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«Die Oberfläche des Bodens war so warm wie nie»

Messungen von Geologen in den Alpen haben ­mehrere Rekorde ergeben.

Mit Experten verschiedener Universitäten erforscht das Schweizer Permafrost-Messnetz Permos die geologischen Veränderungen in den Schweizer Alpen. Die Fachleute, darunter Cécile Pellet, beo­bachten Permafrost mittels Bohrlöchern an über 15 Standorten in allen Bergregionen der Schweiz. Kürzlich haben sie ihren Bericht zu den vergangenen vier Jahren publiziert – und im Juni neue Rekorde verzeichnet.

Was haben Sie festgestellt?

In der Zeitspanne von 2014 bis 2018 sind in der Schweiz die bisher wärmsten Lufttemperaturen gemessen worden. Unser Bericht umfasst die wärmste hydrologische Vierjahresperiode seit 1864. Das hat sich auch auf den Untergrund ausgewirkt. Die Temperatur, die wir Ende Juni an der Bodenoberfläche gemessen haben, war so hoch wie noch nie.

Wo genau war das?

Beispielsweise beim Blockgletscher Murtel Corvatsch in Graubünden, da haben wir 16,1 Grad Celsius registriert. Das sind mehr als 3 Grad mehr als jemals zuvor in dieser Periode.

Gab es noch weitere Höchstwerte?

Ja. Im Sommer der Jahre 2015 und 2018 haben wir bei den meisten Bohrlöchern bezüglich Dicke der Auftauschicht neue Rekorde verzeichnet.

Und das bedeutet?

Dass die Schicht, die auftaut und dann wieder gefriert, grösser wird. Das kann Gestein instabiler machen – zum Beispiel, wenn gefrierendes Wasser in Spalten Steine sprengt, oder weil Geröll nicht mehr zusammenhält.

Fallen diese Rekorde dieses Jahr erneut?

Das wird sich erst weisen, denn in der Regel ist diese Auftauschicht erst gegen Anfang Oktober am grössten.

Wie sehen Ihre Prognosen aus?

Unsere verschiedenen Beobachtungen weisen seit 2009 auf eine kontinuierliche Erwärmung des Permafrosts hin, und damit verbunden ist ein anhaltender Verlust von Untergrundeis. Zwar wird es auch künftig jährliche Schwankungen geben. Wir rechnen aber damit, dass die Auftauschicht weiterhin dicker wird und die Erwärmung des Permafrosts anhält.

Steigt dadurch die Gefahr für Wanderer und Bergsteiger?

Wir sind nicht für die Analyse von Gefahren zuständig. Fest steht aber, dass in Hochgebirgsregionen die Instabilität des Gesteins weiter zunehmen wird.

Gibt es Karten, auf denen ein Hobby-Alpinist erkennen kann, wo sich der Permafrost verändert?

Nein, denn Permafrost ist grundsätzlich nicht sichtbar. Das bestehende Material gibt Berechnungen und Schätzungen wider, aber keine lokalen Spezifikationen.

Interview: Pia Wertheimer

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