Personalien

Ein eheliche Aussprache über Parteifragen und das Allgemeinwohl.

Laura de Weck@tagesanzeiger

Mann: Du, Frau, ich glaub, ich tret der SVP bei.
Frau: Du?
Mann: Ja sicher, jetzt, wo der Somm Nationalrat wird.
Frau: Das ist doch der Köppel.
Mann: Nein, der Köppel wollte doch Chefredaktor der NZZ werden.
Frau: Nein, das war der Somm.
Mann: Oder der Brunner?
Frau: Der war Chefredaktor vom Buure-Radio.
Mann: Ich glaub, der Somm wird Nationalrat.
Frau: Nein, der ist doch FDP.
Mann: Aber jetzt, wo er die NZZ nicht bekommen hat, braucht er die FDP nicht mehr.
Frau: Es ist aber trotzdem der Köppel.
Mann: Schau, Frau, das spielt gar keine Rolle. Hauptsache, es ist einer, der macht, was der Blocher gut findet und was der Blocher finanziert. Das steht auch in ihrem neuen SVP-Parteiprogramm: Personalien seien der SVP nicht wichtig. Es geht ihnen nicht darum, wer welches Pöstchen besetzt, es geht ihnen um das Wohl der Allgemeinheit. Da wird der Blocher schon den richtigen Mann einschleusen, ob in den Medien oder im Parlament.
Frau: Oder die richtige Frau.
Mann: Liebes, Frauen wollen das gar nicht machen, die exponieren sich nicht gern, das hat auch der Köppel geschrieben.
Frau: Ich kenne schon Frauen, die sich gern exponieren . . .
Mann: Liebes, du hörst nicht richtig zu, ob Frau oder Mann, das ist bei der SVP egal, es kommt auf das Gemeinwohl der Allgemeinheit an.
Frau: Aber zur Allgemeinheit gehören inzwischen die Frauen, und die machen bei den SVP-Nationalräten gerade mal 13 Prozent aus.
Mann: Du hörst nicht recht zu, es ist egal . . .
Frau: Und wer leitet denn die «Weltwoche», wenn der Köppel sich um das Wohl der Allgemeinheit kümmert?
Mann: Wir haben doch ein Milizsystem, der Köppel ist Unternehmer. Solche braucht es im Parlament.
Frau: Unternehmer? Du hast doch gesagt, der Blocher zahlt alles.
Mann: Unternehmer hin oder her, es kommt ja nicht auf die Personalie . . .
Frau: Also mir ist das ein Rätsel, wie er das schaffen will. Nationalrat, Chefredaktor, dann ist er Zünftler geworden und hat noch drei Kinder. Wie soll er das denn alles unter einen Hut bringen?
Mann: Aber schau, Frau, für die Kämbel-Zunft brauchts nicht viel Zeit, das ist doch nur ein einziger Abend . . .
Frau: . . . unter elitären Männern, die sich ihr Gesicht schwarz anmalen und betrinken.
Mann: Das ist doch eine schöne Tradition.
Frau: Mir ist es trotzdem ein Rätsel, wie er das schaffen soll. Das Buure-Radio musste ja auch schliessen, weil der Brunner keine Zeit mehr hatte. Oder war das der Mörgeli?
Mann: Der Mörgeli war im Museum.
Frau: Siehst du, auch das ging schief. Überall überarbeitete Männer.
Mann: Der Köppel will im Nationalrat doch nur so kurz wie möglich bleiben, hat er angekündigt.
Frau: Damit ihm der Somm folgt? Oder weil es Zeitverschwendung ist, wie der Blocher sagt?
Mann: Nach vier Jahren hat unser neuer Mann das Parlament bereits so im Griff, dass sich das allgemeine Gemeinwohl im Volk etabliert hat, und schon ist er wieder weg. Schau, Frau, der Köppel, der strotzt vor Energie. Der ist jung geblieben. Der ist sogar ein richtiger Rockfan.
Frau: . . . von Krokus.
Mann: Weisst du noch der Hit: «Long Stick Goes Boom».
Frau: Ja, auch so eine wichtige Band für uns Frauen . . .
Mann: Was hast denn du auf einmal mit dem Frauen-Zeug?
Frau: Ich hatte mir überlegt, den FDP-Frauen beizutreten und da aktiv zu werden.
Mann: Du? Nein, schau, das geht nicht, du arbeitest ja wieder halbtags, wer soll sich um die Kinder kümmern?
Frau: Du natürlich. Ich glaub, bei den Kindern kommt es nun wirklich nicht mehr auf die Personalie drauf an . . .
Mann: . . . aber willst du dich wirklich so exponieren, und dieser Stress . . .
Frau: Das ist es mir schon wert, Schatz, um dein Wohl und das der Allgemeinheit.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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