Ungeimpft kann teuer werden

Wie die Universität schicken auch Zürcher Schulen und Horte Ungeimpfte während einer Masernepidemie nach Hause. Für die Eltern geht das ins Geld.

Hochansteckend: Ein Kind ist an Masern erkrankt.

Hochansteckend: Ein Kind ist an Masern erkrankt.

(Bild: Keystone)

Tina Fassbind@tagesanzeiger

An der Universität Zürich in Oerlikon sind zwei Studenten an Masern erkrankt. Sollten weitere Krankheitsfälle auftreten, würde nur noch immunen Personen Zutritt zur Uni gewährt. Ungeschützte Personen – also all jene, die weder geimpft sind noch die Krankheit bereits überstanden haben – müssten der Universität während 21 Tagen fernbleiben.

Diese Massnahme könnte auch an allen Stadtzürcher Schulen, Kindergärten und Horten zur Anwendung kommen: Sollte in einer Klasse ein Masernfall auftreten, würde der Schulärztliche Dienst den Impfstatus bei den Mitschülerinnen und Mitschülern sowie bei der Lehrperson überprüfen. «Den Ungeimpften wird empfohlen, sich innerhalb von 72 Stunden impfen zu lassen. Ohne Impfung werden sie ebenfalls bis zu 21 Tagen von der Schule ausgeschlossen», sagt Andrea-Seraina Bauschatz, Leiterin des Schulärztlichen Dienstes der Stadt Zürich. Dieses Vorgehen ist in den kantonalen Richtlinien vorgegeben.

Arbeitgeber muss keinen Lohn zahlen

Das hat vor allem für berufstätige Eltern Konsequenzen. Um ein krankes Kind zu versorgen, können sie zwar laut Gesetz ohne Lohneinbusse bis zu drei Tage der Arbeit fernbleiben, wenn ein entsprechendes Arztzeugnis vorliegt. Auch wenn sich die Krankheit des Kindes länger hinzieht, ist eine Lohnfortzahlung im gleichen Umfang vorgeschrieben wie beim Krankheitsfall eines nicht versicherten Arbeitnehmers. Allerdings sind die Zahlungen je nach Region und Länge des Arbeitsverhältnisses befristet.

Ins Geld geht es, wenn das Kind nicht krank ist, aber trotzdem von den berufstätigen Eltern betreut werden muss. Dann liegt kein Fall von persönlicher Arbeitsverhinderung vor – es gibt also keine Gründe, die das Fernbleiben einer Person von der Arbeit rechtfertigen. Der Arbeitgeber ist in einem solchen Fall während der 21 Tage, in welcher das Kind von der Schule ausgeschlossen ist, nicht zur Lohnfortzahlung verpflichtet.

Die auf Arbeitsrecht spezialisierte Anwältin Regula Bärtschi weist auf einen Fall hin, der sich während der Schweinegrippeepidemie zutrug. Damals musste eine Kinderkrippe in der Stadt Zürich geschlossen werden. «Die Mutter eines gesunden Kindes musste deshalb selbst die Kinderbetreuung übernehmen und der Arbeit fernbleiben. Das Arbeitsgericht Zürich verneinte einen Lohnfortzahlungsanspruch, weil es der Ansicht war, dass eine seuchenähnliche Situation vorlag, von der viele Personen betroffen waren, und keine persönliche Arbeitsverhinderung.»

In der Stadt Zürich existieren keine Statistiken darüber, wie oft es solche Betreuungs- oder Schulausschlüsse gab. Andrea-Seraina Bauschatz kann sich allerdings nur an einen Fall erinnern, bei dem ein Kind aufgrund einer Masernepidemie in den vergangenen rund vier Jahren vom Unterricht ausgeschlossen werden musste.

Masernfälle nehmen zu

Die Leiterin des Schulärztlichen Dienstes weist jedoch darauf hin, dass die Masernfälle im Vergleich zum Vorjahr zugenommen haben. Sie bezieht sich dabei auf die wöchentliche Statistik des Bundesamts für Gesundheit BAG, in der die gesamtschweizerischen Daten der vergangenen 52 Wochen verglichen werden. Darin werden schweizweit 108 Masernfälle in den letzten zwölf Monaten ausgewiesen, in den zwölf Monaten davor 66, ein Jahr davor 114.

Der Bund und die Eidgenössische Kommission für Impffragen empfehlen daher die Masernimpfung bereits im Kleinkindalter. «An Zürcher Schulen wird im Rahmen der Schulärztlichen Vorsorgeuntersuchung der Impfstatus im Kindergarten, in der 5. und 8. Klasse überprüft. Ist ein Kind nicht geimpft, kann es die Impfung auch beim Schulärztlichen Dienst vornehmen lassen», sagt Bauschatz.

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