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Psychiatrie: Einmal drin heisst nicht immer drin

Neun von zehn psychisch Erkrankten können nach einer einmaligen Krise die psychiatrische Klinik dauerhaft wieder verlassen.

Ambulante Psychiatrie hilft: Patient in einer psychiatrischen Klinik.
Ambulante Psychiatrie hilft: Patient in einer psychiatrischen Klinik.
Keystone

Zwei Studien über die Nutzung des stationären akutpsychiatrischen Angebots in der Schweiz gingen der Frage nach, ob Patienten in instabilem psychischem Zustand aus der Klinik entlassen wurden und kurz darauf wieder eingeliefert werden mussten (sogenannter «Drehtür-Effekt»). Andererseits wurde untersucht, ob gewisse Personen in psychiatrischen Kliniken über lange Zeit überdurchschnittlich viele Ressourcen beanspruchen (sogenannte «Heavy Users»). Die Studien wurden im Auftrag des Schweizer Gesundheitsobservatoriums (Obsan) durchgeführt.

Bei 154'000 aktuell oder früher psychisch Erkrankten zeigte sich, dass rund 90 Prozent keine «Heavy Users» waren. Sie benötigten nach einer Krankheitsperiode mit einem oder zwei stationären Aufenthalten in der Psychiatrie über mehrere Jahre hinweg keine stationäre Behandlung mehr.

Rund 8 Prozent der Erkrankten hatten dagegen «Heavy-User»-Merkmale. Entweder waren sie sehr oft oder dauerhaft psychiatrisch hospitalisiert, oder sie mussten nach dem Aufenthalt in der Psychiatrie wegen einer chronischen körperlichen Erkrankung häufig in ein Akutspital eintreten.

«Drehtür-Effekt» kein besonders Problem

Um das «Drehtür-Phänomen» zu untersuchen, wurden die Daten von 185'000 Personen analysiert. Dabei zeigte sich ein positiver Trend: Im Verlauf der vier untersuchten Jahre wurden die Abstände zwischen zwei Spitaleintritten merklich länger.

Die Gründe dafür dürften beim Ausbau des ambulanten psychiatrischen Angebots, bei der verbesserten Wirksamkeit von Therapien und bei Veränderungen in der Zusammensetzung der Erkrankten liegen, schreibt das Obsan. Es kommt zum Schluss, dass der «Drehtür-Effekt» kein relevantes Phänomen in der stationären Psychiatrie der Schweiz ist.

Es gibt nur einen relativ kleinen Kreis von Patientinnen und Patienten, welche sehr häufig stationäre psychiatrische Versorgung benötigen. Zu prüfen wäre, ob mit besonders frühzeitigen oder speziell zugeschnittenen Massnahmen das Versorgungsangebot für diese Personen verbessert werden könnte, rät das Obsan.

SDA/cpm

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