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«Vieles hängt von der SVP ab»

Der am Wochenende gewählte BDP-Präsident Hans Grunder widerspricht allen Skeptikern. Er ist überzeugt, das die neue Partei in den nächsten Wahlen auf Anhieb Fraktionsstärke erreicht. Das sei ein bescheidenes Ziel.

Herr Grunder, Sie sind nun Präsident einer nationalen Partei, Unternehmer, Nationalrat, Pferdezüchter und Vater einer Grossfamilie. Ist das nicht ein bisschen viel? Hans Grunder: Ja, das ist viel. Das ist auch der Grund dafür, dass ich relativ lange brauchte, bis ich zusagen konnte, das Amt des Parteipräsidenten auch noch zu übernehmen. Das wurde nur möglich, weil es mir jetzt gelungen ist, die operative Leitung meiner Firma zu verstärken. Das entlastet mich ein bisschen.

Fürchten Sie nicht um Ihre Gesundheit? Um diese stand es ja schon einmal schlecht. Seit dem Eingriff am Herz vor anderthalb Jahren geht es mir wieder gut. Aber was die Zukunft in Sachen Gesundheit bringt, ist natürlich immer schwer zu sagen.

Die Partei schenkte Ihnen nach der Wahl am Samstag einen Riesenspitzbuben. Was wollten Ihre Kollegen Ihnen damit sagen? (lacht) Was soll ich sagen. Einerseits ist das ja schon fast ein wenig das Markenzeichen unserer Partei. Auf dem Biskuit war ja das Logo der BDP ausgearbeitet zu einem Spitzbubengesicht. Andererseits wollte die Partei mir wohl sagen, dass ich meine Aufgabe mit Humor nehmen solle.

Ist die BDP denn eine Spitzbubenpartei? (lacht wieder) Ja, die BDP ist eine Spitzbubenpartei. Das kann man durchaus so sehen.

Warum haben Sie als Bundeshausneuling überhaupt die Mühe auf sich genommen, eine neue nationale Partei zu gründen? Das ist eine gute Frage. Ich kann dazu nur sagen:?Es ergab sich einfach so. Jedenfalls war es ganz sicher nicht meine Strategie, eine neue Partei zu gründen, als ich letztes Jahr als Nationalrat ins Bundeshaus einzog.

Welches konkrete Ereignis hat Sie schliesslich dazu bewogen? Ausschlaggebend war ganz eindeutig das Verhalten der SVP-Parteileitung nach den Bundesratswahlen. Es war ihre diktatorische Haltung gegenüber den Fraktionsmitgliedern. Plötzlich hat die Parteileitung sogar gesagt, wer nicht spure, werde ausgeschlossen. Ich begann mich zu wehren. In solchen Situationen kann ich nicht anders, als mich auflehnen. Das ist mein Naturell. Das Fass zum Überlaufen brachte schliesslich der Ausschluss der Bündner SVP. Die Gründung der BDP ergab sich als eine Art Konsequenz aus meiner Auflehnung.

Sie kündigten schon mehrmals an, dass die BDP bald Fraktionsstärke haben könnte. Bisher blieb es bei den Ankündigungen. Zurzeit hat die Partei wirklich sehr gute Gründe, zu hoffen.

Wovon hängt es denn ab, ob ein fünfter Nationalrat zur BDP stösst, welcher der Partei zu Fraktionsstärke verhilft? Ich will dazu im Moment nichts sagen. Das Thema ist für mich so extrem wichtig, ich will nichts riskieren.

Sie sagten kürzlich, die Chancen lägen bei über 50 Prozent, dass sie «den fünften Mann» bald haben. Ja, das stimmt. Die Chancen, dass wir bis im Dezember einen fünften Nationalrat in der Partei haben, liegen sogar deutlich höher als fünfzig Prozent. Ich habe konkreten Anlass dies zu sagen.

Und wie stehen die Chancen um Ihr Glarner Mitglied Landolt? Landolt ist ein weiterer Joker. Ich hoffe, dass er im Februar als Nachfolger des zurücktretenden Glarner Nationalrats Werner Marti kandidiert. Nach einem weiteren Gespräch mit ihm am Wochenende bin ich sehr zuversichtlich, dass er kandidiert.

Wie gross schätzen Sie seine Chancen ein, dass er dann auch gewählt wird? Ich kenne die Verhältnisse im Kanton Glarus zu wenig. Aber ich liess mir sagen, dass seine Chancen sehr hoch sind. Er war ja einmal Landratspräsident. Vieles hängt nun davon ab, ob die FDP ihn unterstützt. Es gibt entsprechende Signale.

Trotz ihres sprühenden Optimismus: Die Chancen, dass die BDP sich auf nationalem Niveau halten kann, sind klein, oder? Ich glaube selbstverständlich an die Zukunft der BDP.

Wie wird denn die Partei Ihrer Meinung nach bei den nächsten Wahlen abschneiden? Wir haben ein bescheidenes Ziel. Wir hoffen, dass die BDP bei den nächsten nationalen Wahlen auf Anhieb aus eigener Kraft Fraktionsstärke erreicht. Dazu braucht es einen Wähleranteil von rund fünf Prozent.

Politologen bezeichnen dieses Ziel eher als utopisch, denn als bescheiden. Vielleicht werden wir dieses Ziel in der nächsten Zeit sogar noch ein bisschen nach oben korrigieren. Allerdings verhehle ich nicht, dass vieles davon abhängt, was die SVP nun tut. Wenn es aber so weiter geht mit ihr wie in den letzten Monaten, sieht es gut aus für uns.

Experten sagen, die BDP habe geringe Chancen, sich als ernst zu nehmende Partei auf nationalem Niveau zu etablieren. Politologen messen die Parteien normalerweise an der Zahl ihrer Mitglieder. Diese Überlegung ist im Bezug auf die BDP falsch. In diesem Punkt sind wir ein Sonderfall. Dies einerseits, weil wir zwei Bundesräte haben. Dank ihnen können wir national ganz anders auftreten, als dies eine kleine Partei im Normalfall kann. Andererseits haben wir zwei ganz starke Zellen im Kanton Bern und Kanton Graubünden. Nun auch in Glarus.

Wie viele BDP-Kantonalsektionen wird es in vier Jahren geben? Ich schätze acht bis zehn.

Hat die BDP in vier Jahren noch ein Mitglied im Bundesrat? Ja, sofern Eveline Widmer-Schlumpf bis dahin die Freude an ihrem Amt nicht verloren hat, werden wir in vier Jahren noch eine Bundesrätin haben.

Sie glauben tatsächlich, dass es nur von der Motivation der Bundesrätin abhängt, ob sie ihre Wiederwahl schafft? Sie leistet hervorragende Arbeit. Das anerkennen die anderen Parteien. Und: Sie werden sich daran erinnern, dass sie mitgeholfen haben, Frau Widmer-Schlumpf damals zu wählen.

Der Raum zwischen FDP und SVP ist aber für die BDP sehr klein. Das stimmt. Aber unser Vorteil ist, dass FDP und SVP eine Schnittmenge haben. Dort können wir Wähler holen.

Ihre Bemühungen sind gross, sich von der SVP abzugrenzen. Aber gibt es tatsächlich wesentliche Unterschiede? Ja, ein sehr augenfälliger Unterschied liegt bei der Aussenpolitik respektive bei der Personenfreizügigkeit. In dieser Sache haben wir eine ganz andere Haltung als die SVP – eine wirtschaftsfreundlichere. Auch in der Bildungs- und Gesellschaftspolitik sind wir anders. Im Gegensatz zur SVP sind wir für das Bildungsprojekt HarmoS. Und: Im Gegensatz zur SVP haben wir nicht das Motto «Die Frau gehört zurück an den Herd». Wir unterstützen moderne Formen des Familienlebens.

Kaum abgegrenzt haben Sie sich hingegen zur FDP. Das stimmt.

Weil es kaum nennenswerte Unterschiede gibt? Es war einfach schlicht noch kein Thema bis jetzt. Aber auch hier gibt es Unterschiede.

Zum Beispiel? Bezüglich Privatisierung des Volkschulwesens. Die BDP ist gegen eine Privatisierung der Volksschule. Mischa Aebi

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