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Sechs Mythen über Kuhmilch im Faktencheck

Milch ist ungesund und macht dick

Regelmässig wird darüber diskutiert, ob die gute alte Kuhmilch der Gesundheit nützt – oder schadet. Kritiker warnen: Milch verstopfe die Arterien, wirke verschleimend und fördere Krankheiten von Osteoporose bis Krebs. Aktuelle wissenschaftliche Studien zeigen: Die meisten Behauptungen sind nicht belegt.

Milch lässt die Knochen schwinden

Dass Milch zu Osteoporose führe und das Risiko von Knochenbrüchen erhöhe, hört man oft. Doch ein Grossteil der als valide eingeschätzten Studien sieht keinen direkten Zusammenhang zwischen Osteoporose und dem Verzehr von Milcherzeugnissen. Im Gegenteil: Das Kalzium der Milch fördert den Knochenaufbau. Für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ist die Kalziumversorgung wichtig – was in den beiden ersten Lebensjahrzehnten nicht an Knochendichte erreicht wird, kann nicht nachgeholt werden. Zwar ist Kalzium auch in pflanzlicher Nahrung und Mineralwasser enthalten. Doch um den Tages­bedarf zu decken, müsste man 1,1 Kilo Broccoli oder 950 Gramm Tofu verzehren – oder 3,3 Liter kalziumreiches Mineralwasser trinken.

Asiaten leiden seltener unter Osteoporose

Asiaten, die wenig bis gar keine Milch trinken, erkranken seltener an Osteoporose: Diese Aussage ist laut Agroscope, dem landwirtschaftlichen Forschungszentrum des Bundes, «zu generell gehalten». So ist das Osteoporose-Risiko der städtischen Bevölkerung in China mit der Situation in westlichen Ländern vergleichbar. Zudem lässt sich ein gehäuftes Vorkommen von Osteoporose mit der höheren Lebenserwartung in westlichen Industrienationen erklären. Da die Krankheit im Alter gehäuft auftritt, führt eine geringere Lebenserwartung zu weniger Krankheitsfällen.

Milch verschleimt

Im 12. Jahrhundert empfahlen Ärzte Asthmapatienten, auf Milch zu verzichten, da diese zur Verschleimung der Atemwege beitrage. Nach aktueller Datenlage gehört diese Verschleimung ins Reich der Legenden. In australischen Studien wurden gesunde Personen und solche mit Schnupfenviren untersucht. In beiden Gruppen stellten die Wissenschaftler keine erhöhte Schleimbildung nach Milchkonsum fest. Es zeigte sich: Nach dem Verzehr von Milch sind im Vergleich zu einem Sojagetränk mit gleichartigen sensorischen Eigenschaften dieselben Veränderungen aufgetreten.

Milch verursacht Krebs

Milch und Milchprodukte, die in der empfohlenen Menge konsumiert werden, erhöhen das Darm- und Brustkrebsrisiko nicht. Im Gegenteil: Gemäss mehreren Studien verringern Milch und Milchprodukte wohl das Risiko für Dickdarmkrebs. Einen positiven Effekt für den Darm gebe es ab Tagesmengen von 2 Dezilitern Milch. Auch beim Brustkrebs gibt es bisher keinen Hinweis, dass Milch und Milchprodukte das Risiko erhöhen. Nicht eindeutig ist die Datenlage beim Prostatakrebs.

Milch macht dick

Auch als Dickmacher ist Milch verschrien. Ein Glas Vollmilch (200 Milliliter) liefert 128 Kilokalorien. Das entspricht etwa einem halben Croissant. Vor allem Milchfett, aber auch Milchzucker sorgen für den hohen Kaloriengehalt. Kritiker warnen vor den gesättigten Fettsäuren der Milch, die schlecht seien für Herz und Gefässe. Neuere Studien kommen aber zum Schluss, dass Milch das Risiko für Diabetes Typ 2 (Altersdiabetes) und Herz-Kreislauf-Krankheiten sogar senken kann. Laut einer US-Studie sind Milchtrinker zudem nicht dicker, sondern dünner als Nicht-Milchtrinker. Es wird vermutet, dass das Kalzium die Gewichtsreduktion unterstützt. Fettleibige Probanden, die drei oder mehr Portionen Milchprodukte zu sich nahmen, hatten den schnellsten und grössten Abnehmerfolg.

Zu viel Milch führt zu gesundheitlichen Problemen

Ein zu viel eines Lebensmittels verdrängt die Zufuhr anderer Lebensmittel. Das gilt generell. Übermässiger Milchkonsum zum Beispiel kann zu einem Mangel an Mineralstoffen wie Eisen, Kupfer oder Mangan führen. Gemeinhin wird angenommen, dass der Konsum von mehr als zwei Litern Milch pro Tag über längere Zeit schädlich ist. In der wissenschaftlichen Literatur liegen indes keine Berichte dazu vor. Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung empfiehlt den Verzehr von täglich drei Portionen Milch oder Milchprodukten. Eine Portion entspricht 2 Dezilitern Milch oder 150–180 Gramm Joghurt oder 200 Gramm Quark respektive Hüttenkäse oder 30–60 Gramm Käse. (pas/db)

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