Scheidung auf Griechisch

Die Scheidungsrate schnellte 2017 in Griechenland um 74 Prozent hoch. Eine Folge der Wirtschaftskrise? Der Grund ist banaler.

Armin Müller@Armin_Muller

Die Zahl der Scheidungen in Griechenland ist 2017 um 74 Prozent hochgeschnellt, meldet das Statistikamt. Scheidungswelle als Spätfolge der Wirtschaftskrise? Der Grund ist banaler: 2016 streikten die Anwälte. Viele Scheidungen konnten erst 2017 vollzogen werden. Seit Krisenausbruch sind die Heiraten leicht zurückgegangen, die Scheidungen leicht angestiegen. Im internationalen Vergleich liegt Griechenland im hinteren Feld: Auf 100 Eheschliessungen werden 29 geschieden, in der Schweiz sind es 41. Spitzenreiter ist Portugal mit 69 Scheidungen auf 100 Heiraten.

Gesellschaftliche Normen bleiben über lange Zeit stabil, die Einstellungen zu Ehe und Scheidung ­verändern sich nur langsam. Aber Gesetzesänderungen oder Anpassungen der Statistikmethoden sorgen für auffällige Brüche in den Daten. So geschehen in der Schweiz im Jahr 2000, als das neue Scheidungsrecht in Kraft trat, oder 2011, als die Scheidungsrate wegen einer Änderung der Datengrundlage plötzlich um 20 Prozent tiefer lag. Die Statistik ist voll von solchen Brüchen. In Italien erhöhten sich die Scheidungsraten 2015 und 2016 stark, nachdem eine Gesetzesreform Dauer und Kosten des Scheidungsverfahrens drastisch verkürzten. Der gleiche Effekt trat 2013 in Dänemark auf, als die Scheidung per Mausklick über eine Behörden-Website ermöglicht wurde.

Der Trend zu steigenden Scheidungsraten scheint in Europa gebrochen: Seit 2008 nahm die Rate in 13 Ländern zu, aber in 20 ab. Allerdings liegt das nicht an einer zunehmenden Stabilität der Ehe. In den meisten europäischen Ländern geht die Zahl der Eheschliessungen pro 1000 Einwohner seit Jahren zurück. Wo weniger geheiratet wird, kann auch weniger geschieden werden.



Dieser Text stammt aus der aktuellen Ausgabe. Jetzt alle Artikel im E-Paper der SonntagsZeitung lesen: App für iOSApp für AndroidWeb-App

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt