Politiker fordern sichere Bahnhöfe nach asiatischem Vorbild

Nach der Tat in Frankfurt wollen deutsche Politiker Abschrankungen auf Perrons einführen. Wir haben nachgefragt, wie gefährlich Schweizer Bahnhöfe sind.

Ein Mann hat in Frankfurt eine Frau und ihren Sohn auf die Zuggleise gestossen. Während sich die Mutter retten konnte, wurde der achtjährige Junge vom einfahrenden Zug erfasst und getötet.

Ein Mann hat in Frankfurt eine Frau und ihren Sohn auf die Zuggleise gestossen. Während sich die Mutter retten konnte, wurde der achtjährige Junge vom einfahrenden Zug erfasst und getötet.

(Bild: AFP)

Innerhalb kurzer Zeit kamen in Deutschland zwei Menschen ums Leben, die auf die Zuggleise gestossen wurden. In Frankfurt schubste am Montag ein Mann eine Frau und deren Sohn vor einen einfahrenden Zug. Die Mutter konnte sich retten, der Achtjährige geriet unter den Zug und wurde getötet. Kurz zuvor hatte ein Mann im niederrheinischen Voerde eine 34-jährige Frau aufs Gleis gestossen. Die Fälle führten zu Diskussionen über die Sicherheit an Bahnhöfen – auch in der Schweiz.

Denn auch hierzulande haben sich schon solche Vorfälle in Bahnhöfen ereignet. So etwa im Mai 2016 in Sissach (BL), wo ein Mann von einem Unbekannten auf die Gleise gestossen wurde. Er konnte sich retten, bevor der Zug einfuhr. 2015 stiess ein Mann in Zürich eine Frau aufs Gleis. Sie trug schwere Verletzungen davon.

Mehr Sicherheit gefordert

Für das Jahr 2017 verzeichnete der Bund 167 schwere Unfälle im Zusammenhang mit Zügen. Hinzu kommen mehrere Hundert Unfälle mit Leichtverletzten. Vorsicht und Aufmerksamkeit, so schreiben die SBB, das Bundesamt für Verkehr und die BfU in einer gemeinsamen Kampagne, seien die besten Mittel, um solche Unfälle zu vermeiden. Ihr Tipp: Stets hinter der weissen Markierung bleiben und die Augen offen halten, besonders bei beweglichen Gegenständen.

Nach den jüngsten Todesfällen wollen Politiker in Deutschland jedoch mehr. Sie fordern Absperrungen, Schranken oder Türen, wie es in manchen Ländern bei U-Bahnen üblich ist. Zugreisende gelangen dadurch erst zum Zug, wenn dieser bereits eingefahren ist. Auch in der Schweiz stossen solche Ideen auf Zustimmung: «Würde man Abschrankungen wie in Japan haben, könnte gar niemand vor den Zug gestossen werden», schrieb der ehemalige Zürcher Ständerat Felix Gutzwiller auf Twitter.

Bisher keine Massnahmen geplant

Die SBB wollen sich zu verstärkten Sicherheitsmassnahmen an Bahnhöfen nicht äussern und verweisen ans Bundesamt für Verkehr. Dieses gibt sich ebenfalls zurückhaltend: «Die Informationen zum Fall in Frankfurt weisen darauf hin, dass es sich um eine kriminelle Tat einer psychisch beeinträchtigten Person handelt», sagt Sprecher Michael Müller. So wie es sich nicht ausschliessen lasse, dass eine solche Person mit dem Auto absichtlich auf Menschen losfahre, so lasse sich auch ein Vorfall wie derjenige in Frankfurt nicht ausschliessen, erklärt Müller. «Welche Massnahmen zur Verhinderung solcher Vorfälle möglich und verhältnismässig sind, ist eine gesellschaftliche und politische Frage.»

Schranken in der Schweiz «unrealistisch»

Konkreter wird Urs Schaffer von Pro Bahn. Bauliche Massnahmen wie Abschrankungen hält er für unrealistisch. «Wir haben unterschiedliches Wagenmaterial und unterschiedliche Bahnhöfe.» Das sei nicht vergleichbar mit Verkehrsnetzen in Asien, die von Anfang an für ein solches System konzipiert wurden.

Ausserdem würden auch Abschrankungen Gewalttaten nicht verhindern. «Die hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht, ein Restrisiko bleibt immer.» Um die Sicherheit auf dem Perron zu erhöhen, plädiert Schaffer für mehr Selbstverantwortung. «Man sollte weniger aufs Handy schauen, dafür mehr auf die Umgebung.»

Angesprochen auf eine verstärkte Präsenz von Sicherheitskräften, winkt Schaffer ab. Das würde zwar nicht schaden, sei jedoch mit erheblichen personellen und finanziellen Aufwänden verbunden. «Der ÖV kostet bereits genug und soll sich nicht noch weiter verteuern.»

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