Nachrüstung in Beznau verzögert – nun macht Atomaufsicht Druck

Der Stromkonzern hat eine wichtige Nachrüstung im AKW Beznau jahrelang verschleppt. Die Aargauer Regierung sieht darin kein Problem.

Auch acht Jahre nach Fukushima noch nicht komplett nachgerüstet: Das Atomkraftwerk Beznau.

Auch acht Jahre nach Fukushima noch nicht komplett nachgerüstet: Das Atomkraftwerk Beznau.

(Bild: Keystone)

Stefan Häne@stefan_haene

Der Fall dreht sich um eine jahrelang verzögerte sicherheitsrelevante Nachrüstung im Atomkraftwerk Beznau. Max Chopard hätte sich vom Aargauer Regierungsrat deshalb eine «erhöhte Sensibilität» gewünscht. Doch nun sieht der SP-Grossrat seine Hoffnung enttäuscht. Weshalb, zeigt eine heute publizierte Antwort der Exekutive auf eine Interpellation der SP-Fraktion. «Für den Kanton Aargau», stellt die bürgerlich dominierte Regierung klar, «gab es keinen Grund, eine beschleunigte Umsetzung zu verlangen». Was ist geschehen?

Nach der Atomkatastrophe von Fukushima 2011 forderte die Atomaufsicht des Bundes (Ensi) den Stromkonzern Axpo auf, Beznau in fünf Punkten nachzurüsten. Doch nur vier von fünf Projekten sind inzwischen umgesetzt: Es fehlt ein zusätzliches Kühlsystem für das Brennelement-Lagerbecken, also jenes Gefäss, in dem die aussortierten Brennelemente vor dem Transport ins Zwischenlager abgekühlt werden.

Zuerst 2014, dann 2017 – und jetzt?

Zuerst wollte die Axpo das Projekt bis 2014 umsetzen, doch es kam zu Verzögerungen, unter anderem weil die Axpo eine Ausschreibung abbrach und später offenbar der Lieferant des Kühlsystems in Konkurs ging. Das Ensi gewährte eine «letztmalige» Fristerstreckung bis 2017.

Doch auch dieser Termin verstrich. Die Axpo will das Projekt nun bis 2021 realisieren. Im letzten Dezember hat sie beim Ensi den Terminplan zur Bewilligung eingereicht. Vier Monate später hat die Atomaufsicht noch nicht darüber befunden, wie aus der regierungsrätlichen Antwort hervorgeht. SP-Politiker Chopard zeigt sich irritiert: Die Causa sei sicherheitstechnisch heikel.

Wie heikel, ist indes umstritten. Der Regierungsrat übernimmt den Standpunkt des Ensi, das die Verzögerung der Nachrüstung als «nicht akut sicherheitsrelevant» eingestuft habe, zumal die Umsetzung der anderen vier Projekte den Schutzgrad von Beznau «massgeblich erhöht» hätten.

Konzept bis am Sonntag einreichen

Das deutsche Öko-Institut indes bezeichnet das fehlende Element explizit als «sicherheitstechnischen Nachteil» der Anlage. Umso unverständlicher ist es für Chopard, dass sich der Regierungsrat, wie dieser in seiner Antwort schreibt, «im Rahmen der öffentlichen Mitteilungen» von Ensi und Axpo über die Verzögerungen informiert hat. «Als Standortkanton müsste man hier deutlich proaktiver sein», sagt Chopard. «Es muss jetzt endlich vorwärtsgehen.»

Zumindest das Ensi drückt nun aufs Tempo. Die Axpo muss bis übermorgen Sonntag «Alternativen aufzeigen, um die Beschaffungszeiten der benötigten Komponenten zu verkürzen», wie das Ensi auf Anfrage bestätigt. In der Folge wird die Atomaufsicht entscheiden, ob sie dem allenfalls modifizierten Terminplan zustimme. Wie diese Alternativen aussehen, lässt die Axpo offen: Das Ensi werde die Unterlagen rechtzeitig erhalten. «Darin werden alle Fragen der Aufsichtsbehörde adressiert.»

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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