 ist Jornod exekutiver Präsident. Das heisst, er hat einen Konzernchef an seiner Seite.

Das zweit- und drittgrösste Wachstum bei den Cheflöhnen ist bei Schaffner und Tornos feststellbar. Bei Schaffner mit Sitz im solothurnischen Lutherbach hat sich das Salär in zehn Jahren mehr als verdoppelt, bei Tornos beinahe verdoppelt. Bei Schaffner stieg die Lohnsumme des Konzernchefs von 438'000 Franken auf 958'000 Franken. Chief Executive Officer des Leistungselektronikherstellers ist seit dem Jahr 2007 Alexander Hagemann. Der Tornos-Chef verdiente im Jahr 2003 noch 384'217 Franken. 2013 waren es 677'000 Franken. Letztgenannter Betrag ging an Michael Hauser, der seit dem Jahr 2011 den Drehautomatenhersteller aus dem Berner Jura leitet.

Der mittlere Lohn in der Schweizer Privatwirtschaft ist in zehn Jahren lediglich um 13 Prozent gestiegen.

Spezialfall Swatch Group

Ein Spezialfall ist die Swatch Group. Da der Uhrenkonzern den Lohn des Konzernchefs erst seit dem Jahr 2007 ausweist, ist ein Zehnjahresvergleich nicht möglich. Um dennoch einen Eindruck zur Entwicklung bei den Managerlöhnen zu erhalten, hat diese Zeitung das Salär des Verwaltungsratspräsidenten der Swatch Group unter die Lupe genommen. Die Zahlen dazu hat das Unternehmen ab dem Jahr 2003 offengelegt. Das Salär ist zwischen 2003 und 2013 um den Faktor 2,5 gewachsen.

Der verstorbene Firmengründer Nicolas Hayek erhielt als Präsident vor elf Jahren noch 1,8 Millionen Franken. Seine Tochter Nayla Hayek, die im Jahr 2010 das Präsidium übernommen hat, bezog im vergangenen Jahr 4,5 Millionen Franken. Nayla Hayek leitet nebenbei die Schmuckmarke Harry Winston. Auch Nicolas Hayek war operativ bei Uhrenmarken tätig.

Swisscom über eine Million

Von einer Lohnsumme wie bei der Swatch Group sind die Chefs der staatsnahen Unternehmen weit weg. Der Lohn des Swisscom-Chefs bewegt sich als einziger konstant deutlich über der Grenze von einer Million Franken und näherte sich zeitweise sogar der 2-Millionen-Franken-Grenze. Bei der Post gelangte der Cheflohn nie über die magische Schwelle von einer Million Franken im Jahr.

Der Technologie- und Rüstungskonzern Ruag sowie die SBB zahlten ihren Chefs nur in einzelnen Jahren mehr als eine Million Franken. Der Sprung über die Millionenschwelle erfolgte bei den SBB mit der Anstellung des amtierenden Firmenchefs Andreas Meyer im Jahr 2007, der von der Deutschen Bahn kam.

Auch wenn der Swisscom-Chef von den staatsnahen Betrieben den höchsten Lohn bezieht, hat die Swisscom dieses Salär im Zehnjahresvergleich am wenigsten angehoben. Am meisten wuchs der Lohn des SBB-Chefs mit 71 Prozent, und zwar von 449'000 auf 943'698 Franken.

Auffallend ist weiter, dass innert Jahresfrist die Cheflöhne von SBB, Post und Swisscom rückläufig sind. Nur bei der Ruag zeigt der Trend nach oben. Dämpfend wirkt der Druck aus der Politik. Bei Post, Ruag und SBB schaut der Bundesrat im Rahmen des jährlichen Kaderlohnreportings genau hin, wie viel die Kader der bundesnahen Betriebe verdienen.

Der Lohncheck

Sind die aufgezeigten Wachstumsraten bei den Cheflöhnen überhaupt gerechtfertigt? Eine einfache – wenn nicht abschliessende – Kontrolle ist möglich: Der prozentualen Veränderung bei den Topmanagerlöhnen von 2003 zu 2013 kann die Veränderung beim Betriebsgewinn im gleichen Zeitraum entgegengestellt werden. Der Betriebsgewinn zeigt auf, wie rentabel ein Unternehmen arbeitet und damit auch, wie leistungsfähig es ist.

Das Resultat: Bei der Röntgentechnologiefirma Comet in Flamatt, bei der Highlight Event&Entertainment (früher Escor) sowie bei Galenica, Ruag, Post und Swatch Group weist der Betriebsgewinn das höhere Wachstum auf als der Cheflohn respektive Lohn des Verwaltungsratspräsidenten. Bei Schaffner und den SBB nahm der Cheflohn mehr zu als der Betriebsgewinn.

Einzig bei der Swisscom und beim Technologieunternehmen Adval Tech in Niederwangen war der Betriebsgewinn rückläufig, während die Cheflöhne zunahmen. Bei der Swisscom betrug das Minus beim Gewinn 7 Prozent, der Lohn des Konzernchefs nahm um 7 Prozent zu. Bei Adval Tech schrumpfte der Gewinn um 75 Prozent, während der Cheflohn um 31 Prozent stieg.

«Der Lohn des Firmenchefs von Swisscom liegt deutlich unter dem Durchschnitt der restlichen Unternehmen im Swiss-Market-Index», sagt Firmensprecher Sepp Huber. Das Unternehmen sei überzeugt, dass es angemessene Löhne auf allen Stufen bezahle und den Cheflohn mit Augenmass und relativ zu anderen grossen börsenkotierten Firmen moderat erhöht habe.

Valeria Poretti von Adval Tech weist darauf hin, dass die Basisvergütung des Konzernchefs für die Jahre 2008 bis 2012 unverändert geblieben sei und sich im vergangenen Jahr sogar um 16,3 Prozent verringert habe.

Tornos schliesslich weist fürs vergangene Geschäftsjahr einen Verlust aus, der Cheflohn stieg aber zwischen 2003 und 2013 um 76 Prozent. Firmensprecher Patrick Köppe bestätigt das Lohnwachstum, macht aber auf einen Basiseffekt aus dem Jahr 2003 aufmerksam. Bei einem Vergleich des Jahres 2007 mit 2013 etwa hätten die Entschädigungen um 16,8 Prozent abgenommen, so Köppe.

Zum Verlust sagt der Tornos-Sprecher: «Die roten Zahlen sind grösstenteils auf Wertberichtigungen auf immateriellen und materiellen Vermögenswerten zurückzuführen, die vor Antritt des heutigen Firmenchefs gebildet worden seien. Der Verlust kann deshalb mit dem heutigen Management nicht in Verbindung gebracht werden.»

Rückläufige Cheflöhne

Und auch das gibt es: Unternehmen, bei denen die Cheflöhne zwischen 2003 und 2013 abgenommen haben. Das trifft zu auf das Industrieunternehmen Mikron mit Sitz in Biel und die frühere Escor in Düdingen FR. Die Herstellerin von Casinoautomaten gehört heute zur Luzerner Highlight Event&Entertainment AG. Ihre Geschäftsaktivitäten sind in den vergangenen Jahren massiv geschrumpft.

Bei Mikron nahm der Cheflohn um 3 Prozent ab, bei der Highlight Event&Entertainment AG um 74 Prozent.

Berner Zeitung

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