Verkauft Maurer die falschen Militäranlagen?

Hintergrund

8000 Bunker, Festungen und Zeughäuser will Ueli Maurer verkaufen. Leider die falschen, moniert CVP-Chef Christoph Darbellay. Statt auf dem Land aufzuräumen, solle er in den Städten Platz für Wohnraum schaffen.

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Hubert Mooser@bazonline

Das Verteidigungsdepartement möchte 8000 Gebäude loswerden, um Betriebskosten zu sparen. CVP-Präsident Christoph Darbellay kritisiert jetzt, dass Verteidigungsminister Ueli Maurer die falschen Objekte zum Verkauf anbiete. «Statt der Bunker und Zeughäuser auf dem Land soll er Kasernen und andere militärische Anlagen in den Städten verkaufen oder im Baurecht abgeben», fordert Darbellay, «und so Platz schaffen zum Bau von Wohnraum in den Stadtzentren.» Dass das VBS in Bern und anderen Städten wie Genf oder Freiburg «an beste Lagen» Betriebe habe, sei «nicht mehr zeitgemäss».

Würden Liegenschaften im Baurecht abgegeben, würden die Grundstücke nach 100 Jahren wieder dem Bund zufallen. Darbellay verweist dazu auch auf eine Motion von CVP-Vizepräsidentin Ida Glanzmann. Sie verlangte in ihrem politisch breit abgestützten Vorstoss die Schliessung von militärischen Anlagen in den Stadtzentren.

Heute baut man anders

In zahlreichen Städten und Agglomerationen stünden militärische Anlagen, die man heute weder aus militärischer noch aus raumplanerischer Sicht dort bauen würde, so Glanzmann in ihrer Begründung. Eine Umnutzung dieser Liegenschaften für Wohnraum, Gewerbe oder Bildungs- und Forschungszentren entspräche ihrer Meinung nach den Zielen der heutigen Raumplanung für ein verdichtetes Bauen in den Städten. Glanzmanns Vorschlag findet Anklang in Bern, Freiburg oder Genf, wie die Zeitung «Schweiz am Sonntag» kürzlich berichtete.

Auf dem Land soll Maurer die Schliessung militärischer Anlagen dagegen vermeiden – weil die damit verbundenen Arbeitsplätze meist schwer zu ersetzen sind. Glanzmann stützt ihren Vorstoss auf Pläne des VBS, wonach der Immobilienbestand der Armee von heute 20 Milliarden Franken auf 10 Milliarden Franken halbieren werden soll. Welche Immobilien oder Waffenplätze Ueli Maurer loswerden will, hat er bisher nicht verraten. Darüber Aufschluss geben soll das neue Stationierungskonzept des Verteidigungsministers, dass auf Ende Jahr vorliegen soll.

Militärgeschichte unter dem Hammer

In seinem Bericht zur Weiterentwicklung der Armee sprach Maurer zwar von der Schliessung von Waffenplätzen und wollte die betroffenen Standorte konkret benennen. Stattdessen kündigte das VBS am Donnerstag die Versteigerungen von ungefähr 1300 Zeughäusern oder Betriebsbauten sowie von rund 6300 Kleinbunker und 100 Festungen an. Unter den Hammer kommen sollen auch Baracken, Tankanlagen, Munitionsdepots, Panzersperren, Unterstände, Seilbahnen, Strassen und Brücken.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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