Nationalratskandidaten werden immer jünger

Der Bund hat die Kandidaten für die grosse Kammer nach Geschlecht, Alter und Partei ausgewertet.

Von ihrer Generation kandidieren bereits viele für den Nationalrat: Jungpolitikerinnen und Jungpolitiker während der traditionellen Jugendsession in Bern. (29. August 2015)

Von ihrer Generation kandidieren bereits viele für den Nationalrat: Jungpolitikerinnen und Jungpolitiker während der traditionellen Jugendsession in Bern. (29. August 2015)

(Bild: Keystone Lukas Lehmann)

Welche Partei stellt die jüngsten Nationalratskandidaten? Wie hat sich das Durchschnittsalter der Kandidaten in den letzten Jahren entwickelt? Und welche Partei hat die meisten Frauen auf der Kandidatenliste? Das Bundesamt für Statistik veröffentlicht interessante Zahlen zu den Nationalratswahlen in einem Monat.

Dabei zeigt sich etwa, dass die Anwärter auf ein Nationalratsamt immer jünger werden: Während bei den Nationalratswahlen im Jahr 1971 die 40- bis 49-Jährigen die grösste Gruppe waren, sind heute die meisten Kandidaten zwischen 18 und 29 Jahre alt. Bei Personen mittleren Alters ist es offenbar vergleichsweise weniger attraktiv geworden, für den Nationalrat zu kandieren; ihr Anteil ist gesunken. Dafür lassen sich im Vergleich zu 1971 heute mehr Menschen der Generation 60+ aufstellen. Verantwortlich dafür dürfte nicht nur die stärkere berufliche und familiäre Verpflichtung in den mittleren Lebensjahren sein, sagt Clau Dermont, Assistent am Institut für Politikwissenschaft: «Bei den Parteien ist das Bewusstsein gestiegen, dass es in Bern eine ausgewogene Vertretung verschiedener Altersklassen braucht.»

(Quelle: Bundesamt für Statistik, Stand 16. September 2015)

Die jüngsten Nationalratskandidaten findet man in der FDP und der SP mit einem Durchschnittsalter von 37 Jahren. Mit 44 Prozent (FDP) bzw. knapp 46 Prozent (SP) ist ein erheblicher Teil ihrer Kandidaten unter 30 Jahre alt. Die Statistik bezieht auch die Jungparteien mit ein. Maurus Zeier, Präsident der Jungfreisinnigen Schweiz, beobachtet, dass die Frage «Staat vs. Freiheit» immer präsenter werde: «Bei vielen meiner jungen Mitpolitiker stellt sich die grundsätzliche Frage zwischen Juso und Jungfreisinnigen, wenn es darum geht, sich für eine Partei zu entscheiden. Wer eine liberale Haltung vertritt, für den sind die Jungfreisinnigen daher naheliegend.» Clau Dermont fügt hinzu: «Die SP und die FDP als eher fortschrittliche Parteien – gerade in gesellschaftlichen Fragen – sprechen Junge eher an. Diese wollen stärker bewegen als bewahren.» Gemäss Zeier stellen die Jungfreisinnigen dieses Jahr am meisten Nationalratskandidaten aller Jungparteien.

Gut ein Drittel sind Frauen

Die durchschnittlich ältesten Nationalratskandidaten stellen laut BfS-Statistik dieses Jahr die Schweizer Demokraten (50 Jahre), von den im Parlament vertretenen Parteien ist es der Mouvement Citoyens Romand, wo die Kandidaten für die grosse Kammer im Schnitt 48 Jahre alt sind.

(Quelle: Bundesamt für Statistik, Stand 16. September 2015)

Beim Frauenvergleich schneiden erwartungsgemäss die linken Parteien besser ab: Bei den Grünen ist dieses Jahr jede zweite Nationalratskandidatin eine Frau, bei der SP sind es immerhin noch rund 47 Prozent. Am anderen Ende der Skala steht die SVP, wo nur gerade jeder fünfte Kandidat weiblich ist. Mit Frauenanteilen um 30 Prozent liegen FDP, CVP, BDP und GLP nicht nur politisch im Mittelfeld. Immerhin hat sich der Anteil Frauen bei den Nationalratskandidaten seit 1971 von rund 16 Prozent auf fast 35 Prozent gesteigert.

thu

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt