Pendler Girod vergleicht die Schweiz und Holland

Die Schweiz hat die direkte Demokratie. Doch die Niederlande haben breitere Velowege. Und weitere Vorteile.

Was die Niederländer besser können: Velofahren in Amsterdam ist gemütlicher als in Zürich.

Was die Niederländer besser können: Velofahren in Amsterdam ist gemütlicher als in Zürich.

(Bild: Keystone)

Seit bald einem Jahr pendle ich mit dem ICE zwischen meinem politischen Engagement in der Schweiz und meiner Forschungsstelle in den Niederlanden. Unweigerlich drängt sich da immer wieder ein Vergleich dieser beiden Länder auf. So an manchem Mittagstisch debattierte ich mit meinen niederländischen Arbeitskollegen, welches Land nun in welchem Bereich besser abschneidet. Während die direkte Demokratie und unsere Konkordanz-regierung schon fast beneidet werden, behauptete doch tatsächlich so ein Niederländer nach einem Besuch in der Schweiz, unseren Käse könne man nicht essen. Die Niederlande hätten die trefflichere und breitere Auswahl – so viel zur Objektivität von Vergleichen.

Doch in folgenden drei Bereichen aus dem Alltag muss ich mich geschlagen geben: gesundes Essen, bunte Pflastersteine und sichere Fietsepade (Velowege).

Praktisches und zugleich gesundes Essen

Des Niederländers Hang zum Praktischen zeigt sich eindrücklich beim Essen. Käse, Brot, Gemüse – alles wird fein säuberlich vorgeschnitten verkauft. So ist das Käsesandwich im Nu fertig. Das erklärt wohl, wieso die halbe Belegschaft des niederländischen Umweltamtes ein solches mitnimmt.

Auch Gemüseeintopf oder -beilage lassen sich schnell – ohne grosses Schälen und Schneiden – zubereiten. Noch konsumentenfreundlicher sind frische Fertigmahlzeiten. So enthält meine Lieblingsspeise «Geitenkaas met honing-sjalotsaus en pasta» (Geissenkäse mit Honig-Zwiebel-Sauce und Pasta) frisches Gemüse und wird dank der Steamer-Verpackung in der Mikrowelle perfekt gar.Übrigens ist die Mikrowelle zu Unrecht verschrien: Da nur die Speise und nicht die Umgebung erhitzt wird, ist sie viel effizienter als der Ofen. Auch die höhere Umweltbelastung aufgrund der Plastikverpackung kann durch die Vermeidung von Essensabfällen dank genau dosierter Portionen kompensiert werden.

Bunte Pflastersteine

Nur historische Altstädte werden in der Schweiz bepflastert. Die Steine sind jeweils so klobig, dass ein Velofahrer eine Schüttelmassage erfährt, welche nur zu Beginn angenehm ist. Anders in den Niederlanden. Dort werden auf vielen Gemeindestrassen fein verzahnte Pflastersteine in unterschiedlichsten Farben und Mustern eingesetzt. Auch in der Schweiz würden so hergerichtete Strassen dem ganzen Quartier zusätzlichen Charme einhauchen. Natürlich ist ein solcher Strassenbelag aufwendiger, doch lassen sich spätere Reparaturen viel eleganter beheben.

Unter Pflastersteinen kann ein Rohrbruch behoben und anschliessend können die gleichen Steine wieder sorgfältig eingefügt werden. Die Strasse verheilt, ohne zu einem narbigen Flickenteppich zu werden.

Sichere Velowege

Jeder, der schon in den Niederlanden mit dem Velo unterwegs war, schwärmt von den Velowegen. Seit Elektrovelos die Berge zu flachen Hügel schmelzen lassen, liessen sich in der Schweiz bei gleicher Veloinfrastruktur ähnlich viele Menschen auf den Drahtesel locken.

Die Bausteine des niederländischen Veloparadieses sind: durchgehende Velowege; reine, doppelspurige Velowege für das Socialising auf zwei Rädern; Kreisel mit zusätzlicher Spur für Velofahrer; Autotürabstand zwischen Veloweg und Parkfelder; klare Trennung von Fussgänger- und Velobereich inklusive Fussgängerstreifen über den Veloweg.Das kommt nicht nur der Umwelt zugute. Die täglichen Velofahrten von Jung und Alt lassen es dem Niederländer weniger ansehen, dass auch er nicht besonders gesundes Essen mag: beispielsweise Hagelslag (ein Belag aus Schokolade oder gefärbtem Zucker) auf dem Morgenbrot und frittierte Snacks für unterwegs.

Tages-Anzeiger

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