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Tanktouristen kurbeln das Benzingeschäft an

Die Auswirkungen des Rentenstreiks in Frankreich sind immer mehr auch in der Schweiz zu spüren. Nicht nur negativ: Grenznahe Tankstellenbetreiber gehören zu den Profiteuren.

Französische Autofahrer willkommen: Tankstelle im grenznahen Lausanne.
Französische Autofahrer willkommen: Tankstelle im grenznahen Lausanne.
Keystone

Zu den Gewinnern der Krise im Frankreich gehören zweifellos die Tankstellenbetreiber im Grenzgebiet zu Frankreich. Denn wegen der durch die Raffineriestreiks ausgelösten Versorgungsengpässe bei Benzin und Diesel tanken immer mehr Franzosen in Deutschland oder Schweiz.

Auf dapd-Anfrage gaben acht Tankstellen im Grossraum Saarbrücken in der Nähe der französischen Grenze Umsatzsteigerungen in einer Grössenordnung zwischen der Hälfte bis zu mehr als dem Doppelten eines normalen Tagesumsatzes an. An etlichen Tankstellen war insbesondere Dieselkraftstoff innerhalb eines Tages ausverkauft. Die Nachbelieferung über Nacht sei jedoch problemlos erfolgt. Der Mangel an Diesel und Superbenzin in Frankreich trieb bislang die Preise an grenznahen Tankstellen noch nicht in die Höhe.

Viele Flugausfälle

Der Streik in Frankreich hat auch Auswirkungen für Schweizer Reisende. Am Flughafen Basel-Mülhausen fielen am Dienstag gemäss einer Sprecherin 14 Flüge von und nach Frankreich aus; dazu kommen zwei Frachtflüge.

Betroffen sind vor allem Pariser Flughäfen, aber auch die Landeplätze von Bordeaux, Nizza und Marseille. Wieviele Passagiere warten oder umbuchen müssen, ist nicht bekannt.

Auch am Flughafen Genf konnten Passagiere nicht abheben. Insgesamt wurden gemäss Flughafensprecher Bertrand Stämpfli elf Flüge gestrichen. Neun davon betreffen die Fluggesellschaft Easy Jet, zwei die Air France.

Spanien und Portugal sind ebenfalls betroffen

Nicht angeflogen werden konnten Paris, Bordeaux, Nizza und Nantes. Zudem sei es wegen des Streiks in Frankreich zu Verspätungen von Flügen nach Portugal und Spanien gekommen, ergänzte der Sprecher.

In Zürich-Kloten mussten allein am Dienstag von zwölf geplanten Swiss-Flügen von und nach Paris vier annulliert werden. Flüge der Air France waren dagegen von den Protesten gegen die Rentenreform nicht betroffen. Ihre vier Flüge von und nach Zürich fanden wie geplant statt.

Unerwünschter Tanktourismus

Ausserplanmässige Zwischenlandungen, bei denen Flugzeuge aus Frankreich hätten aufgetankt werden müssen, gab es in Zürich keine, wie eine Flughafensprecherin auf Anfrage der SDA erklärte.

Der Flughafen Basel-Mülhausen profitiert diesbezüglich gar von seinem binationalen Sonderstatus, wie seine Sprecherin sagte: Beim Treibstoff hat er Zugang zum Schweizer Markt, weshalb kein Mangel herrsche - Tanktourismus wäre aber unerwünscht.

Gleiches gilt für den Flughafen Genf. «Flugzeuge, die aus Frankreich nur zum Tanken hierher fliegen, wollen wir nicht», sagte Sprecher Stämpfli der Nachrichtenagentur SDA.

Die Kerosin-Reserven reichten gegenwärtig für drei Tage. Im Notfall können Kriegsreserven angezapft werden, die für einen Monat genügen müssten. «Wir tanken nur Flugzeuge, die aus Genf wegfliegen oder hier zwischenlanden», ergänzte der Sprecher.

Bahnverbindungen fallen aus

Neben dem Flugverkehr wirken sich die Streiks in Frankreich auch auf die Bahnverbindungen aus. Sämtliche Verbindungen nach Südfrankreich, beispielsweise nach Nizza oder Marseille, müssen bis auf Weiteres gestrichen werden. Das erklärte ein Sprecher der SBB auf Anfrage.

Zwei TGV-Verbindungen pro Tag nach Paris ab Genf fallen aus, in Bern und Lausanne wird jeweils eine Verbindung gestrichen. Ab Zürich über Basel gibt es hingegen keine Probleme. Auf Verzögerungen einstellen muss sich, wer nach Belgien reisen will. Die Verbindungen in diese Richtung seien zu einem grossen Teil eingestellt.

Auch der Nahverkehr in den Regionen Basel und Genf ist vom Streik betroffen. Viele Züge, die über die Grenze nach Frankreich fahren, sind seit einer Woche nicht in Betrieb.

Zunehmend besorgte Anrufe beim TCS

Weil Treibstoff in Frankreich zunehmend knapp wird, gehen in der Einsatzzentrale des Touring Club Schweiz (TCS) «spürbar mehr» Anrufe ein, wie der TCS am Dienstag in einem Communiqué schreibt.

Die Lage sei zwar nicht alarmierend. Trotzdem empfehle der TCS Reisenden, den Tank während der Reise immer wieder aufzufüllen. Es müsse damit gerechnet werden, dass an einigen Tankstellen kein Treibstoff gekauft werden könne. Die Organisation rät Autofahrern zudem, einen Treibstoffkanister von zehn Litern mitzuführen.

SDA/mrs

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