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Bunter SportSelbst harte Kerle tragen nun Pink

Rosa galt im Männersport über Jahrzehnte als Farbe für Schwächlinge und Frauen. Mittlerweile hat sich Pink gar in der Formel 1 etabliert. Ursprünglich ist Rosa die bedeutendste Bubenfarbe.

Als GC mit Toko noch in Rosa spielte, zumindest auswärts in der Saison 2012/13.
Als GC mit Toko noch in Rosa spielte, zumindest auswärts in der Saison 2012/13.
Keystone

Man kann nicht behaupten, dass der durchschnittliche GC-Fan besonders erfreut war, als die Grasshoppers ihr rosafarbenes Auswärtstrikot für die Saison 2012/13 vorstellten. Rasch klang das nämlich wie folgt: «So was würde ich nicht mal im Bett tragen. Meine Nachbarn würden mich auslachen, wenn ich solche Wäsche zum Trocknen raushängen würde», empörte sich ein W. B. Und eine H. L. wusste: «90 Prozent der Frauen lieben Männer nicht, die Rosa tragen. Erstaunlicherweise mögen 90 Prozent der Männer, die Rosa tragen, Frauen nicht besonders.»

Die Grasshoppers als Trendfarbensetzer

Zwei klassische Klischees klingen da durch: 1. Rosa, so legt der gesellschaftliche Konsens fest, ist eine Frauenfarbe. 2. Wenn Pink von Männern getragen wird, sind sie schwul.

GC gewann in jener Saison immerhin den Cup, schien also sportlich wenig an der Farbwahl zu leiden. Und auch das Rosa-Bashing täuschte: Das Trikot verkaufte sich so gut, dass der damalige GC-Kommunikationschef Adrian Fetscherin feststellte: «Offenbar liegt die Farbe im Trend.»

Seither hat Pink im Männersport rasant an Bedeutung zugelegt, weil der Sport letztlich sehr opportunistisch funktioniert. Wenn beispielsweise wie beim Formel-1-Stall Racing Point der Hauptsponsor nun einmal die Farbe Rosa prominent verwendet, werden halt auch die Boliden oder Anzüge der Fahrer in diesem Sport für harte Kerle im scheinbaren Frauenton gehalten. Und einen Sturm im Wassergläschen wie noch bei den Fussballern von GC gab es rund um Racing Point auch keinen mehr.

Sogar die Formel 1  wird pinker, zumindest das Team Racing Point.
Sogar die Formel 1 wird pinker, zumindest das Team Racing Point.
Reuters

Zumal Rosa im Männersport eine lange Tradition aufweist, gerade in Italien, wo sich selbst ältere Herren seit Jahrzehnten so selbstverständlich farbig kleiden, dass sich Gleichaltrige in nördlicheren Gefilden schlicht die Augen reiben. Juventus Turin lief ab Gründungsjahr 1897 bis 1903 in Rosa auf, Palermo tut es seit 1907. Und viele Sportleser wissen: Die «Gazzetta dello Sport» erscheint in Rosa, wurde in den ersten Jahren allerdings in Lindgrün gedruckt, ehe man auf das billigere helle Pink wechselte und damit als Organisator der Italien-Rundfahrt die «Maglia rosa» vorwegnahm.

Wenn der Gegner rosa sieht

Rosa statt rot sah auch der US-Footballcoach Hayden Fry, ein studierter Psychologe. Der Trainer an der Universität von Iowa liess Ende der 1970er-Jahre die Gästekabine rosa streichen. Er setzte damit eine Theorie des Farbpsychologen Alexander Schauss durch, der einem bestimmten Rosa-Ton eine beruhigende, testosteronsenkende Wirkung zusprach.

In einem Gefängnis in Seattle konnte Schauss seine Theorie testen. Er stellte fest, dass Häftlinge in rosa Zellen ruhiger wurden. Er nannte die Farbe in Anlehnung an die Leiter der Anstalt Baker-Miller-Pink. Auch Schweizer Gefängnisse experimentierten ab diesem Jahrtausend mit pinkfarbenen Zellen. Ob das Baker-Miller-Rosa tatsächlich seine entspannende Wirkung entfaltet, wird kontrovers diskutiert.

Der beste Langläufer der Welt greift gerne auf rosa Stöcke und Handschuhe zurück: Der Norweger Johannes Hösflot Kläbo
Der beste Langläufer der Welt greift gerne auf rosa Stöcke und Handschuhe zurück: Der Norweger Johannes Hösflot Kläbo
Keystone

Footballcoach Fry und Nachahmer versuchten, die Gegner mit Pink folglich schon vor dem Spiel einzulullen bzw. in einen Nachteil zu bringen. Der clevere Fry auch aus einem anderen Grund: Begannen sich nämlich die Gegner mit der besonderen Kabinenfarbe zu beschäftigen, hatte er es bereits in ihre Köpfe geschafft und ihre Konzentration gestört.

Rosa ist ein Dauerbrenner der Frauensportbekleidung

Überhaupt ist die Vorstellung, Rosa sei eine Frauenfarbe, eine sehr zeitgenössische. Rosa ist, historisch betrachtet, das kleine Rot. Diese knallige Signalfarbe gilt als männlich bzw. Kriegsfarbe. Rosa war darum über Jahrhunderte die Farbe der «kleinen Krieger», also der Knaben. Selbst Jesus trägt Pink, während es sich für Mädchen schickte, (helles) Blau zu verwenden, die Farbe der Jungfrau Maria.

Darum schrieb noch 1918 eine amerikanische Frauenzeitschrift: «Die allgemein akzeptierte Regel ist Rosa für Jungen und Blau für Mädchen. Der Grund dafür ist, dass Rosa als eine entschlossenere und kräftigere Farbe besser zu Jungen passt, während Blau, weil es delikater und anmutiger ist, bei Mädchen hübscher aussieht.»

Da die Erinnerung an die religiöse Farbsymbolik aber immer mehr verblasste und sich Arbeiter und Matrosen im praktischeren Blau kleideten, drehte Mitte des 20. Jahrhunderts langsam, aber sicher der gesellschaftliche Konsens, welches Geschlecht sich nun in welcher Farbe präsentieren darf.

Insofern kehrt der Männersport zurzeit an die Anfänge zurück, während die Frauen weiter an der Moderne festhalten: Pink zählt in der Frauen-Sportbekleidung seit vielen Jahren zu den meistgekauften Farben.