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So viele Asylgesuche wie seit zehn Jahren nicht

Asyldestination Schweiz: Im Januar 2012 haben so viele Menschen in der Schweiz ein Asylgesuch gestellt wie seit fast einem Jahrzehnt nicht mehr. Von den Tunesiern erhielt keiner Asyl.

Immer mehr Menschen suchen Zuflucht in der Schweiz: Ein Asylsuchender in einer Zivilschutzanlage in Biel. (8. Februar 2012)
Immer mehr Menschen suchen Zuflucht in der Schweiz: Ein Asylsuchender in einer Zivilschutzanlage in Biel. (8. Februar 2012)
Keystone

Wieder ein Höchststand bei den Asylgesuchen: Im Januar 2012 haben so viele Menschen in der Schweiz ein Asylgesuch gestellt wie in keinem Monat seit beinahe zehn Jahren mehr. Eingegangen sind nach Angaben des Bundesamtes für Migration 2653 Asylgesuche. Im ersten Monat des Jahres sind nochmals 4,6 Prozent mehr Gesuche eingegangen als im Dezember 2011. Für das gesamte Jahr 2011 hatte das Bundesamt für Migration (BFM) erst kürzlich einen Anstieg von rund 45 Prozent gegenüber 2010 vermeldet.

Dieser Anstieg hält an: In diesem Januar sind im Vergleich zum Januar 2011 mehr als doppelt so viele Gesuche eingegangen, wie das BFM am Montag mitteilte. Damals waren es 1235 gewesen. Letztmals stellten laut BFM im Oktober 2002 so viele Menschen ein Gesuch. Der Trend der vergangenen Monate sei im Januar fortgesetzt worden, sagte ein BFM-Sprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Spitzenreiter Eritreer

Die meisten Gesuche stammten im Januar von Menschen aus Eritrea (370), Serbien (315) und Tunesien (249). Stark zugenommen haben vor allem die Gesuche aus Eritrea, nämlich um fast einen Drittel (+91 Gesuche). Der Grund: Eritreer haben gute Chancen auf Asyl in der Schweiz, über 85 Prozent der Gesuche werden angenommen.

Zurückgegangen sind dagegen die Gesuche von Serben (-15 Prozent) und Tunesiern (-12 Prozent). Für negative Schlagzeilen sorgten in den letzten Monaten vor allem junge Männer aus Tunesien, die sich auffällig verhielten. Von den Tunesiern habe keiner Asyl erhalten und es wurde auch noch keiner vorläufig aufgenommen, hielt das BFM fest.

Derzeit liefen Gespräche mit der tunesischen Regierung über direkte Rückführungen der abgewiesenen Asylsuchenden in das nordafrikanische Land, sagte der BFM-Sprecher weiter. Damit liesse sich die oft harzige Rückführung über Italien umgehen. Über den Stand der Gespräche wollte er keine Angaben machen. Die Tunesier reisen vor allem im Zuge des Arabischen Frühlings aus.

Nach wie vor zahlreiche Gesuche treffen von Menschen aus Nigeria ein. Es waren im Januar 2012 wie schon im vergangenen Monat 186 Gesuche. Anerkennt wurde keiner.

Roma aus Serbien

Bei den Asylsuchenden mit serbischem Pass handelt es sich laut BFM vor allem um Roma. Deren Gesuche wurden in den meisten Fällen abgelehnt. Wie auch Menschen aus Mazedonien (145 Gesuche) und Montenegro (12) machten die Serben Gebrauch von der Reisefreiheit in den Schengenraum, um dort Asyl zu beantragen.

Seit einigen Jahren machten die Behörden die Erfahrung, dass Roma während der Wintermonate in die Schweiz reisen, weil dies nah und billig ist, sagte ein BFM-Sprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Im Gegensatz zur Schweiz hätten sie in ihrem Heimatland praktisch keinen Zugang zu medizinischer Versorgung oder sanitären Anlagen.

Eine geringere Rolle dürfte die Rückkehrhilfe gespielt haben, welche Roma bei der Ausreise aus der Schweiz erhalten können. Nach mehrmaliger Reduktion wegen schlechter Erfahrungen beträgt sie noch 100 Franken für Erwachsene und 50 Franken pro Kind.

Flaschenhals Italien

Im Januar seien ausserdem 357 Personen im Rahmen des Dublin- Abkommens in ein anderes Land zurückgeführt worden, teilte das BFM weiter mit. Unter ihnen waren 248 Personen, die ins Nachbarland Italien abgeschoben wurden. Im Dezember waren es total 330 Menschen gewesen, davon 217 nach Italien.

Nach dem Dublin-Abkommen können Asylbewerber in jenes Land zurückgeschickt werden, in dem sie zuerst ein Gesuch gestellt haben. Wegen der Fluchtrouten über das Mittelmeer ist vor allem Italien betroffen.

Das Nachbarland akzeptiert aus der Schweiz aber monatlich maximal 250 Rückführungen. Das reicht nur für einen Bruchteil der Personen, welche die Schweiz zurückschieben möchte: Laut der Asylstatistik hat Italien allein im Januar in 606 Fällen einer Rücknahme zugestimmt.

SDA/rub

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