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Notlösung Schweiz

Wenn der Traum im Ausland zerplatzt: Die Wirtschaftskrise zwingt immer mehr Auslandschweizer zu einer Rückkehr in ihre Heimat.

Rückkehr in die Heimat: 22'400 Auslandschweizer wurden 2009 wieder in der Schweiz sesshaft.
Rückkehr in die Heimat: 22'400 Auslandschweizer wurden 2009 wieder in der Schweiz sesshaft.
Keystone

Durch die weltweite Wirtschaftskrise steigt der Druck auf die Auslandschweizer. In westeuropäischen Ländern wie Spanien stecken die Ausgewanderten in einem Dilemma: Um jeden Preis bleiben oder die Zelte abbrechen und in die Schweiz zurückkehren.

Die Auslandschweizer sind in den letzten Jahren vermehrt in die ruhige Heimat zurückgekehrt. Waren es 2006 noch 20'400 Personen, kamen 2009 bereits 22'400 Personen in die Heimat zurück. Das zeigen Zahlen des Bundesamtes für Migration (BFM).

Eine Verbindung zwischen Krise und Rückkehr herzustellen, ist schwierig. Denn eine Rückkehr kann sowohl aus persönlichen Gründen erfolgen wie auch vorab geplant sein. Dennoch lassen sich anhand der Wirtschaftskrise Auswirkungen für Auslandschweizer ablesen, insbesondere anhand der Leistungen der kantonalen Sozialdienste.

Mehr Dossiers behandelt

Bei den Genfer Sozialdiensten beispielsweise hat die Anzahl der behandelten Dossiers zugenommen. Gemäss Bernard Manguin, Mediensprecher der Sozialdienste, betrug die Zahl letztes Jahr im Mittel gegen 30 Dossiers pro Monat. Seit Januar 2010 sind es mehr als 40.

Kehrten die Schweizer in früheren Jahren vor allem aus weit entfernten Ländern zurück, kommen sie laut der Sozialarbeiterin Solveig Daidié nun zunehmend aus westlichen Staaten in die Heimat. «Die Krise macht sich dort stärker bemerkbar als in der Schweiz», sagt Daidié.

Viele Schweizer würden europäische Länder wie Grossbritannien oder Spanien verlassen. Rückkehrer strömen aber auch aus den USA in die Heimat. Dieses Land stelle vorzugsweise eigene Staatsbürger an. Aufenthaltsbewilligungen für Ausländer würden daher nicht verlängert, erläutert die Sozialarbeiterin.

Hilfe wird von Botschaften zur Verfügung gestellt

Finanzielle Unterstützung können Ausgewanderte über Schweizer Botschaften finden. Für die Gelder bürgt die Sozialhilfe für Auslandschweizer (SAS). Obwohl die Zahl der betreuten Dossiers nicht steigt, schliesst Sandro Monti von der SAS nicht aus, «dass es in gewissen europäischen Ländern zu einem Hoch von Anfragen kommt».

Die Schweizer Vertretungen in London und Washington verzeichneten keinen Wiederanstieg an Gesuchen. Ebensowenig kam es in von der Krise stark betroffenen Ländern wie Griechenland und Portugal zu mehr Anfragen.

Anders in Spanien, wo die Schweizer Vertretungen bei den Anfragen einen Anstieg von gegen 40 Prozent feststellen. Gemäss der Auslandschweizer-Organisation (ASO) wurde Spanien lange als «Eldorado» angesehen - als Land, in dem es «heiss und schön» sei. Die Krise hat das komplett verändert.

«Man lebt, so gut es geht»

Oft beantragen Selbstständige finanzielle Unterstützung. Sie trifft die Krise mit voller Wucht. «Man lebt, so gut es geht», sagt Unternehmer Jacques Schnieper, der im Verlagswesen tätig ist. Er hat dennoch nicht um Hilfe ersucht. «Ich habe genug Arbeit, um zu überleben», ergänzt er gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.

«Hätte meine Familie mich nicht unterstützt, wäre ich untergegangen und wieder in der Schweiz», betont der Vize-Präsident des Schweizer-Clubs in Madrid. In die Schweiz zurückzukehren, ist für ihn keine Option. «Ich habe keine nahen Verwandten in der Schweiz», erläutert er. Zudem vermutet er, dass er mit 56 Jahren in Genf keine Arbeit mehr fände.

Jüngere dagegen haben Madrid verlassen. «Ich wusste, dass ich nach der Rückkehr in der Schweiz Arbeit finden würde», führt ein Architekt aus, der sich in Zürich niedergelassen hat.

Das Baugewerbe hat unter der Krise stark gelitten, die Nachfrage ist eingebrochen. Aufgrund mangelnder Aufträge habe sein Arbeitgeber in Betracht gezogen, Personal zu entlassen. Der Dreissigjährige zog es vor, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und von sich aus in die Schweiz zurückzukehren. Denn in Spanien sei die Situation «hoffnungslos» geworden.

Entspannt hat sich die Lage seither nicht. Die Arbeitslosenquote beläuft sich auf gegen 20 Prozent, und im September sind in Spanien rund vier Millionen Arbeitslose gezählt worden.

SDA/mrs

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