Skepsis gegenüber Wasserbauplänen

Kiesen-Jaberg

Der Kanton plant in der Aare verschiedene Massnahmen zum Hoch­wasser- und Uferschutz. Bei der Vorstellung in Kiesen schlug dem Projekt grosse Skepsis entgegen.

Brennpunkt Chisemündung: Die hier geplante Landzunge stiess auf heftige Kritik.

Brennpunkt Chisemündung: Die hier geplante Landzunge stiess auf heftige Kritik.

«Das Projekt Aarewasser hat der Kanton zwar abgeschrieben, doch die Probleme entlang des Flusslaufs bestehen nach wie vor», so Bruno Gerber, Projektleiter beim kantonalen Tiefbauamt, einleitend am Informationsabend in Kiesen. Gerber stellte in der Turnhalle vor rund 50 Personen den neuen Wasserbauplan Aare für den Abschnitt Kiesen-Jaberg vor und erklärte, dass der Kanton einen «Einblick in die Werkstatt» gewähren und die Bevölkerung dabei möglichst früh einbeziehen möchte. «Handlungsbedarf besteht», betonte Gerber und schilderte Ausgangslage und Zielsetzungen des neuen Projekts des Kantons, welches vielfältigen Ansprüchen gerecht werden müsse.

Landzunge geplant

An der engsten Stelle, wo die Autobahn nur 25 Meter vom Fluss entfernt vorbeiführt und wo auch noch eine Wasserleitung und ein Wanderweg an der Aare verlaufen, soll das Ufer mit Steinblöcken und Buhnen, die etwas ins Wasser hineinragen, gesichert werden. Solches ist geplant auf der rechten Flussseite unterhalb der Einmündung der Chise. Diese münde heute entgegen der Laufrichtung in die Aare, führte Gerber aus. Um den Bach besser in den Fluss zu leiten, sehen die Projektverantwortlichen vor der Chisemündung das Anlegen einer Landzunge vor.

Diese würde den Wasserverlauf mehr auf die Jaberger Seite steuern, wo direkt gegenüber mithilfe des so umgeleiteten Wassers eine natürliche Teilaufweitung, verbunden mit einer Hangsicherung, vorgesehen ist. Das linke Ufer weiter unten biete sich an für eine Reaktivierung eines Altarms der Aare mit dem Anlegen von Amphibienweihern, erläuterte Gerber die Wasserbaupläne, welche ab heute Freitag bei den betroffenen Gemeinden (auch Wichtrach ist gering betroffen) und beim Kanton zur Mitwirkung aufliegen.

Ärger über «Party-Insel»

Eröffnet wurde die Diskussion bereits an der Infoveranstaltung. Ein Anwohner direkt bei der ­Chisemündung befürchtete, dass der dort bestehende «Chilbi-Egge» durch die Pläne des Kantons zusätzliche Attraktivität erfahre. Gerbers Gegenargument, dass mit der Landzunge mehr Platz und somit Distanz zu den Anwohnern geschaffen werde und diese auch einen besseren Sichtschutz erhielten, half wenig, die Gemüter zu beruhigen. Die Lärm- und Geruchsbelästigungen der Feiernden seien schon heute eine «Zumutung» für die Anwohner, lautete die weitere Kritik an der «Party-Insel». Zudem wurden Ängste geäussert, dass die Chise mit der geplanten Wasserbaumassnahme ihr Wasser zurückstauen werde. «Wir haben in Kiesen kein Hochwasserproblem an der Aare, sondern vielmehr an der Chise», war eine weitere kritische Wortmeldung an die Adresse des Kantons.

Kostenteiler bemängelt

Der kantonale Projektleiter bezifferte die Projektkosten auf 3 bis 6 Millionen Franken. Werde nur die reine Ufersicherung gemacht, müssten die Gemeinden rund 40 Prozent davon tragen. Bei weitergehenden Massnahmen mit Renaturierungen würden Bund und Kanton bis zu 75 Prozent übernehmen und es seien noch weitere Beiträge zu erwarten, führte Gerber aus und verwies auf den Wasserverbund Bern und das Bundesamt für Strassen, welche angefragt ­würden. Das seien die Hauptprofiteure des Projekts, die deshalb auch hauptsächlich bezahlen müssten, meinte ein Votant, statt die Gemeinden zur Kasse zu beten für etwas, das sie gar nicht wollten.

Verachtung gezeigt

«Wir haben in Kiesen eigentlich keinen grossen Bedarf»: Das ­bemerkte Gemeindepräsident Ernst Waber zu Beginn zu den neuen Wasserbauplänen. In einer vom Moderator der Infoveranstaltung zum Schluss lancierten Konsultativabstimmung schlug diesen Verachtung aus dem Publikum entgegen. Unter diesen Umständen ist es fraglich, ob Projektleiter Bruno Gerber den weiteren Fahrplan einhalten kann. Dieser sieht vor, dass nach der Mitwirkung bis zum Herbst ein Vorprojekt erstellt wird. Nach erfolgter Prüfung durch die Ämter sollen die Pläne Ende 2019 aufgelegt und 2020 dann genehmigt werden. Theoretisch könnte danach 2021 der Baustart erfolgen.

Weitere Informationen auf www.be.ch/aare

Berner Zeitung

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