Warum Girod seine Offroader-Initiative sausen liess

Der Vater der Offroader-Initiative, Bastien Girod, wirft sein Kind über Bord. Ist die Zeit der Polit-Rebellion vorbei? Und, verliert er nun seinen Nationalratsposten? Der Grüne wehrt sich im Interview.

Sieht beim Thema Offroader nicht mehr so rot: Bastien Girod.

Sieht beim Thema Offroader nicht mehr so rot: Bastien Girod.

(Bild: Beatrice Devenes)

Matthias Chapman@matthiaschapman

Herr Girod, Sie gelten als Mister Offroader-Initiative. Jetzt werfen Sie ihr Kind über Bord. Da machen Sie einen Grossteil ihrer Anhänger- und Wählerschaft wütend.Wir haben mit dieser Offroader-Initiative sehr viel erreicht ...

... was genau? Mit dem Gegenvorschlag werden ineffiziente Offroader viel teurer und die CO2-Emissionen der Neuwagen müssen bis 2015 um 20 Prozent abnehmen.

Reicht das für einen Rückzug? Immerhin sind Sie angetreten, die Offroader von den Schweizer Strassen zu verbannen. Klar, wir wollten etwas für den Klimaschutz tun und gleichzeitig auch die Sicherheit auf den Strassen verbessern, wo die Offroader eine Gefahr darstellen.

Diesen zweiten Punkt lassen Sie nun sausen. Ja, hier müssen wir leider Abstriche machen. Allerdings versprechen wir uns eine indirekte Wirkung vom Gegenvorschlag. Mit der Lenkungsabgabe werden Offroader so teuer, dass sie weniger gekauft werden. Und das Thema ist ja nicht vom Tisch. Bundesrätin Doris Leuthard hat versprochen im Programm Via Sicura die Defizite bezüglich Verkehrssicherheit anzugehen.

Ist der Politik-Rebell Girod mit dem Rückzug der Offroader-Initiative in den Niederungen des vernünftigen, kalkulierenden und braven Politalltags angekommen? Der Rückzug zeigt, dass ich kein Polit-Hitzkopf bin, aber ich politisiere immer noch mit viel Herzblut.

Früher brachten Sie «Sie sind ein Klimasünder»-Kleber an Offroader-Autos an. Sie waren ein Polit-Rebell. Als Nationalrat bin ich etwas zurückhaltender. Ich habe heute auch andere Möglichkeiten. Damals war es aber genau das richtige Mittel, um die Diskussion anzuheizen.

Ein Abstimmungskampf zur Offroader-Initiative wäre hart geworden. Ist Ihnen die Luft ausgegangen? Nein, ich hätte enorm Lust und Energie für einen Abstimmungskampf zu diesem Thema. Aber nach intensiven Diskussionen haben wir uns gesagt: Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Und es besteht ja auch anderswo noch grosser Handlungsbedarf.

Aber Sie hätten so mit einem im links-grünen Lager populären Thema nochmals richtig Wahlkampf machen können. Rein wahlkampftechnisch wäre eine Abstimmung zur Offroader-Initiative besser gewesen. Aber wir haben hier einen Etappenerfolg erreicht. Nun müssen die Grünen ihre Energie vorerst für die zwei neu gestarteten Volksinitiativen einsetzen. Eine für den Atomausstieg und eine zweite für eine grüne Wirtschaft. Ab August werde ich dafür so viel wie möglich auf der Strasse anzutreffen sein, um mit den Leuten zu reden und Unterschriften zu sammeln.

Von Ihren Offroader-Initiative-Freunden wurden Sie für den Rückzug sicher kritisiert. Vor zwei Wochen hatten wir eine Sitzung mit der Basis der Jungen Grünen. Zuerst war man dagegen. Ich musste also einige Leute überzeugen. Aber bei der Basis war auch klar, dass ich ja einer derjenigen war, der am meisten auf der Strasse Unterschriften gesammelt hat. Also mir selber müsste es ja am meisten wehtun.

Was war der Hauptkritikpunkt gegen einen Rückzug? Klar die unerfüllte Forderung nach Verbesserung der Verkehrsicherheit.

Sie schafften mit der Offroader-Initiative den Sprung in den Nationalrat. Haben Sie keine Angst, das Mandat nun wieder zu verlieren? Es geht mir um die Sache und nicht um Populismus – was uns im Übrigen ja auch von gewissen anderen Parteien unterscheidet. Die Jungen Grünen haben mit der Offroader-Initiative eine Herkulesaufgabe geleistet. Ich werde mich nun dafür einsetzen, dass es auch die «alten» Grünen schaffen ihre zwei Volksinitiativen zustande zu bringen. Ich bin sicher, meine Wähler können dies nachvollziehen.

Ist das letzte Wort zur Offroader-Initiative nun gesprochen? Das kommt auf die Offroader-Verkäufer an. Sollten sie das Referendum gegen das Gesetz ergreifen, wird das Kriegsbeil wieder ausgraben.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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