Zu viele sind nicht geimpft

Schon wieder ein Masernausbruch in der Schweiz. Betroffen sind meist die Ungeimpften. Um die Viren zu eliminieren, muss die Impfquote steigen.

Masern sind keine reine Kinderkrankheit. Auch ungeimpfte Erwachsene können daran erkranken. Foto: Keystone

Masern sind keine reine Kinderkrankheit. Auch ungeimpfte Erwachsene können daran erkranken. Foto: Keystone

Anke Fossgreen@Tamedia

Eine Maserninfektion wünscht man niemandem: Fieber, Schnupfen, Husten, Entzündungen der Ohren, der Lunge oder im schlimmsten Fall des Gehirns. Masern sind keine Kinderkrankheit. Sie können in jedem Alter auftreten, und harmlos sind sie nicht. Bei jedem zehnten Patient verläuft die Infektion schwer. Pro 3000 gemeldeten Fällen stirbt ein Mensch an Masern – in Europa.

Die gute Nachricht: Es gibt eine wirksame Impfung, und die meisten Menschen in der Schweiz nehmen den Schutz für sich und ihre Kinder in Anspruch. Dennoch treten immer wieder Masernausbrüche auf – derzeit gibt es über 70 Kranke, hauptsächlich im Kanton Bern. Laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) litten im Januar und Februar 50 Personen in der Schweiz an Masern, im Jahr zuvor waren es im gleichen Zeitraum 12 Menschen. Einen dramatischen Ausbruch mit Fallzahlen von jeweils um die 1000 Betroffenen wie in den Jahren 2007 bis 2009 befürchten die Experten jedoch nicht. Heute ist die Durchimpfungsrate besser. Klar ist, dass die allermeisten der Betroffenen nicht oder nur unvollständig geimpft waren. Es sind zwei Impfdosen nötig, um einen lebenslangen Schutz gegen Masern zu erhalten.

Die Krankheit durch eine Impfungvon sich selbst und den eigenen Kindern abzuwenden, ist das eine. Weiter gehend ist das Ziel der Welt­gesundheitsorganisation (WHO), die Masern in Europa zu eliminieren. Das heisst, die Bevölkerung so zu schützen, dass Masernausbrüche nicht mehr auftreten oder lokal bleiben und schnell zum Erliegen kommen. Dazu müssten 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sein.

Dennoch dürfen die Anstrengungen nicht nachlassen, immer wieder die Eltern zu informieren, wie wichtig Impfungen sind.

Hierzulande ist man auf gutem Weg. Die letzte Umfrage, die den Zeitraum von 2014 bis 2016 umfasste, zeigte, dass 8- und 16-Jährige zu 92 beziehungsweise 93 Prozent geimpft sind. Bei Zweijährigen liegt die Quote zwar nur bei 87 Prozent. Viele von ihnen werden aber wenige Monaten später geimpft werden, davon geht das BAG aus und ist nicht besorgt.

Dennoch dürfen die Anstrengungen nicht nachlassen, immer wieder die Eltern zu informieren, wie wichtig Impfungen sind. Weltweit steigt nämlich die Zahl der Masernerkrankungen – in den letzten Jahren um 30 Prozent, schreibt die WHO in einem Bericht vom Jahresanfang. Eine beängstigende Entwicklung. Und so zählen die WHO-Verantwortlichen unter den zehn grössten Bedrohungen der Weltgesundheit neben «dem Klimawandel und der Luftverschmutzung» und «antibiotikaresistenten Keimen» auch die «Unschlüssigkeit zu impfen».

Die Impfkritiker machten lautstark mobil

Wie kann es also gelingen, die Unschlüssigen ins Boot zu holen? Soll man ihnen die Entscheidung durch eine Impfpflicht abnehmen? Der Schuss kann nach hinten losgehen. Eine Impfpflicht hatte beispielsweise die italienische Regierung 2017 eingeführt, nach einem Masernausbruch mit über 3000 Erkrankten und drei Toten. Die Impfkritiker machten lautstark mobil. Die jetzige Regierung hat das Obligatorium gelockert.

Wichtiger ist, Eltern mit einfach verständlichen, wissenschaftlichen Fakten zu versorgen. Zum Beispiel im ausführlichen Gespräch beim Kinderarzt oder spätestens beim Elternabend in der Schule. Und ja, besonders im Internet wäre es dringend nötig, wenn statt der Verschwörungstheorien zum Thema Impfen zuerst die Fakten aufpoppen würden.

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