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Toxische Weiblichkeit

Grosse Lippen für Likes: Es stellt sich die Frage, was von dieser Karikatur von Weiblichkeit zu halten ist.

Sie füllen ihren Hintern und ihre Brüste mit Eigenfett und Silikon, spritzen die Lippen zu Schlauchbooten, glätten schon die kleinsten ­Fältchen an den Augen und tätowieren sich die Brauen zu breiten Balken. Das Schönheitsideal vieler junger Frauen ist in den letzten Jahren eine irritierende Mischung aus Ghetto- und ­Porno-Chic geworden.

Während in akademischen Kreisen und in den Medien ständig Diversity gepredigt wird – also mehr Vielfalt –, scheinen die jungen Frauen in der Realität nichts gegen ein einheitliches Schönheitsideal zu haben. Sie unterwerfen sich diesem Diktat sogar freiwillig und sind auch ­bereit, dafür viel Geld auszugeben und teils ­absonderliche Prozeduren über sich ergehen zu lassen.

«Sie wollen sich selbst imponieren und mehr Likes bekommen als andere.»

Schon klar: Frauen sollen so aussehen können, wie sie wollen. Vorschriften hat man ihnen lange genug gemacht, und in vielen Ländern müssen sie sich immer noch an solche halten. Bloss stellt sich hierzulande die Frage, was von dieser Karikatur von Weiblichkeit – grosse Brüste, grosse Lippen, grosser Hintern – zu halten ist. Ausgerechnet jetzt, da die Emanzipation so weit ist wie noch nie in der Geschichte.

Es geht diesen Frauen nicht einfach nur darum, dem anderen Geschlecht zu gefallen. Sie wollen sich selber imponieren – und ganz wichtig: Sie wollen schöner sein und mehr Likes bekommen als ihre Konkurrentinnen. Diesen bio­logisch bedingten Wettbewerb konnte offenbar auch die stärkste Feministinnenbewegung nicht stoppen. Er ist jahrtausendealt, führt aber in Zeiten von Instagram, Facebook und Youtube, da sich die jungen Frauen fast schon minütlich miteinander vergleichen und gegenseitig zu übertreffen versuchen, zu bislang unvorstellbaren ­ästhetischen Perversionen.

Gesund ist das alles nicht. War in den letzten Wochen öfter von einer toxischen Männlichkeit zu lesen, die es zu bekämpfen gelte, lautet die Diagnose hier eindeutig: toxische Weiblichkeit – ein ultimativer Schönheitswahn, der zumindest den Verdacht erweckt, nicht gerade auf einem gesunden weiblichen Selbstbewusstsein zu basieren. Und der auf Dauer – wenn nicht bereits von Beginn weg – Körper, Gesicht und Psyche sicherlich eher schädigt als optimiert. Die Entwicklung bleibt rätselhaft, aus ­Männersicht erst recht. Jahrzehntelang kämpften ­Frauen für Gleichberechtigung, gegen ­Sexismus und dagegen, auf Äusserlich­keiten ­reduziert zu werden – und das Resultat ist eine ­Generation mit Entenschnäbeln und Porno­hintern, deren wichtigste Währung nicht Aus­bildung, Beruf oder Intelligenz sind – sondern ­ausschliesslich die eigene Schönheit und ­Sexiness. Oder was auch immer sie dafür ­halten.

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