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Die Migros verkauft jetzt Autos

Im digitalen Warenhaus Galaxus gibts per Mausklick Neuwagen ab der Stange.

Nach dem Kauf im Internet wird das Auto vollgetankt und mit Vignette versehen nach Hause geliefert. Foto: iStock
Nach dem Kauf im Internet wird das Auto vollgetankt und mit Vignette versehen nach Hause geliefert. Foto: iStock

Vom Make-up über den Hochdruckreiniger bis zum Boxspringbett: Galaxus, das digitale Warenhaus der Migros, führt ein recht buntes Sortiment. Neu versucht sich der Onlineanbieter auch als Autohändler. Kunden können Neuwagen mit ein paar Klicks im Internet kaufen.

Sechs Modelle von Hyundai, Toyota, Honda und BMW sind ab sofort im Angebot. Die Palette soll bald ausgebaut werden. Die Farbe oder Ausstattungen wie Klima­anlage, Sitzheizung oder Park­assistent können die Kunden aber nicht auswählen. Die Modelle sind vollständig vorkonfiguriert. «Wir sprechen Kunden an, die bereits wissen, was sie wollen, und die keine grosse Sache aus dem Autokauf machen wollen», sagt Digitec-­Galaxus-Gründer Oliver Herren.

Statt mit einem individuell zusammengestellten Fahrzeug und Beratung will Galaxus andernorts punkten. «Die Preise liegen 10 bis 40 Prozent unter dem offiziellen Listenpreis», sagt Herren. Galaxus kaufe die Autos über einen Schweizer Importeur. Dessen Name sei «Geschäftsgeheimnis».

«Gerade die Generation der 30- bis 50-Jährigen hat kaum Berührungsängste.»

Thomas Lang, E-Commerce-Experte

Doch sind die Schweizer willens, ein Auto für mehrere Zehntausend Franken wie Kleider oder Smartphones per Mausklick zu kaufen? Thomas Lang, Chef der ­E-Commerce-Beratungsfirma Carpathia, schätzt die Bereitschaft der Kunden als sehr hoch ein. «Gerade die Generation der 30- bis 50-Jährigen hat kaum Berührungsängste», sagt er. Dies gelte auch für Investitionsgüter im hohen fünf- bis sechsstelligen Bereich. Ein Beratungsgespräch sei immer weniger gefragt – im Gegenteil: «Man will je länger, desto mehr den persönlichen Kontakt mit dem Verkäufer vermeiden.»

Stark auf den Onlinevertrieb setzt der US-Hersteller Tesla. Und hat damit in der Schweiz grossen Erfolg. Im März war das Model 3 das am meisten ausgelieferte Auto der Schweiz. Tesla betreibt zwar Verkaufsläden, allerdings hat Unternehmenschef Elon Musk angekündigt, viele davon schliessen zu wollen.

Amag hat Onlineprojekt abgebrochen

Laut Patrick Kessler, Präsident des Verbands des Schweizer Versandhandels, ist der Autokauf im Internet für die breite Kundschaft noch gewöhnungsbedürftig. «Viele Käufer möchten ein Auto vor dem Bestellklick erst einmal anschauen, drin sitzen und probefahren.» Doch auch Kessler sieht Argumente für den Erfolg von Online-Autoverkäufen. «Kunden müssen einen Vorteil haben. Das können günstige Preise sein, limitierte Auflagen oder eine individuelle Konfiguration.»

Zu den Preisbrechern im Schweizer Automarkt gehört heute schon der Detailhändler Otto’s. Er importiert Neuwagen direkt aus der EU und inseriert die Modelle auf Onlineportalen. Der Kauf im Internet ist allerdings nicht möglich. Laut Otto’s-Chef Mark Ineichen liegt der Preisunterschied zu vergleichbaren Modellen zwischen 10 und 30 Prozent. Die Generalimporteure sehen das nicht gern. «Wenn wir über Preisvergleiche sprechen, haben wir jeweils gleich die Anwälte der grossen Schweizer Importeure im Haus», sagt ­Ineichen.

Gemäss Thomas Lang von Carpathia drängen die Kunden immer stärker auf Direktkäufe. Das bringe die Autohersteller in ein Dilemma. Sie hätten über Jahrzehnte Händlernetzwerke aufgebaut und gepflegt. Die Markenhersteller wüssten nicht, wie sie den Autohändlern beibringen sollen, dass sie ihre Wagen den Kunden auch direkt verkaufen wollen. Deshalb zögerten sie.

Auto kommt portofrei vor die Haustür

Die Schweizer Generalimporteure halten sich mit Angeboten im Internet zurück. Die Amag stiess vor mehr als zwei Jahren ein Projekt für einen Onlineshop an. Doch realisiert wurde es nie. Der Autokauf sei komplex, sagt Dino Graf, Kommunikationschef von Amag. Oft wollten Kunden beim Neukauf ihren bisherigen Wagen eintauschen oder bestünden auf Probefahrten. Die Frage sei, welche Art von Angeboten sich online realisieren lasse. Derzeit arbeitet die Amag an einem zweiten Versuch. «Wir erwarten, dass wir in den nächsten zwölf Monaten ein Onlineangebot haben werden», sagt Graf.

Bis dann hat Galaxus schon viel Erfahrung mit Autoverkäufen gesammelt. Abholen müssen die Kunden ihre Autos nach dem ­Onlinekauf nicht. Wie das Päckli von Zalando kommt auch das Auto portofrei vor die Haustür – mit vollem Tank und aufgeklebter Autobahnvignette. Wer kein Auto besitzen will, kann es bei Galaxus auch für drei bis zwölf Monate mit einem Abo mieten.

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Dieser Text stammt aus der aktuellen Ausgabe. Jetzt alle Artikel im E-Paper der SonntagsZeitung lesen: App für iOS – App für Android – Web-App
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