Passagier nicht gesichert: Vergesslicher Deltapilot verurteilt

Die Bundesanwaltschaft bestraft einen lizenzierten Piloten, der einen Passagier ungesichert liess, wegen Störung des öffentlichen Verkehrs.

Ein Video auf Youtube zeigt einen US-Touristen, der ohne Sicherung im Deltasegler über Interlaken fliegt. (Video: Youtube/Gursk3)
Christian Brönnimann@ch_broennimann

Der Traum vom Fliegen wurde für den amerikanischen Touristen zum Albtraum. Denn es geschah etwas Unglaubliches: Als der Tourist letzten Oktober bei Interlaken im Berner Oberland zu einem Tandemflug mit dem Deltasegler startete, vergass der Pilot, ihn zu sichern. Um nicht in die Tiefe zu stürzen, musste sich der Amerikaner rund zweieinhalb Minuten lang mit den Händen an der Lenkstange des Seglers und am Körper des Piloten festklammern. Wäre ihm die Kraft ausgegangen, er wäre heute wohl tot.

Der dramatische Flug in Stuntman-Manier wurde im Internet zum Hit. Gegen 10 Millionen Mal wurde das Video bis heute angeklickt, das der Amerikaner auf Youtube hochgeladen hatte und das den Flug in voller Länge zeigt. Titel des Videos: «Swiss Mishap» – Schweizer Missgeschick. «Ich werde wieder Deltafliegen gehen, weil ich konnte meinen ersten Flug nicht geniessen», kommentierte der Amerikaner, nicht ohne Galgenhumor. Er kam mit dem Riss einer Bizepssehne links – vom langen Halten – und dem Bruch des rechten Handgelenks – von der ruppigen Landung – davon.

Schnelle Landung dank «extremen Sinkflugs»

Nun ist die Sache juristisch aufgearbeitet. Die Bundesanwaltschaft hat den Deltapiloten am 11. Juni per Strafbefehl rechtskräftig verurteilt, wegen fahrlässiger Störung des öffentlichen Verkehrs. Sie hat eine bedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen sowie eine Busse von 1000 Franken ausgesprochen. Zudem muss der Pilot die Verfahrenskosten von 800 Franken berappen. Schon zuvor hatte auch das Bundesamt für Zivilluftfahrt eine Busse von 800 Franken verhängt und dem Piloten die Fluglizenz für zwei Monate entzogen.

Im Strafbefehl ist der Vorfall detailliert nachgezeichnet. Der Pilot habe sofort nach dem Start einen «extremen Sinkflug» eingeleitet, um so schnell wie möglich zurück auf den Boden zu kommen. Trotz «fliegerisch sehr anspruchsvollen Voraussetzungen» habe er «heftige Steuerbewegungen» vermeiden können, attestiert ihm die Bundesanwaltschaft. Die Durchschnittsgeschwindigkeit des Horrorflugs berechnete sie auf genau 59,3 km/h. Dies bei einer Flughöhe von meistens 30 bis 50 Metern über Grund. Hätte der US-Tourist losgelassen, wäre er gemäss den Berechnungen mit 112,75 km/h auf den Boden geprallt.

Eine zusätzliche Leine gegen die Vergesslichkeit

Der bestrafte Deltapilot bietet nach wie vor Tandemflüge an. Er habe seine Lehren aus dem «Schock des Lebens» gezogen, erklärt er am Telefon. Er habe vorn an seinem Delta zwei Sicherheitsleinen angebracht, die mit den Karabinern eingehängt werden müssten. Falls er vergesse, die Karabiner einzuhängen, baumelten diese Leinen direkt vor seinem Gesicht. Und dann sei klar, dass er noch nicht abheben könne.

Und der amerikanische Tourist? Der hat kürzlich ein neues Video auf Youtube gestellt. Darin zeigt er sich, nach drei Operation wieder genesen, beim Golfspielen. Von Interlaken schwärmt er trotz allem als «such a beautiful place». Am Schluss des Videos kündigt er an, er habe für kommenden September seinen zweiten Deltaflug geplant – und zwar «in Switzerland».

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