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«Spielsüchtige bauen ein Lügengebilde auf»

Psychotherapeut Franz Eidenbenz sagt, wann die Spielfreude zur Sucht wird und wie er Betroffene therapiert – und warum härtere Gesetze nicht zielführend wären.

Raphaela Birrer

Herr Eidenbenz*, über 75’000 Menschen in der Schweiz spielen exzessiv. Wann wird die Freude am Glücksspiel zur Sucht? Glücksspielsüchtig wird man in der Regel nach einem Gewinn. Betroffene verfallen dann der Illusion, dass sie das Spiel kontrollieren könnten. Voraussetzungen für eine solche Sucht sind zudem ein inneres Ungleichgewicht sowie ungelöste Probleme aus der Vergangenheit. In der Arbeit mit Betroffenen zeigt sich häufig, dass sie das Glück im Leben nicht auf ihrer Seite hatten. Im Spiel fordern Betroffene das Schicksal heraus und wollen fehlende Anerkennung und Zuwendung mit dem grossen Gewinn kompensieren.

Welche Symptome weisen auf eine Spielsucht hin? Wer von einem problematischen Spielverhalten in eine Sucht abgleitet, verliert die Kontrolle. Betroffene spielen länger, häufiger und mit mehr Geld, als sie eigentlich wollen. Zudem verzerrt sich ihre Wahrnehmung: Ein nüchtern denkender Mensch weiss, dass er auf Dauer statistisch gesehen Geld verliert. Ein pathologischer Glücksspieler will jeden Verlust durch einen neuen Gewinn kompensieren. Wenn ein solcher eintritt, ist er überzeugt, dass er eine Glückssträhne hat und weiterspielen muss. Das löst eine Negativspirale aus.

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