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Schulen wehren sich gegen Missbrauch durch Parteipolitik

Die Schweizer Lehrer wollen einen besseren Schutz der Bildung vor der «ständigen Einmischung» durch die Politik. Der Lehrerdachverband fordert deshalb einen schweizweit einheitlichen Kernlehrplan.

Freut sich über das gestiegene Interesse an der Schule: Beat Zemp vom Lehrerdachverband. (Archivbild)
Freut sich über das gestiegene Interesse an der Schule: Beat Zemp vom Lehrerdachverband. (Archivbild)
Keystone

Am ersten Schweizer Bildungstag hat Beat Zemp vom Lehrerdachverband Parteien und Politikern vorgeworfen, die Schulen immer mehr als «parteipolitisches Vehikel» zu missbrauchen. Der Dachverband fordert deshalb einen verbindlichen Auftrag, einen schweizweit gültigen Kernlehrplan. Diese Forderung ist ambitiös angesichts der föderalistischen Organisation des Schulwesens, aber gut unterwegs angesichts der Fortschritte, die der Lehrplan 21 macht.

Am ersten Schweizer Bildungstag trafen sich in Bern die Akteure zum Meinungs- und Gedankenaustausch: Bildungspolitiker aller Parteien, Verwaltungsvertreter, die Spitze der Erziehungsdirektorenkonferenz sowie Lehrerinnen und Lehrer.

Organisiert wurde der Bildungstag vom Dachverband Schweizer Lehrerinnen und Lehrer (LCH) und seinem Westschweizer Pendant, dem Syndicat des enseignants romands (SER). Parteien und Politiker sollten kurz vor den Wahlen «Farbe bekennen», wie der LCH mitteilte.

Schattenseiten des politischen Interesses

Das gestiegene Interesse der Parteien und der Medien an der Schule und am Bildungswesen sei erfreulich, sagte LCH-Präsident Beat Zemp in seiner Eröffnungsrede. Es habe aber auch eine Schattenseite: «Der Preis für die politische Einflussnahme auf die öffentliche Schule ist nicht nur ideologisches Gezänk zwischen Lobbygruppen und Expertenstreit.» Die Schule werde zunehmend auch «als parteipolitisches Vehikel missbraucht, um neue Wählerstimmen zu gewinnen».

Um herauszufinden, welche Parteien die Anliegen und Positionen der Lehrerschaft teilen und sich für ein starkes öffentliches Bildungswesen einsetzen, hat der LCH die Positionspapiere zur Bildung analysiert, um Übereinstimmungen und Differenzen festzustellen. Dafür hat er sieben Punkte aufgestellt, die genau angeschaut werden. So fordern die Lehrer unter anderem mehr Geld für die Bildung als Beitrag an die Demokratie, eine bessere Ausbildung der Lehrer und mehr Lohn, damit der Beruf attraktiver wird, und Respekt vor dem Lehrerberuf.

Wichtiger Punkt für die Lehrerschaft ist ein «griffiger und klarer Kernlehrplan, der in der ganzen Schweiz seine Gültigkeit hat», wie LCH-Zentralsekretärin Franziska Peterhans erklärte. «Und wir müssen dann auch geschützt sein vor ständiger direkter Einmischung in den Bildungsauftrag.»

Westschweiz als Vorreiterin

Die Westschweiz kennt seit 2011 einen gemeinsamen Lehrplan. Ab 2014 müssen ihn alle Kantone in der Westschweiz einführen. Der Lehrplan gibt klare Zielsetzungen in den verschiedenen Fächern vor, welche die Schüler während der obligatorischen Schulzeit erreichen müssen.

Die Romandie hat damit gegenüber der Deutschschweiz einen Vorsprung: Die deutschsprachigen Kantone sind mit ihrem Pendant, dem «Lehrplan 21», noch nicht so weit. Sie haben sich erst auf dessen Grundzüge geeinigt. In einem nächsten Schritt müssen nun die Details erarbeitet werden.

Mit dem Westschweizer Lehrplan und dem Lehrplan 21 der Deutschschweiz erfüllen die Kantone die via Bildungsartikel in der Bundesverfassung vorgeschriebene Harmonisierung der Bildungsziele.

SDA/kpn

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