Zum Hauptinhalt springen

Comeback der BibliothekenSo sauber waren die Bücher selten

Seit einer Woche sind die Kornhausbibliotheken in Bern wieder offen, inklusive Schutzmassnahmen. Statt die Bücher in die Quarantäne zu schicken, werden sie desinfiziert.

Aussergewöhnliche Aufmerksamkeit für ein Buch: Bevor es ins Gestell kommt, putzt es eine Mitarbeiterin mit Desinfektionsmittel.
Aussergewöhnliche Aufmerksamkeit für ein Buch: Bevor es ins Gestell kommt, putzt es eine Mitarbeiterin mit Desinfektionsmittel.
Foto: Christian Pfander

Was beim Einkaufen schon fast zur Gewohnheit geworden ist – allenfalls kurz anstehen, mit dem bereitgestellten Desinfektionsmittel die Hände einreiben –, dehnt sich auf den Non-Food-Bereich aus. Seit letztem Montag können in der Kornhausbibliothek in der Stadt, wie auch in den Quartier-, Park- und Gemeindebibliotheken, wieder Bücher zurückgebracht und ausgeliehen werden. Acht Wochen lang waren sie geschlossen.

Erst sei er davon ausgegangen, dass die Bibliotheken erst im Juni wieder öffnen dürfen, sagt Felix Hüppi, Direktor der Kornhausbibliotheken Bern. «Wir dachten: So lange können die Leute nicht warten.» Also bauten die Kornhausbibliotheken einen Bücher-Heimlieferservice auf. Diesen bieten sie nun, in einem spontanen Strategiewechsel, Menschen aus der Risikogruppe an. Die Nachfrage ist allerdings klein. Nur eine Handvoll Bestellungen sei bisher eingegangen, sagt Hüppi.

Zuerst die Hände desinfizieren, dann den Pfeilen nach: Der Eingang der Bibliothek im Kornhaus ist Corona-tauglich umgestaltet.
Zuerst die Hände desinfizieren, dann den Pfeilen nach: Der Eingang der Bibliothek im Kornhaus ist Corona-tauglich umgestaltet.
Foto: Christian Pfander

Die meisten Menschen kommen direkt in die Bibliothek. Maximal 100 Personen dürfen gleichzeitig in der Bibliothek im Kornhaus sein. Denn gemäss dem Branchenschutzkonzept, das der Verband Bibliosuisse zusammen mit dem BAG erarbeitete, darf sich pro zehn Quadratmeter maximal eine Person aufhalten. Am Boden zeigen Markierungen oder Pfeile den Abstand und die Laufrichtung an.

Um die Zahl von 100 nicht zu überschreiten, gibt die Kornhausbibliothek beim Eingang plastifizierte Nummern ab. «Das ist nicht ideal, dessen sind wir uns bewusst», sagt Hüppi. Die Nummern werden nach dem Gebrauch aber desinfiziert.

Dank den Nummern wissen die Mitarbeitenden, dass nie mehr als 100 Menschen in der Kornhausbibliothek sind.
Dank den Nummern wissen die Mitarbeitenden, dass nie mehr als 100 Menschen in der Kornhausbibliothek sind.
Foto: Christian Pfander

Und wie wird sichergestellt, dass auf den Büchern keine Viren sitzen? Bis zu drei Tage können die Coronaviren gemäss aktuellem Wissensstand auf einer glatten Oberfläche wie einem Buch überleben. Man habe sich überlegt, die Bücher so lange in einer Art Quarantäne zu lagern, sagt Hüppi, wie das manche Bibliotheken machen. Doch um Stau zu vermeiden, gerade bei beliebten Büchern wie den Bestsellern oder den neuen Romanen, hat sich die Kornhausbibliothek für einen anderen Weg entschieden. Nach der Rückgabe an der Ausleihtheke, wo das Personal hinter einer Plexiglasscheibe ist, werden die Buchdeckel nun desinfiziert.

Ob Krimi oder Comic: Jedes Buch wird desinfiziert.
Ob Krimi oder Comic: Jedes Buch wird desinfiziert.
Foto: Christian Pfander

Da alle Besucherinnen und Besucher ihre Hände desinfizieren, sollten auch die Bücher in den Regalen sauber bleiben, so Hüppi. Und wer ganz sicher sein wolle, desinfiziere die Bücher zu Hause nochmal oder lege sie drei Tage zur Seite.

E-Books bleiben Nische

Während der acht Wochen des Lockdown konnten keine Bücher ausgeliehen werden, die Abos haben die Kornhausbibliotheken deswegen um dieselbe Zeit verlängert. Nur elektronische Bücher konnten ausgeliehen werden, dies passierte dafür umso häufiger. Überdurchschnittlich viele Abos für die E-Bibliothek wurden gemäss Hüppi abgeschlossen. Im März und April haben die Kornhausbibliotheken deswegen für 20’000 Franken zusätzliche Lizenzen für die E-Books gekauft.

Diese Art der Ausleihe nehme zwar deutlich zu, sagt Hüppi. Von der Gesamtausleihe mache dieser Bereich aber nur wenig mehr als fünf Prozent aus. «Die E-Bibliothek bleibt eine Nische», sagt Hüppi. Dies auch deshalb, weil es schwierig sei, von den Verlagen überhaupt Lizenzen für E-Books zu erhalten.

Nur kurz durch die Büchergestelle wandeln, dann schnell wieder weg: Gelesen und gearbeitet wird erst später wieder.
Nur kurz durch die Büchergestelle wandeln, dann schnell wieder weg: Gelesen und gearbeitet wird erst später wieder.
Foto: Christian Pfander

Noch sind die Lesesessel und Arbeitsplätze in der Bibliothek abgesperrt. Man wolle vermeiden, dass die Leute in der Bibliothek verweilen. «Es ist schade», sagt Hüppi, «dass wir im Moment praktisch nur für die Rückgabe und Ausleihe offen sind.» Er hofft, dass mit den Lockerungen ab Juni nach und nach auch Zeitung lesen und arbeiten wieder möglich sein wird.