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Sterben ohne Geheimnisse

Wenn jemand ums Leben kommt, geht sein Besitz an die Erben über. Mit E-Mail-Konten, Facebook-Profilen und Online-Fotoalben von Toten verhält es sich nicht anders. Wenn man denn zu Lebzeiten vorgesorgt hat.

Im Grab ist es zu spät: Den Umgang mit wichtigen Passwörtern fürs Internet sollte man rechtzeitig regeln.
Im Grab ist es zu spät: Den Umgang mit wichtigen Passwörtern fürs Internet sollte man rechtzeitig regeln.
Colourbox/Montage BZ

In der Schweiz sind im letzten Jahr 61233 Menschen gestorben. Und nicht wenige von ihnen haben vor dem Tod im Internet Spuren hinterlassen. Sie haben E-Mail-Konten errichtet, ihre Bankgeschäfte übers weltweite Netz abgewickelt, Profile auf sozialen Netzwerken wie Facebook oder Myspace eingerichtet.

Genau das kann Angehörige vor ernste Probleme stellen: Was passiert mit Bildern, die der Verstorbene aufs Facebook-Profil geladen hat? Wer bekommt den E-Mail-Zugang? Was passiert mit dem sogenannten digitalen Nachlass?

E-Mails gehören Erben

«Grundsätzlich», sagt Notar Theo Meister aus Biel, «ist der digitale Nachlass genau so zu behandeln wie der übrige Nachlass auch.» Im Klartext heisst das: E-Mails, Bilder und alles andere, was ein Verstorbener zu Lebzeiten im Internet gespeichert hat, gehören den Erben.

Wer darf die E-Mails eines Verstorbenen lesen? Soll ein Konto mit persönlichen Daten sofort nach dem Tod gelöscht werden? «Solche Fragen werden in Zukunft immer wichtiger. Ich würde raten, diese Dinge im Testament zu regeln», sagt Notar Meister.

Bluewin löscht Konten

Anbieter von E-Mail-Diensten haben Regeln im Umgang mit den Konten von verstorbenen Kunden aufgestellt. Hotmail von Microsoft etwa gibt die Passwörter von Verstorbenen an Angehörige weiter. Allerdings braucht es dazu ein E-Mail auf Englisch sowie Kopien des Erbscheins, des eigenen Ausweises sowie desjenigen des Verstorbenen. Bei gmx.de und web.de reicht das Vorlegen eines Erbscheins.

Bluewin von Swisscom dagegen händigt Account-Daten «nicht ohne offiziellen und begründeten Nachweis» an Angehörige aus, wie Mediensprecher Sepp Huber auf Anfrage erklärt. «Ein offizieller Nachweis könnte beispielsweise eine richterliche Verfügung oder die Anweisung eines Anwalts sein.» Ohne Anweisung würden die Daten nach rund 30 Tagen gelöscht, so Huber.

Bei Facebook gibt es ein Standardformular für Angehörige. Sie können wählen, ob das Profil eines Verstorbenen gesperrt werden oder sichtbar bleiben soll – in einem «Erinnerungs»-Status. Nur bestätigte Freunde dürfen dann Nachrichten auf dem Profil hinterlassen. So wird Facebook zum digitalen Kondolenzbuch.

Zürcher bieten Datensafe

Dass sich mit dem Verwalten des digitalen Erbes auch Geld verdienen lässt, haben findige Geschäftemacher erkannt. Das Zürcher Unternehmen DSwiss etwa hat Mitte 2009 «DataInherit» lanciert, einen Datensafe im Internet. Passwörter und sensible Daten werden in von der Bankenkommission zertifizierten Datencentern hochsicher aufbewahrt, der Benutzer kann Daten nach selbst gewählten Kriterien vererben. Das kostet ab 50 Franken pro Jahr.

Ähnliche Dienste bieten auch Webseiten wie legacylockers.com oder deathswitch.com. Letztere wirbt so: «Sterben Sie nicht mit Geheimnissen, die keine mehr sein sollten.»

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