Zum Hauptinhalt springen

Afghanischer Geheimdienst bestätigt Tod von Mullah Omar

Der Talibanchef Mullah Omar ist laut einer Meldung des afghanischen Geheimdienstes seit mehr als zwei Jahren tot.

Der neue und der alte Chef der Taliban: Ein Mann hält eine Zeitung in Kabul mit Bildern von Mullah Achtar Mansur (l.) und Mullah Omar auf der Titelseite. (1. August 2015)
Der neue und der alte Chef der Taliban: Ein Mann hält eine Zeitung in Kabul mit Bildern von Mullah Achtar Mansur (l.) und Mullah Omar auf der Titelseite. (1. August 2015)
Rahmat Gul, Keystone
Nachfolger des verstorbenen Taliban-Chefs Mullah Omar wird sein bisheriger Stellvertreter Mullah Muhammad Achtar Mansur, hier auf einer undatierten Aufnahme.
Nachfolger des verstorbenen Taliban-Chefs Mullah Omar wird sein bisheriger Stellvertreter Mullah Muhammad Achtar Mansur, hier auf einer undatierten Aufnahme.
Keystone
Vom Taliban-Chef existieren nur ganz wenige Aufnahmen: Ein undatiertes Foto, das Mullah Omar zeigen soll.
Vom Taliban-Chef existieren nur ganz wenige Aufnahmen: Ein undatiertes Foto, das Mullah Omar zeigen soll.
AP Photo/File
1 / 7

Nun gibt es eine offzielle Meldung über den Verbleib von Mullah Omar, Anführer der radikalislamischen Taliban. Er sei seit mehr als zwei Jahren tot, meldet der afghanische Geheimdienst. Omar sei im April 2013 in einem Krankenhaus in der pakistanischen Stadt Karachi «unter mysteriösen Umständen» gestorben, sagte der Sprecher des afghanischen Nationalen Direktorats für Sicherheit, Abdul Hassib Sediki heute der Nachrichtenagentur AFP. Zuvor hatte bereits ein Regierungsvertreter in Kabul gesagt, Omar sei «vor zwei Jahren an einer Krankheit gestorben». Der Vertreter wollte namentlich nicht genannt werden. Der einflussreiche Talibanchef war seit dem Sturz der Islamisten im Jahr 2001 durch eine Offensive unter US-Führung nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen worden.

In den vergangenen Monaten hatten sich die Gerüchte um den Tod Omars verdichtet. Dies war auch darauf zurückzuführen, dass es keine neuen Botschaften des mutmasslich abgetauchten Extremisten mehr gab. Mitte Juli wurde allerdings eine dem Talibanchef zugeschriebene schriftliche Erklärung zum Fastenbrechen am Ende des Ramadan verbreitet.

Zuvor hatte die BBC unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, dass Omar vor zwei oder drei Jahren verstorben sei. «Wir haben die Bestätigung von den pakistanischen Behörden und Taliban-Quellen, dass er vor zwei Jahren an einer Krankheit in Pakistan gestorben ist», sagte der Regierungsvertreter, der nicht namentlich genannt werden wollte. Der Taliban-Führer sei «im Süden des Landes beerdigt worden». Über Twitter meldeten mehrere Quellen, auch der afghanische Präsident Ashraf Ghani habe den Tod von Omar bestätigt. Das trifft aber offenbar nicht zu.

Hingegen sagte ein Vertreter der Taliban, der nicht namentlich genannt werden wollte, Omar sei «nach unseren Informationen tot». Der Sprecher fügte aber hinzu, er habe keine Informationen über die Todesursache und das Datum des Todes. Eine offizielle Erklärung über den Tod Mullah Omars seitens der Taliban-Führung blieb bislang aus. Sie berate derzeit in der pakistanischen Stadt Quetta, hiess es aus Extremistenkreisen am Donnerstag.

Gerücht unter Taliban-Kämpfern

In den vergangenen Monaten verdichteten sich die Gerüchte, dass der Taliban-Chef tot sei. Dies war auch auf den Umstand zurückzuführen, dass es keine neuen Video- oder Audiobotschaften Omars mehr gab. Mitte Juli wurde allerdings eine Omar zugeschriebene schriftliche Erklärung zum Fastenbrechen am Ende des Ramadan verbreitet. Darin erklärte sich der Taliban-Chef indirekt damit einverstanden, mit der Regierung in Kabul Gespräche zu führen. Da die Erklärung zum Fastenbrechen nur schriftlich eingegangen sei, hätten sich die Gerüchte über den Tod Omars in den Reihen der Taliban verbreitet.

Aus pakistanischen Sicherheitskreisen hiess es, die aktuellen Gerüchte vom Tod des Islamisten seien Spekulationen, die offenbar die Friedensgespräche der afghanischen Regierung mit den Taliban stören sollten.

Friedensgespräche torpediert

Sollte sich der Tod Omars bestätigen, würde dies die bereits vor einigen Wochen begonnenen Friedensgespräche zwischen den Taliban und Kabul komplizierter machen. Denn damit verschwände eine Führungsfigur der Taliban, die als zersplittert gelten. «Ob er tot oder lebendig ist, ist wichtig, weil er eine einende Figur für die Taliban ist», sagte ein westlicher Diplomat mit Verbindungen in den Führungskreis der Taliban.

Ein zweites Gespräch ist für die kommenden Tage vorgesehen, vermutlich am Donnerstag oder Freitag in Pakistan. Das Schweigen Mullah Omars hatte zuletzt zur Folge, dass ein Teil der Taliban-Kämpfer zu der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) überlief.

Die afghanische Regierung hatte am 7. Juli Friedensgespräche mit den Taliban bestätigt und dabei noch ausdrücklich Omars Unterstützung gelobt. Der Friedensprozess gilt als eines der wichtigsten Ziele des afghanischen Präsidenten Ashraf Ghani.

Hepatitis oder Tuberkulose?

Zur Todesursache Mullah Omars kursierten vor allem Gerüchte über eine Krankheit. BBC-Multimediajournalist Kawoon Khamoosh twitterte, der Taliban-Chef sei schon vor zwei Jahren einer Hepatitis-B-Erkrankung erlegen.

Laut einer anderen Quelle soll Tuberkulose zum Tod von Mullah Omar geführt haben. Die pakistanische Zeitung «The Express Tribune» beruft sich dabei auf einen ehemaligen Minister der Taliban-Regierung, der anonym bleiben will. Demnach soll der Sohn des Taliban-Chefs die Leiche identifiziert haben. Die afghanischen Taliban kommen laut der Zeitung noch am Mittwoch zusammen, um einen neuen obersten Führer zu bestimmen.

Zurückgezogener Taliban-Chef

Seit dem Sturz der Taliban 2001 durch eine von den USA angeführte Offensive wurde Mullah Omar nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen. Über Omar ist wenig bekannt. Der in Koranschulen erzogene Islamist brach nach dem Einmarsch der sowjetischen Truppen in Afghanistan 1979 seine Studien ab, um sich dem bewaffneten Kampf gegen die Invasoren anzuschliessen. Er wurde Kommandeur einer Mujahedin-Truppe und verlor im Kampf ein Auge.

Nach dem Abzug der Sowjets zehn Jahre später begann er, eine radikale Bewegung aufzubauen, die Taliban. Omar war ein enger Vertrauter des von den USA 2011 getöteten Al-Qaida-Chefs Osama Bin Laden. Nach dem Anschlag auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001, zu dem sich Bin Laden bekannte, fegten die USA mit einer Militärintervention das Taliban-Regime hinweg. Seither bekämpfen die Islamisten die Besatzer und die neu eingesetzten Regierungen mit einem Guerillakrieg.

AFP/AP/sda/rub

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch