«Wir haben nicht gesagt, dass uns keine Schuld trifft!»

Der Basler Kantonalbank-CEO Hans Rudolf Matter erklärt, wieso er zurücktritt und warum er trotz Negativschlagzeilen von der Zürcher BKB-Filiale überzeugt ist.

Erklären das ASE-Debakel der Basler Kantonalbank: CEO Hans Rudolf Matter und Andreas Albrecht, Präsident des Bankrats.

Erklären das ASE-Debakel der Basler Kantonalbank: CEO Hans Rudolf Matter und Andreas Albrecht, Präsident des Bankrats.

(Bild: Joël Gernet)

Bei der Basler Kantonalbank (BKB) hat nach der missglückten Zusammenarbeit mit dem externen Vermögensverwalter ASE Investment AG (wir berichteten) das grosse Aufräumen begonnen.

Vor den Medien sagte der abtretende BKB CEO Hans Rudolf Matter am Dienstag, dass ihm die Tragweite des Falls ASE erst im März bewusst worden sei, als die BKB wegen eines gefälschten Kontoauszugs Anzeige erstattet hatte gegen den Vermögensverwalter. Nun sind die Ergebnisse der externen Untersuchung daund CEO Matter tritt ab. Im Interview schildert er seine Beweggründe.

Herr Matter, warum treten sie als CEO der BKB zurück?
Die Resultate des Untersuchungsberichtes zeigen, dass einige Kunden durch ASE zu Schaden gekommen sind. Der Bericht hat auch gezeigt, dass die BKB eine gute Organisationsstruktur hat und dass es keinerlei Anzeichen auf strafbare Handlungen unserer Mitarbeiter gibt – das ist für mich sehr wichtig. Aber andererseits wird festgestellt, dass auch bei der Basler Kantonalbank Fehler gemacht wurden bei der direkten Kundenbetreuung in Zürich. Hier wurde zu viel vertraut und zu wenig kontrolliert. Für mich als CEO ist das enttäuschend. Nach reichlicher Überlegung kam ich zum Schluss, dass es ein richtiges Zeichen ist, wenn ich die Führung abgebe. Schliesslich trage ich die Gesamtverantwortung für das operative Geschäft.

Einerseits räumt die BKB eine gewisse Mitverantwortung ein, andererseits betont die Bank, dass man sich nichts zu Schulden habe kommen lassen. Kann man das wirklich so sagen?
Wir haben nicht gesagt, dass uns keine Schuld trifft! Es kam ja zur Sprache, dass Fehler gemacht wurden. Dass man gewisse Anzeichen früher hätte erkennen müssen und dass einzelne Sachen noch intensiver und von unabhängiger Stelle hätten abgeklärt werden müssen. Diese Fehler sind passiert – das hängt alles auch mit dem Vertrauen zusammen, dass ich den Mitarbeitern gegenüber hatte.

Was erschüttert sie am meisten im Fall ASE?
Ich bedaure die Kunden, die durch ASE zu Schaden gekommen sind. Mich erschüttert auch mit welcher – womöglich gar krimineller – Energie der externe Vermögensverwalter Kunden, die Bank und die Behörden getäuscht hat.

Hätte man die Machenschaften der ASE nicht schon früher extern untersuchen lassen müssen? Schliesslich gab es ja schon vor der Anzeige der BKB gegen die ASE im März 2012 Anzeichen, dass nicht alles korrekt läuft.
Rückblickend, das sage ich immer wieder, hätte man vieles anders machen können! Aber wenn man nur ein einzelnes Puzzle-Steinchen sieht und dies dann etwa als kredittechnisches Problem interpretiert, dann hat man das heute bekannte Risiko nicht auf dem Radar. Wenn man jetzt die Auslegeordnung betrachtet, sieht das natürlich alles anders aus. Wir hätten genauer hinterfragen müssen wie das Geschäftsmodell der ASE funktioniert – dort hätte man intensiver nachhaken sollen. Ob die Fälschungen damit aber tatsächlich entdeckt worden wären, weiss ich nicht.

War es falsch, dass die Basler Kantonalbank 1997 den Schritt nach Zürich gemacht hat?
Die BKB war die erste Bank, die ausserhalb ihres Kantons in Zürich eine eigene Private-Banking-Filiale eröffnet hat – damals noch unter meinem Vorgänger. Das war ein guter Entscheid. Wir konnten ein sehr erfolgreiches Team der ehemaligen Schweizerischen Volksbank (heute CS, Anm. d. Red.) übernehmen, auf dessen Entwicklung viele andere neidisch waren. Die nun vorliegenden Ergebnisse sind unerfreulich – aber wir haben die nötigen Konsequenzen getroffen. Solche Korrekturen sind wichtig. Ich glaube, heute sind wir gut aufgestellt.

Wir reden jetzt vom Fall ASE. Aber die Zürcher BKB-Filiale stand auch bereits wegen ihrem Private-Banking-Geschäft mit US-Kunden in der Kritik…
In diesem Zusammenhang trennen wir uns von sämtlichen Kunden mit Domizil USA. Der Prozess ist nahezu abgeschlossen. Im Weiteren hat sich die BKB einer uneingeschränkten Weissgeldstrategie verpflichtet.

Wo lag das Problem? Hatte man zu wenig Kontrolle über den Zürcher BKB-Ableger?
Nein. Zürich ist das Zentrum des Finanzplatzes und die Veränderungen und Verschiebungen der US-Kunden fanden dort statt. Nicht in Basel oder sonst wo. Ich habe schon mehrmals gesagt, dass wir dort kein aussergewöhnliches Geschäftsmodell hatten. Wir betreuten amerikanische Kunden wie andere Ausländer – und das seit Jahren. Im Gegensatz zu anderen Banken haben wir diese aber nicht aktiv in den USA akquiriert. Die Vorwürfe aus heutiger Optik muss man mit der Perspektive von damals betrachten. Andere Banken gingen genau gleich vor.

Die Kunden der ASE, deren Geld bei der BKB deponiert wurde, haben über 100 Millionen Franken verloren. Die Basler Kantonalbank hat angekündigt, dass sie sich gegenüber den Geschädigten kulant zeigt und sich am Schaden beteiligt. Hat dies Auswirkungen auf die Basler Steuerzahler, die die BKB ja mittragen?
Nein. Allfällige Vergleichszahlungen werden wir aus der Reserve für allgemeine Bankrisiken bezahlen. Auf das Geschäftsergebnis 2012 hat dieser Fall keinen Einfluss.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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