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SBB müsste Milliarden ins Schienennetz investieren

Die Schweizerischen Bundesbahnen haben 2014 mehr Passagiere und Güter befördert. Grosses Problem bleibt der Unterhalt des Schienennetzes. Dort wächst der Nachholbedarf.

Milliarden-Nachholbedarf: Gleisarbeiten im Fribourgischen Grolley.
Milliarden-Nachholbedarf: Gleisarbeiten im Fribourgischen Grolley.
Peter Schneider, Keystone

Die SBB hat 2014 mehr Passagiere und Güter transportiert als im Vorjahr. Auch das Konzernergebnis stieg an - allerdings hauptsächlich dank des Verkaufs des alten SBB-Hauptsitzes und anderer Immobilien. Der Nachholbedarf beim Unterhalt des Schienennetzes nahm weiter zu.

Die SBB braucht für den Unterhalt ihres Bahnnetzes noch mehr Geld als bisher angenommen. 95 Millionen Franken investierte die SBB vergangenes Jahr. Dennoch stieg der Nachholbedarf noch einmal deutlich an - von 2,3 auf 2,5 Milliarden Franken, wie die SBB am Donnerstag an ihrer Bilanzmedienkonferenz in Bern bekannt gab.

Hauptgrund für die zusätzlichen Kosten ist gemäss SBB die starke Belastung der Geleise: Die Züge fahren häufiger, sind schwerer und beschleunigen stärker.

Der zusätzliche Unterhalt beim Schienennetz drückte 2014 auf den Gewinn. Dennoch stieg das Konzernergebnis um 135 Millionen auf 373 Millionen Franken an. Den Zuwachs verdankt die SBB jedoch zur Hauptsache dem Verkauf von Immobilien: Die SBB veräusserte im vergangenen Jahr ihren alten Hauptsitz und über hundert weitere Immobilien, was 190 Millionen Franken in die Kasse spülte.

«Finanzielle Lage bleibt schwierig»

Das Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) blieb denn auch mit 314 Millionen Franken in etwa auf dem Niveau des Vorjahres (309 Millionen Fr.). Wegen hoher Investitionen stieg die Verschuldung weiter an auf 7,7 Milliarden Franken.

«Das ist weit von einer gesunden Finanzlage weg», sagte Verwaltungsratspräsident Ulrich Gygi vor den Medien. 2014 sei zwar ein gutes Ergebnis erzielt worden, doch bleibe die finanzielle Lage schwierig. Der Kostendeckungsgrad müsse verbessert werden. Die Benutzer kamen vergangenes Jahr für etwa die Hälfte der Kosten auf, die öffentliche Hand zahlte 3,2 Milliarden Franken.

Keine Preiserhöhung

Eine Preiserhöhung lehnt die SBB-Spitze für 2015 jedoch ab - auch wenn die Frankenstärke ihr zusätzlich zu schaffen macht. «An der Preisschraube zu drehen, wäre falsch», sagte SBB-Chef Andreas Meyer. «Wir wollen keine Erhöhung - trotz oder gerade wegen der Frankenstärke.» Dies gelte sowohl für den Personen- wie auch für den Güterverkehr.

Die Frankenstärke bezeichnet die SBB als «grosse Belastung». Für nächstes Jahr rechnet die SBB deswegen mit einer Einbusse von 20 Millionen Franken. Ab 2016 werde das Ergebnis wohl um über 100 Millionen Franken belastet, sagte Meyer.

Täglich 1,18 Millionen Passagiere

Positives konnte die SBB am Donnerstag über die Passagierzahlen, die Kundenzufriedenheit und den Güterverkehr berichten. Täglich nutzten vergangenes Jahr 1,18 Millionen Passagiere die Züge - 3,7 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Kundenzufriedenheit stieg um 0,3 auf 75,9 Punkte. Besser bewertet wurden von den Kunden gemäss SBB insbesondere Sauberkeit, Platzangebot, Preis-Leistungsverhältnis und die Kundeninformation im Störungsfall. Zur Zufriedenheit beigetragen habe auch die Ausrüstung aller Wagen im Fernverkehr mit Signalverstärkern und qualitativ hochstehendem Mobilfunkempfang.

Der Anteil der Reisenden, die pünktlich oder mit einer Verspätung von weniger als drei Minuten ihr Reiseziel erreichten, stieg um 0,2 Prozentpunkte auf 87,7 Prozent. Gleichzeitig verpassten jedoch mehr Passagiere ihre Anschlusszüge: Die Gewährung der Anschlüsse ging um 0,2 auf 97,1 Prozent zurück.

Die SBB habe nicht alle ihre Ziele erreichen können - etwa bei der Pünktlichkeit, gab Meyer zu. «Aber wir haben Fortschritte gemacht.»

Erneut schwarze Zahlen für SBB Cargo

Gar um 17,6 Prozent stieg die Zahl der transportierten Güter. SBB Cargo, die im Vorjahr erstmals seit Jahrzehnten schwarze Zahlen geschrieben hatte, verdoppelte ihren Gewinn auf 33 Millionen Franken. Auch SBB Cargo International schrieb zum ersten Mal schwarzen Zahlen.

Für die Zukunft erwartet die SBB ein weiteres Kundenwachstum. Und die Kunden würden immer differenziertere Ansprüche stellen, sagte Gygi. Die Bahnen seien nicht die beweglichsten Akteure - es habe lange gedauert, bis sie aus ihrem Tiefschlaf erwacht seien. «Wir befinden uns heute mitten in der Aufholjagd.»

Als Meilensteine in nächster Zeit bezeichnet die SBB neben der Einführung des SwissPass die Inbetriebnahme der zweiten Etappe der Durchmesserlinie in Zürich und des neuen Gotthardtunnels. Ende 2015 steht zudem der grösste Fahrplanwechsel seit der Bahn 2000 an.

SDA/rub

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