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Tierärzte warnen vor mehr Beissattacken

Nach dem Aus für Hundekurse befürchten Experten mehr Bisse der Vierbeiner. Und die Hundeschulen müssen mit saftigen Einbussen rechnen.

Auf den Hund gekommen: Halter der Vierbeiner müssen keinen obligaten Kurs mehr besuchen. (Archiv)
Auf den Hund gekommen: Halter der Vierbeiner müssen keinen obligaten Kurs mehr besuchen. (Archiv)
Laurent Gilliéron, Keystone

Der Nationalrat hat es am vergangenen Montag dem Ständerat gleichgetan und das Kurs-Obligatorium für Hundehalter abgeschafft. Das mag Besitzer der Vierbeiner erfreuen, für die Hundeschulen in der Schweiz ist dieser Beschluss alles andere als willkommen. Für die landesweit rund 2500 Hundetrainer mit der dafür notwendigen Ausbildung seien die Halterkurse mit einem Kostenpunkt zwischen 120 bis 200 Franken eine wichtige Einnahmequelle gewesen, bemerkt die «Schweiz am Sonntag».

Der sogenannte Sachkundennachweis (SKN) hat den Hundetrainern durchschnittlich zwischen 2000 und 3000 Franken eingebracht, schätzt das Sonntagsblatt. Das ergäbe eine Gesamtsumme von bis zu 750‘000 Franken.

Skepsis beim Fachmann

Rolf Hanimann, Präsident der Vereinigung der Schweizer Kantonstierärzte, zeigt sich enttäuscht über das Ende des Obligatoriums. Denn das Obligatorium habe mitgeholfen, die gesellschaftliche Akzeptanz von Hunden zu verbessern. Hanimann ist skeptisch, ob das Obligatoriums-Aus zum versprochenen Bürokratieabbau führt: «Der Nachweis der Sachkenntnis im Umgang mit Hunden bleibt im Vollzug ein wichtiges Element» – etwa beim Umgang mit als potenziell gefährlich geltenden Hunderassen. Nun bräuchten die 26 Kantone hier eigene Lösungen, äussert er sich in der «Schweiz am Sonntag».

Die Beschlüsse der eidgenössischen Räte könnten aber auch noch andere Auswirkungen als finanzielle Folgen für die Hundeschulen haben. Der «SonntagsBlick» hat die Frage gestellt, ob es die Sicherheit erhöhe, wenn Mensch und Tier einen Kurs besucht haben. Die Umfrage zeige: Trotz der Kurspflicht im Jahr 2008 stieg die Zahl der Meldungen von Hundebissen von 2678 (2007) auf zuletzt 3500, was einer Zunahme von 31 Prozent entspricht. Der Berner Kantonstierarzt Reto Wyss erklärt diesen Fakt im Sonntagsblatt wie folgt: «Dass die Kurspflicht nichts gebracht hat, kann man daraus nicht ablesen.» Hunde seien nicht gefährlicher als früher. «Die Zahl der Meldungen ist wohl vor allem gestiegen, weil die Leute sensibilisiert sind und Vorfälle eher melden.»

Hoffen auf die Freiwilligen

Hanimann ist jedenfalls überzeugt, dass die Kurse sehr wohl einiges gebracht hätten. «Wir müssen nun möglichst viele Leute davon überzeugen, die Kurse freiwillig zu besuchen.» Sonst würde das Wissen um die korrekte Haltung eines Hundes zurückgehen. «Und die Zahl der schweren Zwischenfälle könnte wieder steigen», befürchtet er im «SonntagsBlick».

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