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Thiam ist an vielen Fronten gefordert

Ein Milliardenverlust, offene Fragen zum Börsengang der Schweiz-Tochter und ein­ Stellenabbau. CS-Chef Tidjane Thiam ist unter Druck und steht vor einem schweren Entscheid.

Fotoscheu: CS-Chef Tidjane Thiam liess sich am Dienstag nur vor der Medienkonferenz fotografieren.
Fotoscheu: CS-Chef Tidjane Thiam liess sich am Dienstag nur vor der Medienkonferenz fotografieren.
Keystone

Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam ist angespannt. So beurteilt es offenbar sein Medienteam. Das Klicken der Fotoapparate während der Präsentation der Jahresergebnisse könnte ihn stören, vermutete Medienchef Christoph Meier. Und verbot kurzerhand Bildaufnahmen während der Medienkonferenz. Nur vor deren Beginn waren Fotografen zugelassen.

Riesenverlust wegen Busse

Ein Grund für die Angespanntheit von Thiam ist das schlechte Jahresergebnis. Die Bank weist für das vergangene Jahr einen Verlust von 2,4 Milliarden Franken aus. Dieser entstand wegen eines Bussgeldes und einer Entschädigungszahlung von insgesamt 5,3 Milliarden Dollar, welche die Credit Suisse zur Beilegung des Hypothekenstreits in den USA bezahlen musste.

Die Bank hatte vor der ­Finanzkrise qualitativ schlechte Hypothekenpapiere an Kunden verkauft. Dies im ­Wissen darum, dass es um die Zahlungsfähigkeit der Hausbesitzer schlecht stand.

Um zu zeigen, wie die Bank ­ohne Sonderkosten dastehen würde, weist sie den bereinigten Vorsteuergewinn aus. Dieser beläuft sich auf 615 Millionen Franken und liegt deutlich unter dem Vorjahreswert von 2,1 Milliarden Franken.

Das sind Zahlen, die ­zeigen, dass bei der neu auf­gestellten CS die Bäume nicht in den Himmel wachsen. CS-Chef Thiam hat das ertrags-, aber auch risikoreiche Investmentbanking stark zurückgefahren. Er will vor allem im Private Banking in Asien wachsen. Doch hier sind die Renditen kleiner.

Die heisse Frage

Immerhin durften an der ­Medienkonferenz Journalisten teilnehmen. Und Fragen stellen. Am meisten interessierte dabei das Thema des Börsengangs der Schweiz-Tochter der Credit ­Suisse. Der Plan der CS sieht vor, dass sie rund 30 Prozent der ­Aktien in der zweiten Jahreshälfte 2017 an die Börse bringt.

Doch in jüngster Zeit waren Zweifel aufgetaucht, ob die Bank an diesem Plan festhält: «Wir arbeiten wie geplant an den Vorbereitungen des Börsengangs», betonte Thiam. Das ist mit viel Arbeit ­verbunden. So muss die Bank beispielsweise errechnen, wie die Geschäftszahlen der Schweiz-Tochter in den vergangenen drei Jahren ausgesehen hätten.

Thiam liess sich aber ein Hintertürchen für einen Abbruch der Übung offen: «Wir schauen immer am Horizont, ob es eine bessere Lösung gibt», sagte er. Der Hintergrund: Die CS hatte die Idee einer Abspaltung der Schweiz-Tochter aus der Not ­heraus geboren: «Unsere Kapitalsituation war vor achtzehn Monaten ein grosses Thema», sagte Tidjane Thiam. Der Bank habe damals einen Bedarf an 9 bis 11 Milliarden Franken an Eigenkapital gehabt und sei im europäischen Quervergleich schlecht dagestanden.

Wir schauen immer am Horizont, ob es eine bessere Lösung gibt.

CS-Chef Tidjane Thiam

Dies sei heute nicht mehr der Fall. So haben eine Kapitalerhöhung 6 Milliarden Franken und weitere Massnahmen eine Milliarde an Eigenkapital eingebracht. Die Credit-Suisse-Spitze ­erhofft sich vom Verkauf eines Anteils von 30 Prozent an der Schweiz-Tochter einen Erlös von gut 2 Milliarden Franken.

Im Jahresabschluss 2016 sind die Eckdaten der künftigen Schweiz-Tochter ausgewiesen. Sie hat im vergangenen Jahr bei Erträgen von 5,7 Milliarden Franken und einem Vorsteuer­gewinn von rund 2,0 Milliarden hochprofitabel gearbeitet.

Stellenabbau geht weiter

Schliesslich ist das noch nicht abgeschlossene Sparprogramm ein weiterer Grund für die Anspannung des CS-Chefs. Er will auch in diesem Jahr auf die Kostenbremse treten. Im vergangenen Jahr hat die Bank 5500 Stellen abgebaut. ­Dabei traf es jedoch vor allem ­externe Mitarbeiter, denen die Credit Suisse gekündigt hat. Der ­Bestand der CS-Mitarbeiter sank dagegen nur um 1000 auf 47'170.

In diesem Jahr will Tidjane ­Thiam nochmals 5500 Stellen ­abbauen. Erneut soll es vor allem externe Mitarbeiter treffen. Der Standort Schweiz wird davon nicht zusätzlich berührt. Es bleibt beim bereits angekündigten ­Abbau von 1600 Stellen bis 2018.

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